Grüne wollen Zugfahren billiger machen

Sobald es bei der SBB nicht mehr rund läuft, drohen höhere Billettpreise. Die Grünen versuchen nun diesen Trend zu stoppen – mit einer Fahrt in die Gegenrichtung. Sie fordern günstigere Tickets und Abonnements.

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Neues Tarifsystem für den ÖV

1:37 min, aus Tagesschau am Mittag vom 22.4.2013

Der Umstieg vom Auto auf die Bahn soll sich lohnen. Deshalb haben die Grünen eine gezielte Anpassung der Billetts vorgeschlagen. Mit der sogenannten «Bahnkarte 25» würden sämtliche Zugtickets einen Viertel weniger kosten.

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Vorschläge der Grünen

Neben der «Bahnkarte 25» sollen in den Randzeiten weniger hohe Tickettarife gelten. Zudem sollen neue GA-Angebote geschaffen werden, die nur in den Randzeiten gültig sind.

Mit einem Billig-Halbtax für Autofahrer würde nach Auffassung der Grünen die Wirtschaftlichkeit des öffentlichen Verkehrs verbessert, weil die Randzeiten besser ausgelastet wären. «Dadurch können Tariferhöhungen vermieden werden», teilte die Partei in ihrem Communiqué mit.

Die Autofahrer auf die Bahn locken, ist grundsätzlich eine gute Idee. Dies findet auch der Präsident des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV), Ueli Stückelberger.

«Wir begrüssen das Anliegen der Grünen, den öffentlichen Verkehr in der Freizeit und in den Randzeiten zu stärken. Mit dem neuen Produkt sind wir etwas skeptisch. Das müssen wir zuerst prüfen», so Stückelberger.

Ein Problem könnte bereits die Umsetzung eines breiteren Angebots werden. Die Kunden könnten schnell den Überblick verlieren, befürchtet der VöV-Präsident: «Stellen Sie sich vor, wenn es bei einem Automaten noch mehr Möglichkeiten geben würde. Ein Kunde muss weiterhin wissen, was er drücken soll.»

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Der Ansatz der Grünen sei gut. (VöV-Präsident Stückelberger)

2:26 min, vom 22.4.2013

Im vergangenen Jahr hatte die SBB erstmals seit Jahren sinkende Passagierzahlen zu beklagen. Dies sei ein Alarmsignal, halten die Grünen fest. «Anstatt den ÖV immer teurer zu machen und eine falsche Verlagerung vom ÖV zum Auto in Kauf zu nehmen, sollen mehr Kunden vom Auto auf den ÖV umgeleitet und die zum Teil leeren Busse und Züge in den Randzeiten besser gefüllt werden», sagte Nationalrat Bastien Girod (ZH) gemäss Redetext.

Voraussetzung dafür ist die gesetzliche Verankerung eines Verlagerungsauftrags im Personenverkehr. Ein solcher gilt heute nur für den alpenquerenden Güterverkehr. Die Grünen kündigten an, im Parlament einem Vorstoss für einen Verlagerungsartikel im Personenbeförderungsgesetz einzureichen.

Auch der VöV prüft laut Stückelberger zurzeit Alternativen. Denn «wenn es an einem Ort günstiger wird, müsste man auch sagen, was am anderen Ort teurer werden sollte.»

Eine Alternative wäre eine Mischung zwischen einem General -und dem Verbundabonnement: «Man hat beispielsweise ein Verbundabonnement in einem Gebiet und kann dann noch ein Bündel Tageskarten dazukaufen. So hätte man ein GA für gewisse Tage als Freizeittageskarte», erklärt Stückelberger.

Bezahlen nach dem Verursacherprinzip

Langfristig planen die Grünen noch eine weitere Änderung. Die Transportkosten sollen verursachergerecht finanziert werden: Wer die Infrastrukturen stärker nutzt, soll aus Sicht der Grünen auch mehr bezahlen. Dieses vom Bundesrat geplante Mobility Pricing solle für Strasse und ÖV gemeinsam eingeführt werden.