Güterverkehr auf zusätzliche Terminals in Italien angewiesen

Damit der Güterverkehr auf der neuen Gotthardstrecke wachsen kann, muss in Italien die Infrastruktur ausgebaut werden. Damit es kein böses Erwachen gibt, beteiligt sich das Schweizer Unternehmen Hupac an mehreren Projekten.

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Bildlegende: Der Hupac-Direktor ist optimistisch: Probleme wie in der Vergangenheit soll es zwischen Bern und Rom nicht mehr geben. Keystone

Der Geschäftssitz der Hupac in Chiasso liegt gleich neben dem grossen Güterbahnhof. Hupac-Direktor Bernhard Kunz blickt zu einem durchfahrenden Zug mit Containern und spricht über die Veränderung, die der Basistunnel am Gotthard bringt: «Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass man transalpin eine Flachbahn zur Verfügung hat. Wir fahren in Bremen ab und fahren in Mailand ein – das alles in der Ebene.» Diese Effizienzsteigerung werde die Kunden freuen, ist Kunz überzeugt.

Das neue Kapitel im Güterverkehr

2:53 min, aus SRF 4 News aktuell vom 12.05.2016

Früher mussten drei Lokomotiven die Güterzüge über den Gotthard schleppen. Bald reicht eine durch den Basistunnel. Doch das neue Kapitel im Güterverkehr beginnt erst im Jahr 2020. Dann ist auch der Ceneri-Basistunnel bereit, bis dann wird die Luino-Linie ausgebaut sein.

«Das wird nächstes Jahr gewisse Engpässe geben», so Kunz. Denn die Luino-Linie werde für sechs Monate geschlossen bleiben. «Das ist der Preis, den wir zahlen, um ab 2020 ein Netz zur Verfügung zu haben, das viel leistungsfähiger sein wird.»

Bilaterales Grossprojekt steht

Damit der Schienengüterverkehr wachsen kann, braucht es in Norditalien mehr Güterterminals, wo Güter, Container und Sattelschlepperanhänger zwischen Schiene und Strasse verladen werden können. Hupac beteiligt sich an neuen und auszubauenden Terminals in Brescia, Piacenza und Mailand. Damit wird der Gotthard attraktiv für Transporte aus Süditalien.

«Die bilaterale Vereinbarung Schweiz-Italien steht – nicht nur auf dem Papier», ist Kunz überzeugt. Man sei bereits in der Planungsphase und Ende Jahr sollten die administrativen Schritte vollzogen sein, prognostiziert der Hupac-Direktor: «Dann kann schnell mit dem Bau begonnen werden.»

Viele Gespräche zwischen Bern und Rom

Seit der Eröffnung der ersten Neat-Baustelle in Sedrun vor 20 Jahren hatten die Bundesräte Leuenberger und Leuthard mit insgesamt elf Verkehrs- und Infrastrukturministern in Rom zu tun. Das südliche Nachbarland musste von den Neat-Planungen in der Schweiz immer wieder neu überzeugt werden.

Jahrelang herrschten bei den Neat-Anschlüssen südlich von Bellinzona Variantenvielfalt, Mangel an Klarheit und Polemik. Nun scheinen die Neat- Südanschlüsse rechtzeitig bereitzustehen. Bernhard Kunz analysiert: Dies sei auch der Erfolg einer pragmatischen schweizerischen Verkehrsdiplomatie.

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