Nach den Murgängen im Bergell Helfer sind mit Hochdruck am Aufräumen

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Spezialisten der Armee am Piz Cengalo im Einsatz

1:42 min, aus Tagesschau vom 2.9.2017
  • Im Bergsturzgebiet im Bergell sind die Räumungsarbeiten nach einer Wetterberuhigung wieder intensiviert worden.
  • Der Wasserstand der Maira, die durch Geröllmassen gefüllt ist, hat sich zurückgezogen.
  • Weitere Murgänge können aber nicht ausgeschlossen werden.

«Wenn eine Mure kommt, muss das Gefahrenfeld innert vier Minuten geräumt sein», sagte Christian Gartmann, Sprecher des Führungsstabes der Gemeinde Bregaglia, am Samstagmittag.

Um freie Fluchtwege zu haben, stünden deshalb im Moment nur rund 50 Einsatzkräfte im Einsatz. Es bestehe weiterhin die Gefahr von Bergstürzen. Laut Gartmann ist die Gefahr weiterhin «sehr hoch»: «Eine halbe bis eine Million Kubikmeter Fels am Piz Cengalo sind akut absturzgefährdet.

«  Die Situation ist krass. »

Christian Rathgeb
Regierungsrat Graubünden

Die Bündner Regierungsräte Mario Cavigelli und Christian Rathgeb haben zum dritten Mal einen Rundgang in Bondo gemacht.

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Spenden für Bondo

Logo und Schriftzug der Glückskette

Die Glückskette bietet vom Bergsturz Betroffenen Hilfe an. Spenden können auf das Postkonto 10-15000-6 mit dem Vermerk «Bondo» überwiesen werden. Auf www.glueckskette.ch oder mittels Swiss-Solidarity-App sind ebenfalls Spenden möglich.

Mario Cavigelli sagte im Gespräch mit SRF, kurzfristig entspanne sich die Lage etwas. Es werde kühler und regne nicht mehr. Das sei gut. Doch die Gefahr sei nach wie vor sehr akut. «Wir haben sehr viel Material in der ganzen Val Bondasca, dieses ist zurzeit stark durchnässt. Es fehlt wenig, um es in Bewegung zu setzen.» Sollte es weiter regnen oder weiteres Felsmaterial am Berg abbrechen, steige die Gefahr wesentlich an.

Als krass bezeichnet Regierungsrat Christian Rathgeb die Situation in Bondo. «Die Verwüstung, die Zerstörung, die Häuser, die von einer Sekunde auf die andere nicht mehr hier sind – das ist krass.»

«Die Armee ist seit dem ersten Tag hier»

Auf die Frage, wann die Armee eingesetzt werde sagt Rathgeb: «Die Armee ist seit dem ersten Tag hier auf dem Platz.» Etwa unterstütze sie die Aufräumarbeiten mit Telematik-Mitteln, es seien aber auch Gebirgsspezialisten im Einsatz. Der Kanton erhalte aber auch materielle Unterstützung. Die Armee habe einen wichtigen Part übernommen, sei aber eventuell nicht so sichtbar.

Bei den Telematik-Mitteln handelt es sich laut dem Führungsstab der Gemeinde Bregaglia um eine Richtstrahlanlage für die Sprach- und Datenübermittlung. Damit soll die Alarmierung im Notfall sichergestellt werden.

Im Allgemeinen ist Rathgeb beeindruckt von den Leuten, die im Gebiet im Einsatz stehen und an den Räumungsarbeiten beteiligt sind. Von ihnen werde «unglaublich viel abverlangt». Rathgeb: «Ich bin sehr stolz auf die Leute. Sie sind voll motiviert, voller Tatendrang.»

Zufahrt nach Italien weiter blockiert

Die Gerölllawine in der Nacht auf Freitag füllte das Flussbett der Maira mit Kies. Der Wasserstand sei immer noch zu hoch, sagte Gartmann. Die Böschung werde mit Steinen befestigt, damit die Strasse nicht unterspült werde. An der alten Kantonsstrasse bei Spino seien Sanierungsarbeiten im Gang.

Das Bergell ist seit Mitternacht wieder vom Engadin her erreichbar. Noch Tage blockiert sein wird die Zufahrt nach Italien. Die evakuierten Bewohner der Gemeinden Bondo und Spino können bis auf weiteres auch nicht in ihre Häuser zurück. Im Tal sei der Zusammenhalt sehr gross, sagte Gartmann: «Die grosse Solidarität und die geleistete Soforthilfe sind ein weiterer Lichtblick für die Betroffenen.»