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Schweiz «Ich habe Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht»

Am Montag war für den Vorsteher der Berner Polizei- und Militärdirektion das Mass voll: Hans-Jürg Käser stellte den Direktor der Strafanstalt Thorberg frei. Nun steht Käser in der Kritik. Er weist die Vorwürfe zurück und geht gar in die Offensive.

Legende: Video Hans-Jürg Käser nimmt Stellung zu den Vorwürfen abspielen. Laufzeit 03:50 Minuten.
Aus News-Clip vom 05.02.2014.

Bei der Anstellung des freigestellten Direktors der Strafanstalt Thorberg sei alles korrekt abgelaufen, verteidigt sich Hans-Jürg Käser, Vorsteher der Berner Polizei- und Militärdirektion. «Es war eine ordentliche Stellenausschreibung. Georges Caccivio war einer von mehreren Kandidaten, der es in die engere Auswahl schaffte», sagt Käser.

Georges Caccivio
Legende: Thorberg-Direktor Caccivio: Die Affäre mit einer Drogenprostituierten hat ihn sein Amt gekostet. Keystone

Einwandfreier Leumund

Die laufende externe Untersuchung werde ans Licht bringen, ob beim Bewerbungsverfahren alles korrekt ablief. Georges Caccivios Vorgeschichte in der Trägerschaft der Sozialinstitution Yucca sei noch kein Grund gewesen, ihn nicht anzustellen, sagt Hans-Jürg Käser.

Und die Zeugenaussage im Mordfall an einer Bieler Prostituierten habe Caccivio bereits 2010 gemacht, also vor seiner Anstellung im November 2011. Der Leumund von Georges Caccivio sei einwandfrei gewesen und von den Kontakten zu einer Bieler Drogenprostituierten habe er keine Kenntnisse gehabt, sagt Käser.

«Im Zuge einer internen Untersuchung erfuhr ich davon und reagierte», sagt Käser. Darauf habe man mit Caccivio Klartext gesprochen. Die Konsequenzen: Die Resultate wurden intern diskutiert, Abläufe danach geändert. Ein Vorwurf damals war, dass der Thorberg-Direktor mit zwei Insassen per Du sei.

Externe Untersuchung und Strafanzeige

Polizeidirektor Hans-Jürg Käser ordnete an, dass Georges Caccivio die Verantwortung für die zwei Insassen an seinen Stellvertreter abgab. Den Vorwurf, dass er zu lange untätig gewesen sei, weist der Polizeidirektor entschieden zurück.

Als Käser danach von einem SRF-Journalisten mit den praktisch identischen Vorwürfen konfrontiert worden sei, wurde ihm klar: «Diese Information ist auch in Medienkreisen angelangt. Darauf habe ich eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben. Gleichzeitig reichte ich Strafanzeige gegen unbekannt ein.» Denn dies deute auf eine Amtsgeheimnisverletzung hin.

Am 30. März finden im Kanton Bern Regierungsratswahlen statt. Muss der Polizeidirektor nach dieser Affäre um seine Wiederwahl fürchten? Hans-Jürg Käser: «Das müssen die Bürger und Bürgerinnen im Kanton Bern beurteilen. Ich habe zum richtigen Zeitpunkt richtig reagiert.»

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Marco DeZonc, Solothurn
    Jeder darf mal einen Fehler machen. Wenn dieser Anstaltsleiter seinen ihm angelasteten Fehltritt begangen hat, gehört ihm ein Verweis. Sollte er das Du seinen "Zöglingen" erlaubt haben, will das nicht heissen, dass er selbige bevorzugt. In Schweden zB. sind alle per Du. Zu Hrn. Käser sage ich, dass er mehrheitlich reagiert, als selbst aktiv zu werden. Auch das muss nichts Schlechtes sein, zuerst sollte was passieren, bevor ein Polizist eingreift. Präventiv Nachfragen ist aber erlaubt.
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  • Kommentar von Hans König, Häusernmoos
    Ob RR Käser mit seiner Anzeige auf Amtsgeheimnisverletzung gegen Unbekannt den richtigen Weg geht, bezweifle ich. Es scheint, dass Tatsachen auf dem Tisch liegen die stimmen. Was bleibt einem Untergebenen übrig, als vertraulich an die Medien zu gelangen, wenn er bei seinen Vorgesetzten kein Gehör findet, resp. keine Besserung eintrifft.
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    1. Antwort von Ein Hinseher, Kleinbösingen
      Für solche Fälle braucht es unbedingt eine Ombudsstelle. Dann braucht niemand das Risiko einzugehen, die Presse einzuspannen.
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    2. Antwort von Marianne Roe, Gwatt
      Lieber Hinseher:Ich bin überzeugt, dass das Ganze ein Mobbing vor den Wahlen ist. Die andere Seite muss dringend ebenfalls zu diesen fiesen Spielen greifen, sonst wird die Politik fehlerhaft einseitig. Zur Ombudsstelle: Bei ernsten Fällen würde dann hier wieder alles unter den Tisch gewischt. Es muss möglich sein, an die Presse zu gelangen!!! Wenn beide "Seiten" die fiesen Spielen anwenden, ist das ihre Sache. Dies würde mit der Zeit auf beiden Seiten zu stark schmerzen +regulieren.
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    3. Antwort von Albert Planta, Chur
      Roe sie sind der Ansicht, die Caccivio-Affaire wäre nur inszeniert?
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