Zum Inhalt springen

Schweiz Illegal produzierter Wein belastet Waadtländer Winzer

Im Kanton Waadt sorgt ein Betrug im Weinbau für Aufsehen: Drei Winzer sind angeklagt, illegal zu viele Trauben produziert und verkauft zu haben. Die Waadtländer Justiz hat eine Untersuchung eingeleitet. Es geht um mehrere tausend Liter Wein.

Legende: Video «Gepanschter Wein in der Waadt» abspielen. Laufzeit 1:37 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 06.02.2014.

Im Kanton Waadt untersucht die Staatsanwaltschaft einen Fall von Panscherei bei Weinen mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung (AOC). Die illegale Überproduktion von rund 9000 Litern Most aus der Region La Côte ist als Appellationswein weiterverkauft worden.

Der Wein stammt aus der Gemeinde Tartegnin bei Rolle (VD) am Genfersee. Die Trauben stammen aus der Ernte 2012. Sie hätten als Überproduktion ausserhalb der gesetzlichen Kontingente nicht als klassifizierter Wein in den Handel kommen dürfen.

Kantonschemiker schreitet ein

Der Waadtländer Kantonschemiker, Bernard Klein, hatte den Fall publik gemacht und brachte den Vorfall wegen Betrugs und Urkundenfälschung am 23. Juni 2013 zur Anzeige. «Ein Betrug dieser Grössenordnung gibt es höchstens alle vier oder fünf Jahren». Drei Winzer aus der Region wurden daraufhin von der Justiz verfolgt. Dieses Vorgehen bedrohe den Weinbau, sagte Klein weiter. «Ohne eine Mengenbegrenzung fällt die Qualität der Trauben schlechter aus.»

Betroffen sind am Ende alle

Am härtesten vom Betrug betroffen ist der Winzer Jean-Luc Kursner in Féchy (VD). Er kaufte 2012 rund 9000 Liter Most aus Tartegnin, der als AOC La Côte deklariert war. Kursner vinifizierte den Most später in seinen eigenen Assemblages, die teilweise auch in den Export gehen. Er hält mit Kritik an den Weinbaukollegen nicht zurück. Mit der Überproduktion und dem einhergehenden Preiszerfall beim Wein treffe es am Schluss alle Weinproduzenten.

Nicolas Joss, Direktor der Vereinigung der Waadtländer Winzer, sieht den Betrug als Verhalten einiger weniger schwarzen Schafe. «Man darf nun deswegen nicht die gesamte Weinbaubranche in der Schweiz oder im Waadtland stigmatisieren.»

4 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Mike Brunner, Lachen
    Der Sinn ist auch nicht die Erhöhung der Qualität durch Mengenbeschränkung, sondern einzig und allein des Preises. Das kennt man überall in der Wirtschaft, oder weshalb wohl gibt es im Luxusgüterbereich Mengenbeschränkung (Limitierung), z.B. Uhren? Einzig um höhere Preise zu erwirtschaften. Habe ich auch nichts dagegen, nur warum muss der Staat (hier Kt. Waadt) auch mitmischen?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Bundesrat, Polizeipraesident, Winzer... sind alle gleich.... oder das alte Sprichwort: "Trau Schau WEM!"
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Kreienbühl, Zürich
    Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz, die dafür spricht, dass durch die Mengenbeschränkung die Qualität des Weines steigt. Diese Regelung belastet den Markt. Viele Winzer müssen Trauben von guter Qualität (die gutes Geld abwerfen würden) wegwerfen, weil ein "Kartell" den Preis hoch halten will. Was wiederum eine Rechnung ist, die nicht aufgeht, da der Markt für in- und ausländischen Wein mehr oder weniger liberalisiert ist. Heute schon entscheidet der Kunde, was er trinken will (wie überall).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Paul Soltermann, Fuqing
      Sie sollten da wohl eher einen Weinexperten als einen Wissenschaftler fragen. Der Zuckergehalt ist nicht das Mass aller Dinge (> Aarberger Sonne).
      Ablehnen den Kommentar ablehnen