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Schweiz Im Strom-Fördertopf fehlt fast 1 Milliarde Franken

In der Schweiz ist die Förderung von erneuerbaren Energien blockiert, es fehlt das Geld. Die Politik hat jetzt reagiert und will zusätzliche 300 Millionen Franken beschaffen. Ein Blick auf die lange Warteliste mit Projekten zeigt allerdings: Nötig wäre aber mindestens dreimal so viel Geld.

Legende: Video Mangel an Fördergeldern abspielen. Laufzeit 02:08 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.01.2013.

Das Geld aus dem Fördertopf der sogenannten kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) ist verteilt. Die Warteliste mit Projekten wird deshalb immer länger. Die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK) des Nationalrats will diese Situation deshalb entschärfen – und hat eine Gesetzesänderung erarbeitet.

Die gesetzliche Abgabe beim Stromkonsum soll erhöht werden: von heute maximal 1 Rappen pro Kilowattstunde auf 1,5 Rappen pro Kilowattstunde. Ganz oder teilweise von dieser Abgabe befreit sind einzig stromintensive Industriebetriebe. Sie sollen so international konkurrenzfähig bleiben. Trotz dieser Ausnahme rechnet die Kommission mit zusätzlichen Einnahmen von rund 300 Millionen Franken.

Warteliste halbiert?

Laut Kommissionspräsident Eric Nussbaumer soll das zusätzliche Geld vor allem für die vielen kleinen Solaranlagen eingesetzt werden. Von den aktuell über 24'000 Projekten auf der Warteliste könnten so rund die Hälfte abgebaut werden.

Das sieht auf dem Papier gut aus. Mit den verbleibenden mittleren und grösseren Projekten könnte man jedoch weit mehr Strom produzieren als mit den kleinen Solaranlagen. Das zeigen die Eckdaten der neusten Zahlen der Warteliste (siehe Tabelle).

Klar wird auch: Zum aktuellen Strompreis wären 950 Millionen Franken nötig, um alle Projekte zu finanzieren. Dies hat die nationale Netzgesellschaft Swissgrid auf Anfrage berechnet. Der Strom-Fördertopf wird demnach schnell wieder leer sein.

Nussbaumer verteidigt die Vorlage

In der «Tagesschau» verteidigt Nussbaumer die Vorlage: «Die Warteliste ist lang, es wäre volkswirtschaftlich nicht sinnvoll, diese in nur drei Monaten abzubauen.» Er räumt jedoch ein, dass bereits in zwei bis drei Jahren über eine weitere Erhöhung der Fördergelder diskutiert werden müsse. Doch auch die jetzt vorgeschlagenen Änderungen im Energiegesetz sind noch nicht unter Dach und Fach. Die Erhöhung der Abgabe auf den Stromkonsum kommt im Frühjahr ins Parlament.

Die Chancen stehen jedoch gut, dass die Räte zustimmen. Dank der Entlastung der stromintensiven Betriebe könnte die Vorlage eine Mehrheit finden. Ohne politischen Widerstand wird die Gesetzesänderung in einem Jahr in Kraft treten und die Blockade bei Förderung der erneuerbaren Energien mindestens teilweise auflösen.

Warteliste für Fördergelder (Hochrechnung von Swissgrid 01.01.2013)

Anzahl Produktion (kWh/a)Vergütung
Biomasse238937'880'667





140'366'713




Geothermie428'697'600




9'642'394




Photovoltaik23'392991'154'252366'607'561
Wasserkraft4501'301'620'877123'915'290
Wind 5322'258'693'663306'899'347

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Heinimann, Basel
    Interessant die Tabelle von Swissgrid. Ist ersichtlich, dass die Photovoltaikprojekte rund 39% der Fördergelder beanspruchen, jedoch nur 18% der erwartenden Stromproduktion liefern. Wasserkraftprojekte sind eindeutig interessanter, liefern sie mit 13% der Fördergelder einen Stromanteil von 24%. Auch Wind, Biomasse, Geothermie erzeugen pro Franken mehr Strom als die Photovoltaik. Dies sollte bei der Vergabe der Fördergelder berücksichtigt werden. Priorität für wirtschaftlichere Projekte!
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  • Kommentar von Walter Mathys, Etziken
    Unsere Anlage ist seit 2009 angemeldet und haben bis heute keinen Bescheid. So schwindet das Vertrauen in unsere Institutionen immer mehr. Der Endverbraucher ist immer der Lackierte. Wie beim Wasser: Sparen,sparen beim Verbrauch,die Betriebskosten nehmen zu, der Verbrauch ab:Fazit: Der Wasser Preis steigt stetig. Bei uns in Etziken m3 Preis neu CHF. 5.50 inkl. Abwasser!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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  • Kommentar von Max Wartenberg, 4000 Basel
    Zusätzlich sollte man die KEV leicht herabsetzen. Somit könnten mehr Projekte realisiert werden und die unrentabelsten fallen weg.
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