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Schweiz Immer mehr minderjährige Flüchtlinge aus Eritrea

Viele Asylsuchende, die in der Schweiz ankommen, sind unter 18 und ohne Begleitung. Die meisten von ihnen kommen aus Eritrea. Sie fliehen vor staatlicher Repression und erhoffen sich ein besseres Leben in der Schweiz. Viele von Ihnen werden jedoch enttäuscht.

Legende: Video Immer mehr junge Flüchtlinge aus Eritrea abspielen. Laufzeit 05:19 Minuten.
Aus 10vor10 vom 04.08.2014.

Nicht nur erwachsene Menschen flüchten in die Schweiz. Auch Minderjährige suchen hierzulande Asyl – und zwar unbegleitet, ohne Eltern oder Familie. Am Meisten von ihnen kommen aus Eritrea. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren es bereits 250. Das sind über viermal mehr als im gesamten letzten Jahr.

Entsprechend übervoll sind die Wohnheime für diese Flüchtlinge. Bis sie jedoch dort ankommen, müssen sie eine beschwerliche Reise durch die Wüste, politisch unsicheres Gebiet und übers Meer auf sich nehmen und dabei ihr Leben riskieren.

Monatelanges Herantasten

Über die Hintergründe der Flucht erzählen die Minderjährigen dann oft nur wenig. Dies bestätigt Markus Laib, Leiter des Zentrums Thurhof im Kanton St. Gallen: «Es braucht manchmal Monate bis wir etwas erfahren. Wir wissen auch nicht ob die Eltern noch leben. Wir müssen uns immer an diese Themen herantasten und hören wirklich wenig bis nichts.»

Für den Sozialantrophologen und Eritrea-Kenner David Bozzini ist klar wieso so viele Jugendliche ohne die Begleitung ihrer Eltern nach Europa aufbrechen. «Sie flüchten vor der politischen Situation in Eritrea. Sie flüchten vor dem Nationaldienst, der als Art staatlicher, dauerhafter Sklavendienst verstanden werden muss – und natürlich flüchten sie auch vor den ständig drohenden Repressionen.»

Der Militärdienst ist für alle Eritreer – Männer und Frauen – ab dem 18. Altersjahr pflicht und muss auf unbestimmte Zeit geleistet werden.

Traum vom besseren Leben

Toni Locher, Honorarkonsul für die Schweiz in Eritrea, will von einer systematischer Unterdrückung und einem Leben in Angst nichts wissen. Der Honorarkonsul pflegt eine gewisse Nähe zum Regime und glaubt, dass junge Eritreer gut vernetzt seien, Bekannten nachreisen und um ihren Jugendbonus wüssten. «Die Jugendlichen wissen genau, dass sie bei uns in die Schule einsteigen können und bessere Chancen haben einen Beruf zu erlernen, um so ihren Traum zu verwirklichen.»

Der Traum vom besseren Leben in der Schweiz führt für viele in die Sozialhilfe. Oftmals scheitert die Integration an Sprachbarrieren – viele eritreische Jugendliche sprechen kein Englisch.

Für die meisten Jugendlichen aus Eritrea gibt es aber kein zurück mehr. Zu Hause würden sie verfolgt werden. Sie müssen als erstes Deutsch lernen und können dann auf eine bessere Zukunft hoffen.

Schwankende Zahlen

Der grösste Teil der unbegleiteten und minderjährigen Flüchtlinge ist männlich. Neben Eritrea kommen sie aus Staaten wie Somalia, Syrien oder Afghanistan. Die meisten von Ihnen erleben traumatisches auf ihrem Weg in die Schweiz.

Asylgesuche bis 31.07.14 von unbegleiteten Minderjährigen

FrauenMännerTotal
Eritrea43207250
Somalia52934
Syrien101121
Afghanistan01313
Sri Lanka448
Guinea077
Äthiopien066
Tunesien066
Andere Staaten102636

Die Gesamtzahl der alleinreisenden jugendlichen Flüchtlingen war in den letzten Jahren von teils erheblichen Schwankungen geprägt. Gemäss den Zahlen des Bundesamtes für Migration erreichte sie 2004 einen Höhepunkt mit 824 Personen.

Legende:
Total unbegleitete minderjährige Asylsuchende

Ein Land wie ein Gefängnis

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Eritreer suchen zu Tausenden Asyl in der Schweiz. Sie fliehen aus einem Land, in dem Folter an der Tagesordnung ist. mehr

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57 Kommentare

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  • Kommentar von Resi Weber, Lausanne
    An Kritiker hier, die alle nicht wie Ueli u. Köbi aussehenden Menschen schief anschauen u. denken, dass es sich um soz. Abzocker handelt, könnten eines Tages sehr überrascht, wenn eben ein Nicht-wie-Ueli-u.-Köbi aussehender Mann an Ihrer Tür klingelt, sich als Sanitär anmeldet, der im Auftrag seines Arbeitsgeber kommt um Ihre Wasserleitung zu entstopfen. Kenne einen schwarzen Lok-Führer (Adoptivkin). Leute weigern sich in den Zug einzusteigen! Fix-Fertig-Ideen vom runden Stammtisch! Gib sdänke.
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    1. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      R. Weber darf ich Sie Fragen, weshalb Sie ständig Stammtisch Ideen so erwähnen müssen. Denke einfach, dass dies sicher auch nicht fair ist, diesen Menschen gegenüber,die besorgt sind für die Zukunft der Schweiz,dies gilt ja auch für die nächste Generation.Ob es Finanziell noch tragbar sein wird.Es gibt Schweizer, wie auch Asylanten, die eben nicht alle nur brav sind. Vielleicht werden noch Sanktionen dazu kommen, frage mich, einfach, wie es mit der Wirtschaft noch weiter geht, betr. Arbeit.
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    2. Antwort von P.Bürger, Schaffhausen
      @M.A:Vieles hier basiert auf krassem Unwissen &Headline-Urteilen von Gratis-&Boulevardmedien.Vielen genügt Junkfood-Journalismus,kurz,oberflächlich &plakativ!Hieraus entsteht ein verfälschtes Bild.Äussern soll man sich nur,wenn man bereit ist,die Zusammenhänge klarer zu verstehen.So versuche ich nur dort zu kommentieren,wo ich einen effektiven Beitrag leisten kann.Hierzu müssen sie viel lesen,selbst sehen & eigenständig denken UND,sie müssen beide Seiten kennen!Der Stammtisch taugt hierzu nicht!
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    3. Antwort von andreas furrer, prilly
      @ marlies artho: um die wirtschaft und die arbeitsplätze müssen sie sich keine sorgen machen, ob sie am fliessband oder am abzug arbeiten ist egal, hauptsache der rubel rollt und wird in netten projekten investiert (z.b. luxusressorts oder bürotürmen).
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  • Kommentar von Resi Weber, Lausanne
    @A.Käser,ZH, Danke für Ihre Antwort.Ja Herr Käser ich liebe Sie -:), indem ich Sie akzeptiere wie Sie sind,mit Ihren Stärken u. Schwächen, egal welcher Hautfarbe, Alters, Aussehen, Ihrem Besitz...; indem ich Sie leben lasse, wie Sie wollen u.ich nicht versuche, Sie zu ändern wie ich Sie gerne haben möchte. Wenn jeder einzelne, wo immer er lebt, in seinem Umfeld wirklich selbstlos LIEBEN könnte, hätte ja bald das Kollektiv auch diese Kapazität. So einfach wärs. Ach ist es schwer Mensch zu sein!
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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    So wie es aussieht,versuchen hier wieder einmal Kirchen(allen voran die Katholische)die Welt nach altbekanntem"Erfolgsrezept" aufzumischen(Missionare,damit verbunden Kolonien,Sklavenhandel,etc.) um wie gehabt damit ihre Macht(Geld und Geist?) auf Kosten anderer,auszubauen und zu zementieren/erhalten.
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