Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz Indonesien kurbelt Schweizer Rüstungsgeschäfte an

Nachdem die Schweizer Rüstungsexporte im 2013 erneut rückläufig waren, konnten sie bis September 2014 leicht zulegen – dank einem Auftrag aus Indonesien. Ausnahme oder Trendwende?

Oerlikon Skyshield® Flieger-Abwehrsystem
Legende: Millionengeschäft: Indonesien hat sich mit Schweizer Fliegerabwehrsystemen eingedeckt. Oerlikon Skyshield/Symbolbild

Von Januar bis September wurden Schweizer Rüstungsgüter im Wert von rund 343 Millionen Franken ausgeführt. Damit sind die Exporte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 40 Millionen Franken gestiegen. Grund hierfür: Ein Grossauftrag aus Indonesien. Dies geht aus den Zahlen der Eidgenössische Zollverwaltung hervor.

Deutschland kauft am meisten

Indonesien kaufte für 53,4 Millionen Franken ein Fliegerabwehrsystem. Damit liegt es hinter Deutschland an zweiter Stelle. Ins nördliche Nachbarland ging von Januar bis September Kriegsmaterial im Wert von rund 117 Millionen Franken. Weitere wichtige Abnehmer von Schweizer Rüstungsgütern waren Italien (33,9 Millionen) und die USA (24,8 Millionen Franken).

Legende:
Ausfuhr von Kriegsmaterial Januar bis September 2014 in Mio. Franken Eidgenössische Zollverwaltung EZV

Die definitiven Zahlen für 2014 werden erst Ende Februar bekanntgegeben – ob 2014 tatsächlich eine Trendwende darstellt, bleibt abzuwarten.

Während zwischen 2005 und 2011 die Kriegsmaterialexporte stark zugenommen hatten, waren die Zahlen seither rückläufig. 2013 wurden für 461,2 Millionen Franken Kriegsmaterial in 71 Länder exportiert. Dies entspricht einer Abnahme um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem Anteil von 0,22 Prozent (0,33 Prozent) an der gesamten Warenausfuhr der Schweizer Wirtschaft im Jahr 2013.

Legende:
Entwicklung der Kriegsmaterialexporte 1983-2013 in Mio. Franken Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco)

Die fünf Hauptabnehmer waren Deutschland mit Lieferungen im Wert von 123,5 Millionen Franken, gefolgt von Italien mit 58,9, den USA mit 43,8, Grossbritannien mit 38,1 und Frankreich mit 27,5 Millionen.

Legende:
Hauptabnehmer von Schweizer Rüstungsgütern 2013 in Mio. Franken Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco)

Betrachtet man die Kategorien von Kriegsmaterial, dann entfielen im Jahr 2013 34,4 Prozent auf Munition und Munitionsbestandteile für Waffen jeglichen Kalibers und 16,1 Prozent auf Feuerleiteinrichtungen. 15 Prozent entfielen auf Waffen jeglichen Kalibers, 13,5 Prozent auf gepanzerte Landfahrzeuge oder Teile dazu und 7,9 Prozent auf Luftfahrzeuge, Triebwerke und Luftfahrzeug-Ausrüstung.

Die restlichen 13,1 Prozent verteilten sich auf 5 weitere Kategorien von Kriegsmaterial, nämlich Militärische Explosiv-, Brenn- und Treibstoffe (5,2 Prozent), Hand- und Faustfeuerwaffen jeglichen Kalibers (5,1 Prozent), Bomben, Torpedos, Raketen und Flugkörper (2,4 Prozent) sowie Schmiedestücke, Gusstücke und andere unfertige Erzeugnisse (0,4 Prozent) und Tränengase und andere Reizstoffe (0,04 Prozent).

Während nach Deutschland und Frankreich vornehmlich Munitionsbestandteile für Waffen jeglichen Kalibers exportiert werden, kauft die USA in der Schweiz hauptsächlich bemannte und unbenannte Luftfahrzeuge. Italien importiert aus der Schweiz Feuerleiteinrichtungen und Waffen jeglichen Kalibers (ohne Hand und Faustfeuerwaffen).

Lockerung der Kriegsmaterialverordnung

Schuld am Rückgang der Rüstungsexporte gab die Industrie den gesetzlichen Bestimmungen, die strenger sind als in vergleichbaren europäischen Ländern. Der Bundesrat reagierte diesen Herbst auf die angespannte wirtschaftliche Situation der Schweizer Rüstungsindustrie mit einer umstrittenen Lockerung der Kriegsmaterialverordnung. Er kam damit einer Forderung aus dem Parlament nach.

In Zukunft soll Schweizer Kriegsmaterial auch in Länder geliefert werden, in denen Menschenrechte verletzt werden. Exporte sollen nur noch dann verboten sein, wenn ein hohes Risiko besteht, dass das zu liefernde Material für Menschenrechtsverletzungen eingesetzt wird.

Bis anhin durften Waffen und Munition gemäss Kriegsmaterialverordnung nicht in Länder geliefert werden, in denen «Menschenrechte systematisch und schwerwiegend verletzt werden».

Ausfuhr von Kriegsmaterial pro Endempfängerstaat 2013 (in Mio. Franken) – Teil 1

KategorieKM1KM2KM3KM4KM5
BeschriebHand- und Faustfeuer- waffen jeglichen KalibersWaffen jeglichen Kalibers (ohne Hand- und Faustfeuer -waffen, soweit in KM 1 erfasst)Munition für die unter KM1, 2, oder 12 erfassten WaffenBomben, Torpedos, Raketen, FlugkörperFeuerleit-einrich-tungen
Deutschland4,39,167,6 0,2 12,9
Italien0,6 22,512,1-23,2
USA6,80,0069,4-0,07
Grossbritannien0,416, 4 5,26,82,2
Frankreich1,24,512,50,080,2

Ausfuhr von Kriegsmaterial pro Endempfängerstaat 2013 (in Mio. Franken) – Teil 2

KategorieKM6KM7KM8KM10KM16
BeschriebPanzer- und andere Landfahr- zeugeTränengase und andere ReizstoffeMilitärische Explosiv-, Brenn- und TreibstoffeBemannte und unbemannte Luftfahrzeuge inkl. entsprechende TriebwerkeSchmiedestücke, Gussstücke und andere unfertige Erzeugnisse
Deutschland23,20,0086,00,2 0,05
Italien--0,5-0,02
USA0,040.06 1,224,91,2
Grossbritannien--6,60,5-
Frankreich0,009-1,27,90,03

Waffenkontrollvertrag

Heute tritt das erste globale Waffenhandelsabkommen der Vereinten Nationen in Kraft. Da die Schweiz bei den Verhandlungen eine aktive Rolle spielte, ist eine baldige Ratifizierung wahrscheinlich – sofern kein Referendum ergriffen wird. Beide Kammern des Parlamentes haben den Vertrag gebilligt. Die Gesetzgebung bedarf keiner Anpassung.

«ECO»-Serie

«ECO»-Serie

Schweizer Geschäfte mit dem Krieg mehr

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

18 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Warum wird dieser Artikel bereits jetzt veröffentlicht und nicht erst in einige Wochen wenn definitive Zahlen für 2014 vorhanden sind? Was will man mit dem Artikel gerade jetzt erreichen?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Grundsätzlich ist es fraglich wenn man als neutrales Land Kriegsmaterial exportiert, nur wie will man für die Schweizer Armee für den Fall der Fälle eine eigene Rüstungsindustrie am Leben erhalten? Heute gibt es keine "rollende" Beschaffung wie früher mit den Uniformen, sondern eine blockweise Beschaffung in der eine Firma für ein Jahr einen Grossauftrag und dann die nächsten 30 Jahre keinen Auftrag erhält. Bereits heute wird Neutralität zu trotz fast alles für die Armee im Ausland beschafft.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christa Wüstner, Reinach
    Da kann der Schweiz nur gratuliert werden. Wie krank ist das denn? Ach ja, wir schaffen natürlich vor allem Arbeitsplätze. Und am Ende sammeln wir wieder für die Opfer. Schizophrener geht es nicht mehr. Aber wir verdienen nebenbei auch noch Geld mit der Rüstungsindustrie. Das muss man sich mal alles der Reihe nach durch den Kopf gehen lassen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen