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«Es ist ein Freundentag» sagt Kathrin Bertschy
Aus Tagesschau am Vorabend vom 11.06.2020.
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Ja zur «Ehe für alle» «Der Rechtsstaat hat gewonnen»

In der Schweiz sollen auch Schwule und lesbische Paare heiraten dürfen. Der Nationalrat hat am Morgen deutlich Ja gesagt zur «Ehe für alle». Homosexuelle Paare erhalten damit auch das Recht, Kinder zu adoptieren. Überraschend deutlich sprach sich die grosse Kammer zudem dafür aus, dass lesbische Ehepaare Zugang zu Samenspenden erhalten.

Über diesen Entscheid kann sich auch Nationalrätin Kathrin Bertschy (GLP/BE) freuen. Sie hatte Ende 2013 die parlamentarische Initiative für eine «Ehe für alle» eingereicht. Der Entscheid sei dringend notwendig gewesen.

Kathrin Bertschy

Kathrin Bertschy

Nationalrätin

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Die 40-jährige Bernerin sitzt seit 2011 für die Grünliberalen im Nationalrat. Zudem ist sie Co-Präsidentin von alliance F, dem grössten Schweizerischen Frauendachverband.

SRF News: Was ändert sich nun für homosexuelle Paare?

Kathrin Bertschy: Zuerst einmal ändert sich der Zivilstand. Homosexuelle Paare können eine Ehe schliessen, was sie bisher nicht konnten. Daran gekoppelt ist auch der Zugang zum Adoptionsverfahren. Vorher haben Einzelpersonen, unabhängig der sexuellen Orientierung, und auch Ehepaare adoptieren können. Gleichgeschlechtliche Paare waren ausdrücklich ausgeschlossen. Das war eine klare Diskriminierung, die zum Glück nun aufgehoben wird.

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Bertschy: «Das ist eines modernen Rechtsstaates unwürdig»
Aus News-Clip vom 11.06.2020.
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Neu ist auch der Zugang zur Samenspende, die heute für Frauen, die mit einem Mann verheiratet sind, erlaubt ist, aber nicht für Frauen, die mit einer Frau zusammen sind. Das ist ein wichtiges Signal, weil wir heute Zweiklassenrechte haben; also heterosexuelle und homosexuelle Gesetze, das ist eines modernen Rechtsstaates unwürdig. Man wird mit dem heutigen Zivilstand der eingetragenen Partnerschaft auch geoutet, zum Beispiel beim Arbeitgeber oder wenn man in ein Land reist, in dem man beim Visa-Antrag den Zivilstand angeben muss.

Warum ist es sechseinhalb Jahre gegangen, bis das im Erstrat diskutiert wurde? Und jetzt muss es noch in den Ständerat.

Das hat verschiedene Gründe: Mit einer parlamentarischen Initiative begibt man sich zusammen auf einen Lernprozess in der Kommission. Aber dieser Lernprozess ist verzögert worden. Man kann es früher oder später auf die Traktandenliste nehmen, hier hat man sehr lange gewartet.

Die Schweiz tut sich sehr schwer mit gesellschaftspolitischen Reformen.

Und dann hat es auch mit unserer Form des politischen Systems zu tun, der direkten Demokratie. Es dauerte ebenfalls unglaublich lange, bis die Schweiz das Stimmrecht für Frauen eingeführt hatte. Dieses Land, das sonst so innovativ ist, wenn es um wirtschaftliche Errungenschaften geht, tut sich sehr schwer mit gesellschaftspolitischen Reformen.

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Bertschy: «Niemand verliert etwas, wenn wir allen die gleichen Rechte gewähren»
Aus News-Clip vom 11.06.2020.
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Was sagen Sie einer älteren, konservativen Frau, die sehr gläubig ist und sagt: Ich kann mit der Ehe für alle nichts anfangen, weil für mich die Ehe von Gott gegeben und geschützt ist?

Für sie ändert sich nichts. Niemand verliert etwas, wenn wir allen Menschen die gleichen Rechte gewähren. Die Kirche und andere private Vereine können weiterhin vor ihren Traualtar führen, wen sie wollen.

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Bertschy: «Die Schweiz tut sich schwer mit gesellschaftspolitischen Reformen»
Aus News-Clip vom 11.06.2020.
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Hier geht es um die zivile Ehe, hier geht um den Rechtsstaat, bei dem in der Verfassung steht: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Und wo auch steht, dass das Recht auf Ehe und Familie gewährleistet ist. Es geht darum, ob wir dem gerecht werden und die Grund- und Menschenrechte gewähren. Und deshalb ist es etwas sehr Positives, dass der Rechtsstaat jetzt gewonnen hat.

Das Gespräch führte Urs Leuthard.

Tagesschau, 11.06.2020, 18:00 Uhr;

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66 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Meyer  (ume)
    @Andy Gasser: Gleichgeschlechtliche Ehen wären nicht das Problem. Problematisch finde ich die ich-bezogenen Kampagnen dieser "LGBT-Gemeinde", siehe Kommentar von Tobias Baumann. Wenn mir erklärt wird, es gäbe keine biologischen Geschlechter, also Mann und Frau, es sei alles nur eine psychologische Frage, d.h. wie man sich fühle (im Moment ist mir nach "bi", morgen nach "homo", usw.) und solche Leute auf Biegen und Brechen "eigene" Kinder grossziehen wollen, hört bei mir der Spass auf.
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  • Kommentar von Andrea Müller  (Andrea Müller)
    Gemäss Gesetz hat jedes Kind das Recht, spätestens ab dem 18. Altersjahr zu erfahren, wer die biologischen Eltern sind. Lesbische Mütter - die gibts jetzt schon, aber bisher ohne jegliche juristische Sicherheit für sich und die Kinder, beantworten den Kindern i.d.R. früh und kindgerecht Fragen nach der biologischen Herkunft. Für die Kinder ist völlig okey, dass sie zwei Mütter haben. Und wenn die Erwachsenen drumherum liebevoll agieren, bleibt das auch so.
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    1. Antwort von Urs Meyer  (ume)
      «Kindgerecht erklären»: Wie erklären Sie einem Kleinkind, weshalb nicht sein Papa, sondern eine zweite Mama da ist? Ist es nicht Wunschdenken, dass es für Kinder «völlig okay» sei? Weshalb akzeptieren Homo-Paare nicht, dass ihr Weltbild selten der Realität entspricht, z.B. dass «Erwachsene drumherum liebevoll agieren», Kinder keinen Nachteil hätten. Kinder sollten unter Gleichaltrigen aufwachsen können ohne sich erklären zu müssen. Müssen sie in der Adoleszenz zusätzliche Schwierigkeiten haben?
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  • Kommentar von Tobias Baumann  (Iamtobymac)
    Ich respektiere homosexuelle Menschen sowie heterosexuelle Menschen.
    Mich stört aber, dass die LGBT-Gemeinde nicht bereit ist die Kompromisse zu akzeptieren, welche ihre Entscheide halt eben auch nach sich ziehen.
    Stattdessen soll die ganze Gesellschaft diese Kompromisse für sie hinnehmen? Für mich kein Freudentag. Ich staune und frage mich ob die LGBT-Gemeinde gleich sozial agiert/denkt, wie sie es von der CH-Gesellschaft meint einfordern zu dürfen. Schade.
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