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Schweiz Jeder zehnte Schweizer Betrieb ohne GAV zahlt zu wenig Lohn

Tausende Firmen ohne Gesamtarbeitsvertrag (GAV) wurden im Zuge der flankierenden Massnahmen unter die Lupe genommen. Jeder zehnte davon zahlte 2014 zu wenig Lohn, meldet das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco. Betroffen sind etwa das Gastgewerbe, der Handel sowie die Hauswirtschaftsbranche.

Bauarbeiter bei einer Baustelle der Durchmesserlinie in Zürich.
Legende: Obwohl viele Verstösse festgestellt wurden, bezeichnet das Seco die flankierenden Massnahmen als Erfolg. Keystone

Jeder zehnte Schweizer Betrieb ohne Gesamtarbeitsvertrag (GAV) hat im vergangenen Jahr Löhne ausgezahlt, die unter dem üblichen Niveau liegen. 8'900 Schweizer Arbeitgeber ohne GAV wurden 2014 im Rahmen der flankierenden Massnahmen kontrolliert. Damit wurde jeder 25. Schweizer Betrieb, welcher keinem GAV unterliegt, unter die Lupe genommen.

Das Resultat: 10 Prozent der kontrollierten Unternehmen unterboten die üblichen Löhne – im Vorjahr waren es acht Prozent gewesen. Betroffen von Lohndumping waren gemäss dem Seco-Bericht insbesondere das Gastgewerbe, das verarbeitende Gewerbe, der Handel sowie die Hauswirtschaftsbranche.

Viele Firmen haben nachbezahlt

Bei 60 Prozent der betroffenen Unternehmen konnten die Kontrolleure Lohnnachzahlungen erwirken. Das Seco spricht deshalb von einer «effizienten Bekämpfung von Lohnunterbietungen».

In Branchen mit GAV vermuteten die zuständigen Organe bei 29 Prozent der 9'500 kontrollierten Betriebe einen Verstoss gegen die Mindestlohnbestimmungen. Im Jahr 2013 waren Missbräuche bei jedem vierten Unternehmen vermutet worden.

Weniger Missbräuche bei ausländischen Firmen

Bund und Kantone kontrollierten im vergangenen Jahr auch ausländische Betriebe, die Arbeitnehmer in die Schweiz entsenden. Sie müssen neben Lohnvorschriften etwa auch Richtlinien zur Arbeits- und Ruhezeit einhalten. Die Zahl der Kontrollen nahm hier stark zu.

Bei den über 13'500 inspizierten Entsendebetrieben wurden weniger Missbräuche registriert. In Branchen ohne GAV unterboten 12 Prozent der kontrollierten Betriebe die üblichen Löhne. Im Jahr 2013 waren es noch 15 Prozent gewesen.

In Branchen mit allgemein verbindlichem GAV vermuteten die Behörden bei 28 Prozent der kontrollierten Entsendebetriebe Lohnverstösse – im Vorjahr war jedes dritte Unternehmen kritisiert worden.

Flankierende Massnahmen

Die flankierenden Massnahmen gelten seit Juni 2004. Sie dienen dem Schutz der Schweizer Lohn- und Arbeitsbedingungen nach Einführung des freien Personenverkehrs zwischen der Schweiz und der EU. In Branchen oder Regionen, in denen das Risiko von Lohnunterbietungen oder Lohnverstössen höher eingestuft wird, erfolgen daher mehr Kontrollen.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von S. Meier, Adliswil
    Die Handelszeitung titelt gar, dass jeder dritte Schweizer Betrieb unter GAV-Niveau bezahlt. http://www.handelszeitung.ch/politik/jede-dritte-schweizer-firma-zahlt-unter-gav-niveau-778943
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  • Kommentar von u.felber, luzern
    erm, das Gastgewerbe unterliegt eigentlich dem GAV, oder habe ich da was verpasst ?!?
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Und die Angleichung, respektive Senkung der MwSt für die Gastronomie wurde ja vom Volk abgelehnt, oder? Die Wirte standen mit ihrer Initiative ziemlich alleine da. Hier ist man brav der Empfehlung der Räte gefolgt, welcher die Einbussen für den Bund beklagte. Hätte nicht nur niedere Preise für die Konsumenten gebracht, sondern sich sicher positiv auf die Löhne im Gastgewerbe ausgewirkt. Wo waren da die Gewerkschaften?
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  • Kommentar von Walter Mathys, Etziken
    Es gibt auch Milchverarbeiter die keinen GAV wollen. Es ja klar warum. Einzelarbeitsverträge sind flexiebler zu Handhaben. Und dann die Ungleichstellung Mann/Frau für die gleiche Arbeit.Ziel immer noch nicht erreicht. Erstes Ziel ist: Maximierung des Gewinnes zu Gunsten der Aktionären. Zum heutigen Zeitpunkt gönne ich jedem Aktionär einen Gewinn von 5%, der Rest aber sollte den Gewinnerwirtschafter verteilt werden.
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