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Schweiz Jedes zehnte Kind in der Schweiz ist arm

Das UNO-Kinderhilfswerk Unicef hat die Lage der Kinder in 29 Industrieländern untersucht. Die Schweiz schneidet mässig ab. Der Bericht kommt zum Schluss: Trotz hohem Wohlstand leben viele Kinder in Armut.

Schulzimmer
Legende: Schlechte Noten erteilt Unicef den Kindern in der Schweiz bei «körperliche Betätigung» sowie beim Cannabis-Konsum. Keystone

Das UNO-Kinderhilfswerk Unicef hat bei seinem Ländervergleich zur Lage der Kinder 29 Industriestaaten miteinander verglichen. Fünf Bereiche wurden unter die Lupe genommen, die einen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Entwicklung von Kindern unter 18 Jahren haben: Wohnsituation, materieller Wohlstand, Gesundheit und Sicherheit, Risikobereitschaft und Bildung.

Die Schweiz steht etwas besser da als noch vor einem Jahr. Insgesamt ist sie im Unicef-Ranking um drei Plätze nach vorne gerückt – vom 11. auf den 8. Rang.

Im Bereich «materieller Wohlstand» kommt die Schweiz auf Platz 9. Konkret sind laut Unicef in der Schweiz 9,4 Prozent der Kinder von Armut betroffen – also rund jedes zehnte.

Was bedeutet «Armut» in der wohlhabenden Schweiz?

In der Schweiz leiden laut Unicef Kinder unter materieller Armut – das heisst, die Familie lebt unter der Armutsgrenze. Aber stärker ins Gewicht falle die relative Armut. «Dabei stellt sich die Frage: Wie gross ist die Kluft zwischen dem, was einem Kind zur Verfügung steht und dem, was Kinder haben, die über der relativen Armutsgrenze leben», erklärt Elsbeth Müller, Geschäftsführerin von Unicef Schweiz, im Interview mit Radio SRF.

Es gehe bei der relativen Armut nicht um Spielkonsolen. «Auch nicht darum, ob ein Kind mit auf die Schulreise gehen kann oder ob es Zugang zum Internet hat», präzisiert Müller.

Die Studie zeigt: Primär sind Kinder von ärmeren Familien betroffen. Oft sind es Scheidungskinder oder Kinder von Eltern, die Schwierigkeiten haben, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden. Und diese kommen kaum mehr aus dieser Situation heraus.

Elsbeth Müller hebt einen Aspekt in der Studie hervor: In der Schweiz können Kinder sehr weit unter die relative Armutslinie fallen. In Luxemburg oder Ungarn passiert das viel weniger. Diesen Ländern gelingt es offenbar besser, die Armut aufzufangen.

«Die Schweiz sollte ähnliche Massnahmen anwenden», rät die Unicef-Geschäftsführerin. «Denn Kinder werden auch später von Armut betroffen und so von Sozialhilfe abhängig sein.»

Junge auf einer Parkbank
Legende: Kinderarmut ist gemäss Unicef nicht unvermeidbar, sondern auch von politischen Entscheidungen beeinflusst. Colourbox/symbolbild

Schlechte Noten im Bildungsbereich

In der Rubrik «Wohnsituation und Umwelt» belegt die Schweiz den ersten Platz. In den Bereichen «Gesundheit und Sicherheit» sowie «Verhalten und Risikobereitschaft» belegt sie jeweils den 11. Rang.

Am schlechtesten schneiden die Schweizer Kinder mit Platz 16 im Bildungsbereich ab. Die Autoren erklären dies unter anderem mit der niedrigen Einschulungsquote von Kindern im Vorschulalter. Dieser Faktor wirkt sich allerdings nicht zwingend negativ auf den weiteren Bildungsverlauf aus.

Armutsstatistik in Industriestaaten (Platzierung in der jeweiligen Kategorie)

GesamtrangLandMaterieller WohlstandGesundheitErziehungRisikobereitschaftWohnsituation
1Niederlande15114
2Norwegen37643
3Island411037
4Finnland234126
5Schweden521158
6Deutschland11123613
7Luxemburg642295
8Schweiz91116111
9Belgien131321414
10Irland17151772
11Dänemark12237215
12Slowenien8652120
13Frankreich1010151316
14Tschechien168122218
15Portugal211418817
16Grossbritannien1416241510
17Kanada1527141611
18Österreich726231712
19Spanien24926209
20Ungarn182082422
21Polen221891926
22Italien2317251021
23Estland1922132624
24Slowakei2521211819
25Griechenland2019282525
26USA2625272323
27Litauen2724172927
28Lettland2828202828
29Rumänien2929292729

Absolute und relative Armut

Die absolute Armut stellt insbesondere in Entwicklungsländern ein dauerhaftes Problem dar. Relative Armut besteht auch in hochindustrialisierten Ländern in grösserem Umfang. Absolute: Die physische Existenz von Menschen ist aufgrund einer Mangelsituation gefährdet. Relative: eine extreme Form sozialer Ungleichheit innerhalb einer Gesellschaft.

16 Kommentare

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  • Kommentar von N.Neier, Niederurnen
    Fahrt mal mit der"Produktion"Mensch runter,dann kann der Wert der"Ware Mensch" wieder zunehmen.Wie überall in der Ökonomie gilt auch hier:"Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis".Aber auch(ökonomisch):"Alles regelt sich von selbst".Wenn die zukünftigen"Bürger"aller Staaten immer mehr"versumpfen"werden auch immer mehr von"Versumpfung"gefährdete Individuen das Licht der(Höllen)Welt erblicken."Slums dieser Erde"wie wir sie bereits kennen,werden sich rasant ausbreiten und die Zukunft sein.
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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Noch stehen wir einigermassen gut da. Obwohl ich auch schon IV Renterinnen mit Kinder kenne, die nicht mehr jeden Tag Essen kaufen können, sondern in der Wohlfahrt essen müssen! Aber die kritische Grenz ist längst überschritten. Mit Löhnen wie vor 30 Jahren, Lebenskosten aber doppelt so hoch kann einfach nichts mehr gehen. Und der Bundesrat tut alles, um dies massiv zu verschärfen. Kürzungen bei denen die eh schon nichts mehr haben, warum? Holen wir das Geld bei den Politkern, Beamten und CEO's
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  • Kommentar von Bruno Herzog, St. Ives GB
    Der grenzenlose Freihandel duerfte aermeren Laendern wesentlich mehr schaden als uns. Einverstanden mit jc heusser: Kinder sollen auch noch Zeit als Kinder haben. Ein negatives Beispiel gibt GBb, wo es nur wenige gute Handwerker gibt. Unser duales Bildundskonzept gibt praktisch allen eine faire.Chace gibt, wenn auch ein wenig Ehrgeiz vorhanden ist. Wir sollten wieder lernen etwas bescheidener zu werden und humaner zu denken. Ausserdem hat Wohlstand die Menschheit schon immer bequem gemacht.
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