Zum Inhalt springen

Schweiz Jura bessert Kantonskasse mit Geld von Steuersündern auf

Seit 2010 dürfen sich Steuerhinterzieher in der Schweiz selbst anzeigen, ohne dass sie eine Busse riskieren. Doch nirgends ist die Steueramnestie so einfach wie im Kanton Jura. Ein paar Klicks im Internet genügen.

Der jurassische Finanzdirektor Charles Juillard wirbt um die Gunst der Steuerhinterzieher. Er ruft sogar Steuersünder aus anderen Kantonen dazu auf, in den Jura zu kommen. «Kommen Sie in den Kanton Jura, um sich amnestieren zu lassen. Das bringt uns Geld. Das ist ein Appell!», sagte er im Westschweizer Radio.

Mit Jura-Fahne bedeckter Kinderwagen und ein Hündchen bei einem Volksfest in Delémont im 2005.
Legende: «Ihr Steuerhinterzieher kommet», scheint der Kanton Jura zu singen. Keystone

Es bliebe noch ein Jahr Zeit, um von diesem vereinfachten Verfahren zu profitieren. Er ist kaum zu bremsen in seinem Enthusiasmus: «Zögern Sie nicht, kommen Sie!»

Die Steuerbeichte wird im Kanton Jura leicht gemacht. Es gibt eine Anleitung für Steueramnestie, ganz einfach herunterzuladen von der Homepage des Kantons. Auf einem Formular kann man die hinterzogenen Steuern der letzten zehn Jahre angeben.

Tatsächlich verrechnet wird nur ein Jahr; jenes mit dem höchsten Betrag. Das alles, ohne anzugeben, woher das Geld kommt, noch warum man es hinterzogen hat.

Amnestieprogramm für Kanton Jura ein Erfolg

Juillard ist zufrieden mit der Ausbeute. Bisher wurden knapp 200 Millionen Franken nachdeklariert. Er ist zuversichtlich, dass bis zum Ablauf des Amnestieprogrammes Ende Jahr insgesamt 300 Millionen Franken zusammenkommen. So werden zwischen 20 und 25 Millionen in die Kantons- und Gemeindekassen fliessen. Darunter ist auch Geld von Steuersündern, die für die Amnestie extra in den Jura gezogen sind.

Es gebe zwar «leider» keinen Ansturm auf den Jura, sagt der Finanzdirektor. Doch hätten sich einige Steuerhinterzieher im Kanton niedergelassen, um sich dort amnestieren zu lassen. Wie viele es sind, sagt er nicht. Die Zahl dürfte im tiefen zweistelligen Bereich sein.

Lücke im System für Steuerwettbewerb genutzt

Für den Steuerrechtsexperten Robert Waldburger eine fragwürdige Praxis. Seiner Meinung nach kann zum Beispiel ein Berner sein verstecktes Geld nicht so einfach im Jura amnestieren lassen. «Wenn er in den Kanton Jura zieht, wird er ab dem Zeitpunkt seines Wohnsitzwechsels dort steuerpflichtig. Aber die Steuern hat er im Kanton Bern hinterzogen, und dann muss er im Kanton Bern eine Selbstanzeige machen.»

Auch Peter Hegglin, Präsident der Kantonalen Finanzdirektoren, heisst diese Art von Steuerwettbewerb nicht gut: «Wobei wir da sehr zurückhaltend sind in der Beurteilung oder Verurteilung einer kantonalen Regelung. Jeder Kanton ist für sich verantwortlich. Wenn es innerhalb von Verfassung und Gesetz ist, nehmen wir dazu nicht Stellung.»

Der Finanzdirektorenkonferenz sind die Hände gebunden. Die Jurassier scheinen eine Lücke im Steuersystem gefunden zu haben, die sie etwas schlitzohrig ausnutzen.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Es wird immer besser, wann hört die Schummelei auf? Ist es denn nicht möglich ein Gesetz zu schaffen, das keine Schlupflöcher enthält? Sehr bedenlöich was da der Kanton Jura fabriziert. Moglern wird geholfen, die kleinen werden gemolken. Gute Nacht liebe Schweiz, weit hast du es gebracht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Laura Fassbinden, Zürich
    Der Finanzdirektor hat sich mit den Steuerbetrügern verbündet. Nun stehlen sie gemeinsam Geld das Bürgern von anderen Kantonen gehört. Dieser Mann ist schlimmer als alle Steuerhinterzieher.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Arnaud Sidler, Speicher
    Man stelle sich das gleiche in Deutschland vor! Mecklenburg-Vorpommern gewährt den Steuerflüchtigen aus Bayern Steuer-Amnestie! Das könnte die nie bringen, das gäbe Bürgerkrieg! Glaube zwar nicht das der Hoeness aus Bayer weg ziehen würde. Und dann noch so einfach, ohne Strafe! In Deutschland würde man geteert und gefedert werden bevor man lebendigen Leibes gekreuzigt wird! Natürlich erst nachdem man 1000% Strafe mit Zinseszins bezahlt hat. Die armen Jurassier, irgendwie gönn ich's ihnen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von T.Hofer, Rosshäusern
      Da sehen Sie mal, wie grausam der deutsche Staat ist. Das erste mal seit langer Zeit, dass ich sowas sympatisches aus unserem Jammerkanton höre.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen