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Kampf gegen Foodwaste Lebensmittelspenden: Braucht es ein Gesetz?

Legende: Audio Lebensmittelspenden: Braucht es ein Gesetz? abspielen. Laufzeit 07:21 Minuten.
07:21 min, aus Espresso vom 11.02.2019.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Tschechien müssen gewisse Supermärkte überschüssige Lebensmittel an Hilfswerke spenden. Das höchste Gericht hat ein entsprechendes Gesetz bestätigt.
  • Die Waadtländer GLP-Nationalrätin Isabell Chevalley würde eine solche gesetzliche Regelung befürworten. Sie findet es nötig, den Druck auf hiesige Detailhändler zu erhöhen.
  • Eine gesetzliche Regelung bringe nichts, finden Detailhändler, aber auch Verteilorganisationen wie die Schweizer Tafel.

Grosse Supermärkte in Tschechien müssen überschüssige Lebensmittel an Hilfswerke spenden. Das höchste Gericht hat ein entsprechendes Gesetz bestätigt. Frankreich hat solche Regeln schon zuvor eingeführt. Ein Spendenzwang für die Detailhändler – wäre das auch etwas für die Schweiz? Die Meinungen gehen auseinander.

  • Isabelle Chevalley
    Legende: Isabelle Chevalley, Nationalrätin Glp, VD. Keystone

    Isabelle Chevalley, Nationalrätin Glp, VD.

    «Es braucht unbedingt griffigere Regeln und wenn nötig ein Gesetz. Die Detailhändler betonen immer, wieviel sie bereits heute freiwillig tun. Doch von ihnen abhängig zu sein, ist nicht die richtige Lösung. Zudem: Wenn der Kampf gegen Foodwaste heute schon so intensiv geführt wird, wie wie die Detailhändler sagen: Warum sind sie dann gegen eine gesetzliche Regelung?»

  • Claudio Zanetti
    Legende: Claudio Zanetti, Nationalrat SVP, ZH. Keystone

    Claudio Zanetti, Nationalrat SVP, ZH:

    «Zwang ist falsch. In den Markt eingreifen ist grundsätzlich falsch. Es ist ein urkapitalistisches Postulat, sorgsam mit Ressourcen umzugehen. Ein Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit wäre fatal.»

  • Lucie Rein
    Legende: (Kopie) Lucie Rein, Geschäftsführerin App «Too Good To Go» gegen Lebensmittelverschwendung. SRF

    Lucie Rein, Geschäftsführerin App «Too Good To Go»

    «Die Detailhändler zu zwingen, ihre unverkauften Produkte zu spenden, ist sicher sinnvoll, aber aus logistischen Gründen schwierig umsetzbar. Es gibt aber Alternativen zum Zwang, die einen guten Effekt haben könnten: Ein Anreiz-System, dank dem die Detailhändler ihre Spenden von den Steuern abziehen können. Die Hilfsorganisationen mit Ressourcen zu unterstützen, damit sie dann einfacher jeden Tag Produkte abholen können, überall.»

  • Porträt Daniela Rondelli
    Legende: (Kopie) Daniela Rondelli, Geschäftsleiterin «Schweizer Tafel». Linkedin

    Daniela Rondelli, Geschäftsleiterin «Schweizer Tafel»

    «Es braucht keine gesetzliche Regelung. Wir arbeiten schon seit 18 Jahren gut und erfolgreich mit den Detailhändlern zusammen. Besser wäre eine verursachergerechte Abgabe auf Lebensmittel von den Konsumenten.»

  • Markus Hurschler
    Legende: (Kopie) Markus Hurschler, Geschäftsleiter Verein «United Against Waste»: zvg

    Markus Hurschler, Geschäftsleiter Verein «United Against Waste»:

    «Ein Gesetz wäre ein gutes Symbol für das ganze Thema. Es würde zeigen, dass Handlungsbedarf besteht, um alle Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Es bekämpft aber die Ursache - die notwendige Lebensmittelreduktion – nicht, sondern es schiebt höchstens ein Produkt weiter.»

  • Logo
    Legende: (Kopie) IG Detailhandel Schweiz. ig-detailhandel.ch

    IG Detailhandel Schweiz.

    Obwohl im Detailhandel nur ein geringer Anteil aller Lebensmittelabfälle anfällt (circa 5%), nehmen die Mitglieder der IG Detailhandel ihre Verantwortung als Inverkehrbringer von Lebensmitteln wahr und engagieren sich auf freiwilliger Basis stark, um eine zusätzliche Reduktion zu erreichen. Dazu gehören verschiedene Massnahmen, wie Lebensmittel- und Geldspenden an gemeinnützige Organisationen oder Sensibilisierungsmassnahmen im Rahmen der eigenen Kommunikationskanäle. Wir sind der Überzeugung, dass unser freiwilliges Vorgehen für die Schweiz der bessere Weg ist und ein zusätzlichen Gesetz zu keinen konkreten Verbesserungen führt.

Ihre Meinung

Soll in der Schweiz auch gesetzlich festgelegt werden, dass überflüssige Nahrungsmittel verteilt werden müssen?

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Matthias Jundt (M. Jundt)
    - Auch ungenutzte Produktion belastet die Umwelt! - Jährlich werden in der Schweiz 300 kg/Person/Jahr oder 144'000 Lastwagen voll mit geniessbaren Lebensmitteln weggeworfen. - Das ist eine Lastwagen-Kolonne von Zürich bis Madrid jährlich! - Das ist nicht gerecht allen hungernden Menschen gegenüber! - Auch im Rahmen einer effektiven CO2-Über-Produktion, müsste es eigentlich verboten werden, Überschüsse zu produzieren und zu transportieren, um sie anschliessend ungenutzt zu vernichten!
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    1. Antwort von Felix Bieri (felixhibit)
      Herr Jundt, Ihre Empörung mag ich verstehen, jedoch scheinen ihre Zahlen aus der Fantasiewelt zu stammen. 300Kg /365 Tage entspricht 821g Lebensmittel Abfall pro Tag und Person. Wie kann das gehen? So viel esse ich vielleicht an einem hungrigen Tag (exklusive Wasser). Unternehmen entsorgen gleich viel wie sie verkaufen? Falls ich falsch liegen sollte, würde ich gerne ihre Quelle kennen! LG
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  • Kommentar von Peter Amthauer (Peter.A)
    Wer schon mal gehungert hat, muss darüber nicht diskutieren. Vielleicht wäre es gut, wenn Christen auch mal hungern. So verliert man den Bezug zu den armen Menschen nicht. MfG
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Natürlich kann sich die Milliarde weltweit hungernder Menschen nicht von den verschmähten Tomaten hinter dem Mi­gros-Märkten in ernähren, dennoch gibt es einen Zusammenhang zwischen der Verschwendung in industrialisierten Ländern und dem Welthunger. Die Millionen Tonnen Soja und Weizen, die es braucht, um das Fleisch herzustellen, das wir letztlich wegwerfen. Organisa­tionen wie "Schweizer Tafel" oder "Tischlein deck dich" würden gerne mehr Nahrungsmittel entgegen nehmen für Bedürftige.
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