Keine lebenslange Verwahrung für Lucies Mörder

Die lebenslange Verwahrung des Mörders des Au-pair-Mädchens Lucie ist aufgehoben. Das Bundesgericht gab damit einer Beschwerde des Verurteilten statt.

Das Obergericht des Kantons Aargau hatte den Mörder im Oktober letzten Jahres zu einer lebenslänglichen Verwahrung verurteilt. Grund: Der Mann galt nach Ansicht des Gerichts als «dauerhaft» unbehandelbar.

Dem hat nun das Bundesgericht mit seinem jüngsten Urteil widersprochen. Es hob die dauerhafte Verwahrung auf. Nach Ansicht der Bundesrichter darf diese Strafe nur ausgesprochen werden, wenn jemand «tatsächlich auf Lebzeiten keiner Behandlung zugänglich ist» und damit «ein zeitlich unbeschränktes Risiko für die Gesellschaft darstellt».

Die Lausanner Richter stützten sich bei ihrem Urteil auf zwei psychiatrische Gutachten. Beide waren zu dem Ergebnis gekommen, dass nicht festzustellen sei, dass der Beschuldigte auf Dauer nicht behandelbar sei.

Mit Modelaufnahmen geködert

Der arbeitslose und drogenabhängige Koch hatte das 16-jährige Freiburger Au-pair-Mädchen Lucie 2009 in Zürich mit dem Versprechen geködert, Modelaufnahmen von ihr zu machen. Am 4. März 2009 brachte er das Mädchen in seiner Wohnung in Rieden bei Baden um. Er erschlug das Mädchen und schnitt ihm die Kehle durch.

An der Leiche wurden auch Urin- und Spermaspuren gefunden. Gemäss Obergericht spielten sexuelle Handlungen beim Tötungsdelikt mit. Es verurteilte den Mörder auch wegen Störung der Totenruhe.

Das Bezirksgericht Baden verurteilte ihn im Februar 2012 wegen Mord zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und ordnete seine ordentliche Verwahrung an. Auf Berufung der Staatsanwalt und der Angehörigen sprach das Obergericht eine lebenslange Verwahrung aus.

Strenge Regeln für lebenslängliche Verwahrung

Weil der Verteidiger Beschwerde gegen das Urteil einreichte, mussten sich die Lausanner Richter erstmals mit der umstrittenen Frage der lebenslänglichen Verwahrung befassen und einen Grundsatzentscheid fällen. Dabei hatte das Bundesgericht unter anderem den Rechtsbegriff wie «dauerhaft nicht therapierbar» zu klären.

Eine Verwahrung wird erst im Anschluss an die Verbüssung der Freiheitsstrafe vollzogen. Eine ordentliche Verwahrung, die grundsätzlich ebenfalls unbefristet ist, kann regelmässig überprüft werden. Wenn zu erwarten ist, dass sich die verwahrte Person in Freiheit bewährt, kann sie bedingt entlassen werden.

Fest steht nach dem Entscheid des Bundesgerichts, dass der Mörder von Lucie nicht freikommen wird, solange er eine Gefahr darstellt. Eine bedingte Entlassung bei guter Prognose ist frühestens nach 15 Jahren möglich.

    • Auftakt im Mordprozess Lucie

      Auftakt im Mordprozess Lucie

      1:44 min, aus Tagesschau vom 28.2.2012

    • Das Urteil im Mordfall Lucie

      Das Urteil im Mordfall Lucie

      3:19 min, aus 10vor10 vom 29.2.2012

    • Lebenslängliche Verwahrung für Lucies Mörder

      Lebenslängliche Verwahrung für Lucies Mörder

      1:59 min, aus 10vor10 vom 18.10.2012

    • Beschwerde von Lucies Eltern abgewiesen

      Beschwerde von Lucies Eltern abgewiesen

      2:26 min, aus Schweiz aktuell vom 10.9.2013

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Keine Verwahrung für Lucies Mörder

    Aus Tagesschau vom 5.12.2013

    Das Bundesgericht hat die lebenslange Verwahrung des Mörders von Lucie aufgehoben. Gemäss der Begründung darf die Massnahme nur angeordnet werden, wenn der Täter auf Lebzeiten als nicht behandelbar erachtet wird. Das sei hier nicht der Fall. Die Schweizer Politik reagiert unterschiedlich auf das Urteil.