Knifflige Kooperation: Schweizer Werft für deutsche Schiffe

In Romanshorn entsteht für rund zehn Millionen Franken die grösste Werft am Bodensee. Neu sollen auch deutsche Schiffe am Schweizer Ufer überholt werden. Die länderübergreifende Kooperation war und ist ein hartes Stück Arbeit.

Ein Schiff wird in die Werft gezogen zu Wartungszwecken. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In der neuen Werft in Romanshorn sollen noch grössere Schiffe gewartet werden können. Keystone

Auf dem Bodensee buhlen Gesellschaften dreier Länder um Schiffspassagiere. Das Konkurrenzdenken zwischen Schweizern, Deutschen und Österreichern war lange Zeit stark ausgeprägt.

Das gipfelte darin, dass die Deutschen vor Jahren die Schweizerische Schifffahrt aufkaufen wollten. Dies ist mittlerweile vom Tisch. Das Verhältnis hat sich entspannt.

Gemeinsame Nutzung

Die gemeinsame Nutzung der neuen Werft in Romanshorn könnte nun Signalwirkung haben, meint Jürg Meister. Er ist ehemaliger Dozent für Verkehrsökonomie an der Universität St. Gallen: «Das ist unbedingt ein Meilenstein. Nicht, dass man gar nicht zusammengearbeitet hätte.» Aber nun geschehe dies in einer doch deutlich optimierten Form.

Allerdings: Ursprünglich haben sich alle drei Schiffsbetriebe auf eine gemeinsame Nutzung der Werft geeinigt. Doch das habe sich zerschlagen, wie Hermann Hess, der Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Bodenseeschiffahrtsgesellschaft erklärt: «Der Stolperstein war, dass die deutschen mit den österreichischen Kollegen eine Geheimverhandlung geführt haben über eine bilaterale Zusammenarbeit im Werftsbereich. Danach war irgendwie ein Misstrauen da.»

Eine grosse Werft für zwei Länder

2:01 min, aus HeuteMorgen vom 11.03.2014

Die Österreicher setzen nun auf ihr eigene Werft. Die Deutschen hingegen haben sich für einen Vertrag mit der Schweizer Werft entschieden.

Um ihre Flotte zu warten, können sie die neue Schweizer Werft in Romanshorn mieten. Kuno Werner, Geschäftsführer der Deutschen Bodensee-Schiffbetriebe erklärt: «Wir sind natürlich sehr froh, dass die Kollegen die Werft ausbauen, weil wir ja doch relativ grosse Fährschiffe haben und nun auch Probleme haben, diese in der eigenen Werft zu revisionieren.»

Falls die gemeinsame Nutzung der Schweizer Werft mit den deutschen Schiffsbetrieben erfolgreich ist, könnte das auch die Österreicher motivieren, an Bord zu steigen, hoffen die Werft-Verantwortlichen in Romanshorn.

Immerhin ein Beispiel für eine gelunge Zusammenarbeit aller drei Länder gibt es bereits. Vor kurzem haben die Schweizer, die Deutschen und die Österreichischen Schiffsbetriebe zum ersten Mal einen gemeinsam Fahrplan für alle Passagierschiffe auf dem Bodensee erstellt.

(basn;heis)