Erste Schätzungen für 2018 Krankenkassenprämien dürften um 4 bis 5 Prozent steigen

Immer mehr Menschen gehen zum Arzt. Und viele Patienten übernachten im Spital. Diese Faktoren gelten als Kostentreiber.

Zwei Pfleger bringen eine Patientin aufs Zimmer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Stationäre Spitalbehandlungen sorgen für höhere Krankenkassenprämien. SRF

Die Krankenkassenprämien dürften auch im kommenden Jahr wieder um vier bis fünf Prozent steigen. Es gibt zwei zentrale Gründe, warum der Krankenkassenverband Santésuisse befürchtet, dass die Kosten 2017 stark steigen werden:

1. Stationäre Spitalkosten

Erster Grund ist der Bereich Spitäler: Bei einer stationären Behandlung, wenn also der Patient im Spital übernachtet, teilen sich Kantone und Krankenkassen die Kosten. In den vergangenen Jahren haben die Kantone ihren Anteil an diesen Kosten schrittweise auf 55 Prozent erhöht, wie es das Krankenversicherungsgesetz fordert. Ab 2018 geht diese Erhöhung des Kostenanteils zwar nicht mehr weiter. Weil aber die stationären Spitalbehandlungen weiterhin leicht zunehmen, werden ab kommendem Jahr die Prämienzahler proportional mehr bezahlen müssen.

2. Mehr ambulante Behandlungen

Der zweite Grund: Es werden deutlich mehr Behandlungen ambulant durchgeführt, also ohne Übernachtung im Spital. Die Kantone forcieren nämlich die ambulanten Behandlungen. Diese ambulanten Spitalkosten bezahlen aber die Krankenkassen allein – und damit die Prämienzahler.

Verena Nold, Santésuisse. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Verena Nold, Direktorin des Krankenversicherungsverband Santésuisse. SRF

Für Verena Nold, Direktorin des Krankenversicherungsverband Santésuisse ist klar: «Diese beiden Faktoren sind sicher entscheidend dafür, dass die Kosten das nächste Jahr wahrscheinlich mehr steigen werden als in diesem Jahr.»

Und mit den Kosten steigen die Prämien. Allerdings gibt es grosse Unterschiede zwischen den Kantonen. «Das ist erstaunlich, denn im Kanton Waadt bezahlt man pro Person 3616 Franken pro Jahr. Und im Kanton Aargau nur 2993 Franken», sagt Nold.

Zwischen 2012 und 2016 hatte der Kanton Waadt ein höheres Wachstum (19,2 Prozent) verglichen mit dem Kanton Aargau (14,7 Prozent). Die Prämienkosten liegen etwas höher also die Nettoleistungen. Damit decken die Prämien in beiden Kantonen die Kosten. Nicht berücksichtigt sind bei den Nettoleistungen aber die Verwaltungskosten, die ebenfalls durch Prämieneinnahmen gedeckt werden müssen.

Gesundheitskostenniveau 2016 VD und AG: Nettoleistungen und Prämien pro Person in den strukturell vergleichbaren Kantonen Waadt und Aargau 2016.

Dabei seien Aargau und Waadt durchaus vergleichbare Kantone. Aber in der Waadt gebe es viel mehr Ärzte – und das heisse, mehr Behandlungen. «Auf 1000 Einwohner kommen im Kanton Waadt 4 Ärzte und im Kanton Aargau nur 2 Ärzte auf 1000 Einwohner. Diese Differenz im medizinischen Angebot macht natürlich auch aus, dass die Kosten im Kanton Waadt höher sind als im Aargau», sagt Nold.

Auch beim Vergleich zwischen den Kantonen Genf und Zürich zeigt sich ein ähnliches Bild bei den Nettoleistungen und Prämien. Genf hatte zwischen 2012 und 2016 ein geringeres Kostenwachstum (10,8 Prozent) als der Kanton Zürich (17,6 Prozent). Die Prämienkosten sind auch hier etwas höher also die Nettoleistungen und decken damit in beiden Kantonen die medizinischen Kosten.

Gesundheitskostenniveau 2016 ZH und GE: Vergleich der Nettoleistungen und Prämien pro Person in den Kantonen Zürich und Genf 2016.

Ein weiterer Grund für grosse kantonale Unterschiede sind gemäss Nold von Santésuisse, dass mancherorts die Leute zu oft ins «falsche» Spital gehen – nämlich ins teuerste. «Dort, wo es Universitätsspitäler hat, gehen die Leute mehr in diese Spitäler, auch in leichten Fällen. Und das kostet dann insgesamt mehr.»

Durchschnittspreis einer Blinddarmoperation 2017

Hôpitaux Universitaires de Genève (HUG)5900
Centre hospitalier universitaire vaudois, Lausanne (CHUV)5900
Universitätsspital Zürich (USZ)6300
Spital Männedorf5300
Kantonsspital Winterthur (KSW)5300
Kantonsspital Aarau (KSA)5300

Krankenkassenprämien zu berechnen, ist kompliziert. Die Versicherer sind noch an der Arbeit, deshalb ist heute erst die ungefähre Grössenordnung bekannt. Die definitiven Zahlen folgen dann im Herbst.