«Kühen sollte man nie den Rücken zuwenden»

Zwischenfälle mit Mutterkühen und Wanderern gibt es immer wieder. Letztes Wochenende hat sich in Laax ein tragischer Unfall ereignet, eine 77-jährige Frau kam dabei ums Leben. Der Geschäftsführer der Schweizer Wanderwege sagt, wie sich Wanderer auf einer Weide verhalten sollen.

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Michael Roschi

Michael Roschi

zvg

Der Tourismusfachmann ist seit 2014 Geschäftsführer der Schweizer Wanderwege. Vorher war er vier Jahren lang als Direktor von Thun-Thunersee Tourismus tätig.

SRF-News: In Laax führt der offizielle Wanderweg quer durch eine Weide mit Mutterkühen. Ist das kein Einzelfall?

Michael Roschi: Es gibt in der Schweiz insgesamt 65‘000 Kilometer Wanderwege, die signalisiert sind. Davon gehen rund 40 Prozent über landwirtschaftliches Gebiet und davon rund 43 Prozent über Alpwirtschaft. Einige davon durchqueren Mutterkuh-Weiden.

Müssten die Wanderwege nicht strikter von Weiden mit Mutterkühen abgetrennt werden?

Nach dem Vorfall vom Wochenende, den wir sehr bedauern, muss man diese Frage diskutieren. Uns liegt die Sicherheit der Wanderer am Herzen. Wir versuchen deshalb, die Wanderer für die Passage von Mutterkuh-Weiden zu sensibilisieren. Auch mit den Bauernbetrieben arbeiten wir zusammen. Sie bringen Warnschilder an solchen Weiden an. Darauf stehen die wichtigsten Verhaltensregeln für die Wanderer bei einer Überquerung einer solchen Weide.

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Tierhalter haftet

Beat Burkhalter von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft hält fest: «Der Tierhalter haftet für den Schaden, den seine Tiere anrichten, ausser er kann nachweisen, dass er das Möglichste getan hat, damit kein Schaden eintritt.»

Dem Verein der Bündner Wanderwege reicht das offenbar nicht. Er fordert nach dem Unfall in Laax mehr Sicherheit, etwa in Form von mehr Zäunen. Was sagen Sie zu der Forderung?

Die Forderung ist sicher berechtigt. Wir haben eine Check-Liste mit verschiedenen möglichen Massnahmen für Bauernbetriebe. Zäune sind dort bereits aufgeführt. In Fällen, in denen erhöhte Gefahr besteht, wird diese Massnahme auch ergriffen.

Müssen die Wanderer ein gewisses Risiko in Kauf nehmen?

Es gibt immer mehr Wanderer: 2,7 Millionen Menschen in der Schweiz sind in ihrer Freizeit in den Bergen und im Unterland auf Wanderwegen unterwegs. Sie müssen deshalb kein höheres Risiko eingehen. Allerdings gilt es, ihre Eigenverantwortung wahrzunehmen, nicht nur mit Blick auf die Querung von Mutterkuh-Weiden.

«  Der Hund gehört beim Durchwandern von Mutterkuh-Weiden an die Leine. »

Michael Roschi
Geschäftsleiter Schweizer Wanderwege

Das schöne Wetter dürfte diese Woche wieder viele Wanderer in die Natur locken. Was raten Sie ihnen konkret, wenn sie eine Weide mit Mutterkühen durchqueren wollen?

Das Wichtigste ist, Respekt vor den Mutterkühen zu haben. Es gilt, Distanz zu halten. Man darf nicht auf die Kühe zugehen. Wenn ich einen Hund dabei habe, ist die Situation besonders gefährlich. Der Hund gehört an die Leine. Man sollte auch die Informationstafeln beachten, die an diesen Weiden angebracht sind.

Schliesslich sollte man die Weide langsam durchqueren und wenn nötig einen Umweg machen. Den Kühen darf man nie den Rücken zudrehen. Werden die Tiere unruhig, ist das ein Warnzeichen. Dann muss sich der Wanderer rückwärts von den Tieren entfernen und einen Umweg um die Herde machen.

Das Gespräch führte Susanne Schmugge.