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Zug-Toiletten drücken auf die Blase
Aus Kassensturz vom 17.12.2019.
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Kundenärger bei SBB Zug-Toiletten drücken auf die Blase

SBB-Passagieren stinkt's: Warum sind SBB-Zug-Toiletten ständig defekt? Ein ehemaliger Reinigungsmitarbeiter packt aus.

Immer wieder hält der Pendler Thomas Gilgen die WC-Defektkleber mit seinem Handy fest. Seit zwei Jahren pendelt der Familienvater mehrmals in der Woche mit der S25 von Linthal-Braunwald nach Zürich und zurück. Eine Strecke von eineinhalb Stunden.

Der Pendler kritisiert: «Oft hat es nur ein WC. Wenn dieses kaputt ist und ich bin mit meiner fünfjährigen Tochter unterwegs, dann habe ich wirklich ein Problem.» So kam für die kleine Tochter der nächste Halt auch schon zu spät.

Das sagen die SBB

Die SBB bedauern die Vorfälle, aber das seien Einzelfälle. Sie betonen, dass die Anzahl der Toiletten in den letzten Jahren stabil geblieben sei. 97 Prozent aller Toiletten seien zudem stets verfügbar. Das grösste Problem seien nach wie vor Verstopfungen, verursacht durch Fahrgäste. Im Regionalverkehr seien die Fahrgäste zudem selten längere Zeit unterwegs.

Dennoch möchten sich die SBB betreffend Sauberkeit und Verfügbarkeit der Toiletten verbessern, wie die SBB gegenüber «Kassensturz» verspricht. Besonders auf der Nord-Südachse durch den Gotthard gebe es jetzt so genannte Unterwegsreinigungen. Mit dem neuen Zug Giruno, gebe es zudem auf der Gotthardstrecke dann auch Rollmaterial mit einem besseren WC-Verhältnis: Eine Toilette und ein Pissoir für 38 Passagiere.

Leerer Wassertank

Auch auf Interregio-Strecken im Fernverkehr kommen wegen Rollmaterialproblemen heute Zugkompositionen zum Einsatz, die nur über eine Toilette verfügen. In einem solchen Zug fuhr Emil Wettstein von Bern nach Zürich-Altstetten.

Weil die einzige Toilette zu war, musste der SBB-Kunde seine Bahnfahrt unterbrechen: «Der Kundenbegleiter berichtete mir, das WC habe schon seit zwei Tagen kein Wasser. Die Putzmannschaft sei manchmal stark unter Druck und habe wohl vergessen, den Tank aufzufüllen.»

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Karin Blättler, Präsidentin von Pro Bahn Schweiz, kritisiert, dass Störungen nicht schnell behoben werden.
Aus Kassensturz vom 17.12.2019.
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Sechs Toiletten in fünf Minuten

Tatsächlich habe das Reinigungspersonal oft zu wenig Zeit, kritisiert ein ehemaliger Reinigungsmitarbeiter der SBB gegenüber «Kassensturz». Um seine Stelle nicht zu gefährden, möchte er anonym bleiben. Auch die sogenannten Sichtreinigungen während des täglichen Betriebs seien knapp geplant: «Ein einzelner Reinigungsmitarbeiter hat im dümmsten Fall maximal fünf Minuten Zeit für sechs WCs.» Er habe in dieser Zeit WC, Spiegel, Brünneli und Boden putzen und dann oft noch WC-Papier auswechseln müssen. Nur schon für die WC-Papierrolle habe man zwei Minuten benötigt.

In fünf Minuten sechs Toiletten reinigen ist machbar.
Autor: Reto LiechtiLeiter Kundenbegleitung und Cleaning SBB

Reto Liechti, Leiter Kundenbegleitung und Cleaning bei den SBB, beteuert, das Reinigungspersonal habe in der Regel genügend Zeit. In fünf Minuten sechs Toiletten reinigen sei machbar, meint Reto Liechti: «Es ist eine anstrengende Arbeit, aber wenn man ausgebildet ist, dann kann man die Arbeit so erledigen.»

Eine Toilette für über 300 Sitzplätze

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  • So viele Toiletten müssen für SBB-Passagiere reichen: In vielen Zürcher S-Bahnen wie auch in der S25 kommen 345 Sitzplätze auf ein einziges WC. In der Regel hat es nur ein WC im ganzen Zug.
  • Nur wenig besser im übrigen SBB-Regionalverkehr: Hier gibt es im Durchschnitt ebenso nur eine Toilette für 300 Sitzplätze. Inklusive Stehplätze heisst das im schlimmsten Fall: ein WC für bis zu 600 Passagiere im ganzen Zug. Da die Kunden im Regionalverkehr oft nicht lange unterwegs seien, sei ein solches Verhältnis genügend, so die SBB.
  • Intercitys: Im neuen FV-Dosto kommt ein WC auf 75 Sitzplätze. Dies entspricht gemäss SBB auch dem Durchschnitt im Fernverkehr. Die SBB betonen, das Verhältnis Toiletten-Sitzplätze sei in den letzten fünf Jahren stabil geblieben. Blickt man weiter zurück, gab es in früheren Fernverkehrszügen etwa doppelt so viele Toiletten.

Anspruchsvolle Wartung

Eineinviertel Million Passagiere befördern die SBB jeden Tag. Ein Drittel mehr Passagiere als noch vor zehn Jahren. Um rund zehn Prozent haben die SBB die Reinigungs- und Wartungsmitarbeiter aufgestockt. Reicht das?

Die Wartung der neuen Toiletten ist aufwändig. Die allermeisten aller knapp 3000 SBB-Toiletten sind aus ökologischen Gründen geschlossene Systeme, deren Fäkalientanks in unterschiedlichen Abständen aber regelmässig geleert werden müssen.

Die Fäkaltanks würden oft noch voll herumfahren, kritisiert der ehemalige Reinigungsmitarbeiter gegenüber «Kassensturz». Für das Entstopfen fehle zudem Personal. Denn bei den SBB dürften nur spezielle Techniker «entstopfen». Der Ex-Mitarbeiter erinnert sich: «War kein Techniker am Bahnhof, hätte einer anreisen müssen, was zu grossen Zug-Verspätungen geführt hätte.»

Reto Liechti von den SBB beschwichtigt: «Es gibt seltene Fälle, wo wir den Zug nicht in der Nähe eines Technikers haben.» Bei grösseren Problemen kämen Ersatzzüge zum Einsatz, die aber im Moment nicht immer verfügbar seien.

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