Landwirtschaftliche Fahrzeuge sind immer noch Dreckschleudern

Partikelfilter sind für Diesel-Autos und Lastwagen schon länger Pflicht. Nicht so für landwirtschaftliche Fahrzeuge. Ihr Anteil am gesamthaft ausgestossenen Feinstaub steigt deshalb weiter an. Noch immer herrscht keine Partikelfilter-Pflicht für Neumaschinen.

Grüner Traktor der Marke John Deere, der zu viel Abgase ausstösst. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Stossen zu viel Feinstaub aus: Landwirtschaftliche Fahrzeuge. Keystone

Die Schweiz musste sich etwas einfallen lassen, um so lange Tunnel bauen zu können wie den Lötschberg- oder den Gotthard-Basistunnel. Denn herkömmliche Baumaschinen hätten die Arbeiter im Berg vergiftet. Es brauchte spezielle Partikelfilter. Aus der Not machte die Schweiz eine Tugend; seit 2009 gelten deshalb strenge Abgasnormen für Baumaschinen. «Die Schweiz hat in diesem Bereich eine Pionierrolle wahrgenommen», sagt Giovanni d'Urbano, Leiter der Sektion Verkehr beim Bundesamt für Umwelt Bafu.

Baumaschinen werden sauberer

Und zwar eine erfolgreiche Pionierrolle. Denn der Anteil von Feinstaub aus Baumaschinen ist gesunken. Dies zeigt eine noch unveröffentlichte Studie des Bafu zu Feinstaubemissionen bei Fahrzeugen, die nicht auf der Strasse fahren. Demnach stossen mit jährlich rund 300 Tonnen landwirtschafltliche Maschinen am meisten Feinstaub aus.

Die Baumaschinen dagegen haben ihren Ausstoss von rund 100 auf rund 90 Tonnen gesenkt. Und jedes Jahr wird dieser Wert kleiner, denn heute haben praktisch alle, das heisst 95 Prozent aller Baumaschinen, einen Partikelfilter.

«  Eine Nachrüstung liegt finanziell nicht drin. »

Martin Rufer
Leiter Departement Produktion und Ökologie beim Schweizer Bauernverband

Der Einbau von Partikelfiltern hat sich bei Baumaschinen also gelohnt. Anders ist das offenbar bei den Traktoren. Ein Pilotprojekt, zum Einbau von Filtern bei Traktoren im Kanton Bern habe 2009 ernüchternd geendet, sagt d'Urbano vom Bafu: «Das Projekt hat gezeigt, dass eine Ausrüstung mit Partikelfiltern möglich ist. Die damit verbundenen Kosten jedoch waren eine Hemmschwelle für die Traktor-Besitzer.»

Noch klarer sagt es Martin Rufer, Leiter des Departementes Produktion und Ökologie beim Schweizerischen Bauernverband: «Das liegt finanziell nicht drin. Die Nachrüstung kostet Grössenordnung 20'000 Franken und das ist unverhältnismässig hoch.»

Neue Traktoren bald mit Filter?

So ist eine Filterpflicht auch für landwirtschaftliche Maschinen von Bundesrat und Parlament vertagt worden, bis zum Entscheid der EU, Abgasvorschriften der Stufe 5 für alle Fahrzeuge einzuführen. Das Bafu hofft nun bald auf diesen Schritt: «Die EU-Stufe 5 ist natürlich ein grosser Schritt nach vorn. Insbesondere für die Landwirtschaft, wo die Erneuerung langsam ist, ist das ein grosser Schritt. Und wir hoffen, dass die Stufe 5 bald verabschiedet wird», sagt der Bafu Sektionsleiter.

Den Entscheid der EU erwartet das Bundesamt noch dieses Jahr. Konkret heisst das: Ab circa 2020 muss wohl auch jeder neue Traktor einen Partikelfilter haben. Das sei machbar, sagt Rufer vom Bauernverband. «Das ist dann verkraftbar, weil eine Neuausstattung mit einem neuen Traktor wesentlich günstiger ist als eine Nachrüstung.»

Schweizer Traktorproduzent bereitet sich vor

Die meisten Traktoren werden in die Schweiz importiert, Traktorhersteller wie John Deere fabrizieren bereits heute serienmässig Traktoren mit Filter, andere werden folgen. Auch die einzige Schweizer Traktorfarbrik steckt schon mitten in der Entwicklung eines neuen Modells mit Partikelfilter, ist damit aber nicht glücklich. Denn eigentlich wäre die Firma lieber ganz neue Wege gegangen, sie wollte einen Traktor mit Elektro-Antrieb entwickeln.

Aber die neuen EU-Abgasnormen hätten sie dazu gedrängt, alle Ressourcen ihrer kleinen Firma in Partikelfilter zu investieren, sagt Marlies Knüsel, Geschäftsleiterin der Traktorherstellerin Sepp Knüsel und Rigitrac. «Es gibt gar keine Wahl. Wenn wir weiterhin Traktoren herstellen wollen, müssen wir das schaffen. Wir werden das auch irgendwie schaffen. Aber es bleibt alles andere auf der Strecke liegen.»

Ob im grossen EU-Parlament oder in der kleinen Schweizer Traktorenproduktion: Alle bereiten sich darauf vor, den Menschen und das Klima vor zu viel Dieselruss zu bewahren.