Lega will Luganos Stadtpräsidium erobern

Bei den Gemeindewahlen in Lugano kommt es heute Sonntag zum Duell: Der abtretende Lega-Staatsrat Marco Borradori tritt gegen den langjährigen FDP-Stadtpräsidenten Giorgio Giudici an. Gekämpft wird mit harten Bandagen – und sogar mit einem Toten.

«Sindaco» Giorgio Giudici muss nach 29 Jahren an der Stadtspitze erstmals ernsthaft um seine Platzherrschaft fürchten. Sein Konkurrent Marco Borradori, moderater Legist und seit 18 Jahren Mitglied der Kantonsregierung, gilt als Wählerliebling. Er erzielte bei kantonalen Wahlen schon öfter Erfolge.

Doch auch für Borradori scheint das Spiel nicht so leicht zu werden, wie vielleicht anfangs erhofft. Als der Staatsrat seine Kandidatur für Lugano bekannt gab, hatte sich Giudici noch nicht festgelegt, ob er mit seinen 67 Jahren noch einmal antreten wolle. Dann zog er doch nach. Und auch er kann mit Sicherheit auf eine treue Wählerschaft zählen.

«Die Wetten stehen genau 50 zu 50», sagt Alexander Grass, SRF-Korrespondent im Tessin. Davon gehe zumindest die Zeitung «Giornale del popolo» in ihrer Wahlprognose aus. Es gibt jedoch noch sehr viele Unentschlossene: Fast jeder dritte Wähler wisse noch nicht, für wen er seine Stimme einlegen soll, so Grass. Die Medien im Tessin sprechen jetzt schon von einem «historischen Wahlgang».

Bignasca posthum auf Stimmenfang

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Keine Regeln bei Todesfall

Regeln, wie im Fall des Todes eines Kandidaten zu verfahren ist, gibt es nicht. Laut der Bundeskanzlei wird das von Kanton zu Kanton unterschiedlich gehandhabt. In Lugano werden die Stimmen, die auf Giuliano Bignasca fallen, als Parteistimmen gezählt. Sollte der Verstorbene gewählt werden, tritt der nach ihm klassierte Kandidat an seine Stelle.

Die FDP hält derzeit mit drei von sieben Sitzen die Mehrheit in der Stadtregierung. Die Lega hält zwei Sitze – einen davon besetzte der verstorbene Giuliano Bignasca. Und sie will einen dritten erobern, um der FDP-Vorherrschaft ein Ende zu bereiten. SP und CVP halten je einen Sitz im Luganeser Gemeinderat.

Der Wahlkampf drehte sich von Anfang an mehr um Köpfe als um Programme. Dazu trug nicht nur die kurzzeitige Kandidatur von Ex-Staatsrätin Patrizia Pesenti von der SP bei. Auch der überraschende Tod von Lega-Präsident Bignasca am 7. März lenkte vorübergehend von jeder inhaltlichen Debatte ab.

Bignasca wird posthum weiterhin zur Wahl stehen. Denn die Wahllisten sind kurz vor seinem Tod rechtskräftig geworden. Doch obwohl dies durchaus dem Reglement entspricht, mehrten sich im Tessin kritische Stimmen, die der Lega unterstellten, mit dem populären Namen eines Toten auf Stimmenfang gehen zu wollen.

Nachfolge im Staatsrat offen

Ob die Rechtspartei am 14. April wirklich mit einer Art Trauerbonus rechnen kann, ist offen. Bignascas Tod hat in jedem Fall Folgen für die Frage, wer für Borradori in die Kantonsregierung eintritt. Im Tessin wird nach Proporz gewählt. Entsprechend sind keine Neuwahlen vorgesehen, sondern es rückt ein Parteivertreter nach. Wer das sein könnte, möchte die Lega erst nach der Wahl entscheiden.

Die konkurrierenden Kandidaten Borradori (links) und Giudici (rechts) vor dem Rathaus von Lugano. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schenken sich nichts: Die konkurrierenden Kandidaten Borradori (links) und Giudici. Keystone

Sicher sei jetzt schon, dass er nach der Wahl aus dem Staatsrat austrete, sagte Borradori. Einen Sitz in Luganos Stadtregierung akzeptiere er auch, falls er nicht Stadtpräsident werde. Giudici hingegen wollte sich gegenüber den Medien noch nicht festlegen, ob er auch als einfacher «Municipale» weiter politisiere.

Doch noch thematischer Wahlkampf

Kurz vor dem Entscheidungstag ist dann doch noch der thematische Wahlkampf in Fahrt gekommen: Der bisherige Stadtpräsident Giudici warb unter anderem mit dem Wachstum der Stadt für sich. Er verwies auf Eingemeindungen und architektonische Grossprojekte. Borradori setzte seinerseits auf die Forderung nach bezahlbaren Mieten und mehr Mitbestimmung der Quartiere.

Die beiden Kandidaten seien in der Sache sehr hart aufeinander losgegangen, hat SRF-Korrespondent Grass beobachtet. «Überhaupt kann man sagen, dass der Wahlkampf ungewöhnlich aufwändig gewesen ist.» Persönliche Briefe seien an die Haushaltungen verschickt, Inserate geschaltet und Postwurfsendungen verteilt worden. «Eine enorme Medienpräsenz haben wir gesehen» – nun werde der Ausgang der Wahl von allen mit grosser Spannung erwartet.