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Legende: Audio Jetzt brauche es Notmassnahmen, sagt Beat Zemp abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 25.06.2019.
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Lehrermangel spitzt sich zu «Die nächsten fünf Jahre könnten dramatisch werden»

In den nächsten Jahren werden Hunderte neue Lehrer benötigt. Der Präsident des Lehrerverbands, Beat Zemp, schildert, wo die Probleme liegen und wie sie angegangen werden müssen.

Beat Zemp

Beat Zemp

LCH-Präsident

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Beat Zemp ist Lehrer für Mathematik und Geographie am Gymnasium Liestal. Zugleich sitzt er als Präsident dem Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH vor.

SRF News: Wie äussert sich der aktuelle Lehrermangel?

Beat Zemp: Nicht alle Stellen konnten mit Lehrpersonen besetzt werden, die über das ausgeschriebene Profil verfügen. Laut einer aktuellen Umfrage bei den Schulleitern fand mehr als ein Viertel von ihnen nach Stellenausschreibungen keine Lehrperson der entsprechenden Schulstufe, mehr als ein Drittel keine Lehrperson des ausgeschriebenen Fachs.

Jemand unterrichtet Geografie oder Geschichte, ohne das Fach studiert zu haben.

Das bedeutet etwa, dass eine Primarlehrperson auf der Sekundarstufe I unterrichtet oder eine Kindergärtnerin auf der Primarstufe. Auch kann es sein, dass jemand Geografie oder Geschichte unterrichtet, der dies gar nicht studiert hat. Das Schlimmste, das ich angetroffen habe war, dass man einen Lehrer suchte mit einem «Flair für Französisch» – offenbar ist es aussichtslos, einen Französischlehrer zu finden. Dann sucht man halt jemanden mit einem «Flair» für Französisch.

Wie dramatisch wird die Situation in den kommenden Jahren?

In den nächsten fünf Jahren könnte es tatsächlich dramatisch werden. Wir steuern auf einen historischen Höchststand an Schülerinnen und Schülerm zu: 2027 werden es 14 Prozent mehr Schüler sein als heute – und das allein in der Primarschule. Gleichzeitig ist die Pensionierungswelle der Babyboomer auf dem Höhepunkt, ihre Pensen müssen an neue Lehrer verteilt werden. Häufig braucht es pro pensionierten Lehrer zwei Personen, weil viel mehr Lehrer heute Teilzeit arbeiten als früher. Dies verstärkt den Lehrermangel enorm.

Sind Mindestpensen für Lehrer eine Lösung?

Nein. Das ist keine zielführende Massnahme. Das würde bedeuten, dass all die Lehrerinnen, die meist auf Primarschulstufe 30 oder 40 Prozent arbeiten, und daneben eigene Kinder betreuen, nicht weiter arbeiten würden. Das wäre ein Bumerang. Wir müssen schauen, dass wir möglichst alle Lehrerinnen und Lehrer behalten können. Denn viele dieser Lehrerinnen mit kleinen Pensen stocken ihr Pensum erfahrungsgemäss wieder auf, wenn die eigenen Kinder grösser sind.

Wir müssen den Lehrerberuf für junge, intelligente Leute attraktiv halten und gute Löhne bezahlen.

Wie also ist die Situation des Lehrermangels in den Griff zu bekommen?

Es braucht Notmassnahmen: Wir müssen uns um Wiedereinsteigerinnen bemühen, Pensionierte müssen zurückgeholt werden – was übrigens schon heute praktiziert wird –, man muss darüber diskutierern, Studierende im letzten Studienjahr bereits in die Schulpflicht einzuführen, man muss Quereinsteiger für den Lehrerberuf motivieren. Es gibt eine ganze Palette von Möglichkeiten. Das wichtigste aber ist, den Lehrerberuf für junge, intelligente Leute attraktiv zu halten, die mit Kindern und Jugendlichem etwas erreichen wollen. Es müssen also gute Löhne bezahlt und die Unterrichts- und Arbeitsbedingungen verbessert werden.

Das Gespräch führte Andrea Jaggi.

Stefan Wolter gegen den Einsatz Pensionierter

Der Bildungsökonom Stefan Wolter von der Uni Bern kann den Vorschlägen, pensionierte Lehrer in den Beruf zurückzuholen oder angehende Lehrer schon während dem Studium vor die Schulklassen zu stellen, wenig abgewinnen. «Das sind Verlegenheitslösungen für ein Problem, das sich nicht schnell lösen lässt.» Vielmehr müsse die Bildungspolitik dafür sorgen, dass dem Notstand auch längerfristig ein Ende bereitet werde.

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60 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Meier  (Hansimeier)
    Tja. Da freut sich die Privatschulen-Wirtschaft. Diese wird so natürlich immer attraktiver. Die entsprechenden Eltern möchten ja auch nicht Konkurrenz für ihre Kinder. ETH, Fachhochschulen und generell Uni's sind ja schon zu Treffpunkte für die oberen 10Tausend geworden.
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  • Kommentar von Wendy Elizabeth Müller  (W.E.Mueller)
    War 4 Jahre lang Primarschullehrerin in Zürich. Nie wieder. Anfangs startet man mit Elan, aber das ändert sich schnell. Der Migrationshintergrund vieler Schüler teils bis zu 90% der Klasse macht es sogar noch schwieriger. Die sollten zuerst mal Deutsch bis B2 lernen. Erst dann sollten die, die Schule besuchen. Jetzt mit 31 habe ich noch ein Studium der Rechtswissenschaften aufgenommen. Mit einem Bachelor of Primary education kann man halt nichts anfangen.
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  • Kommentar von Olivia Talbot  (OliviaT)
    Leute, in der Schweiz wirds sich nichts ändern sofern nicht das gesamte System umgekrempelt wird. Alle die für die Bildung zuständig sind waren nie Lehrer. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation steh unter der Leitung einer die noch nie Lehrer war. Die Bildungsdirektion in Zürich steht auch unter einer Leitung die noch nie Lehrer war. In Irland zb. sind alle Politiker die mit Bildung zu tun haben ehemalige Lehrer. Deshalb schneidet das System auch vor der Schweiz ab.
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