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Schweiz Lohngleichheit: Bundesrat mit gutem Beispiel voran?

Die öffentliche Hand soll sich stärker engagieren, damit Frauen und Männern für gleiche Arbeit gleiche Löhne bekommen. Bundesrat Alain Berset hat hierfür in Bern eine Charta lanciert. Aber nicht nur die öffentliche Hand, sondern auch für sie arbeitende Firmen sollen in die Pflicht genommen werden.

Legende: Video Bund setzt sich für Lohngleichheit ein abspielen. Laufzeit 02:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.09.2016.

Seit Jahren ist der Bund daran, die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau zu beseitigen – bisher mit bescheidenem Erfolg. Nun startet Bundesrat Alain Berset einen neuen Versuch. In Bern hat er eine entsprechende Charta lanciert. Deren Idee: Die öffentliche Hand soll Frauen und Männern für gleichwertige Arbeit gleiche Löhne zahlen und so mit gutem Beispiel vorangehen.

Bundesrat Alain Berset an einer Medienkonferenz (Aufnahme vom 2. September).
Legende: Bundesrat Alain Berset an einer Medienkonferenz (Aufnahme vom 2. September). Keystone

Denn: «Die öffentliche Hand hat eine Vorbildfunktion», sagte Berset. Das Streben nach gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit bleibe ein aktuelles Thema.

Zehn Kantone und 15 Gemeinden sowie der Bund gehören zu den Erstunterzeichnern der Charta «Lohngleichheit im öffentlichen Sektor». Sie verpflichten sich damit, «Lohngleichheit in ihrem Einflussbereich umzusetzen». Andere Kantone und Gemeinden seien willkommen, die Charta ebenfalls zu unterschreiben, so Berset.

Regelmässige Kontrollen

Konkret soll die Lohngleichheit regelmässig überprüft werden, sowohl innerhalb der Verwaltung als auch bei Unternehmen, die von der öffentlichen Hand Aufträge oder Subventionen erhalten. Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass Zürich eine «grosse Arbeitgeberin» sei. «Es geht nicht an, dass öffentliche Gelder in diskriminierende Strukturen fliessen», sagte Mauch.

Die Charta soll denn auch ein «Signal an öffentliche und private Arbeitgeber aussenden», wie das Departement des Innern (EDI) mitteilte. Eine verbindliche Rechtswirkung hat das Dokument allerdings nicht.

Die Charta wurde am zweiten nationalen Treffen zur Förderung der Lohngleichheit in der öffentlichen Verwaltung lanciert. Unterschrieben haben alle Westschweizer Kantone ausser dem Wallis. Mit von der Partie sind ausserdem die Kantone Bern, Basel-Stadt, Graubünden, Tessin und Zürich. Unter den Städten, die sich zur Charta bekennen, sind unter anderem Aarau, Bern, Freiburg, Genf, Lausanne, Lugano und Zürich.

Frauen verdienen teilweise 20 Prozent weniger

Der Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit ist seit über 30 Jahren in der Bundesverfassung verankert. Dennoch verdienen Frauen oft immer noch weniger als ihre männlichen Kollegen. Gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) betrug die Lohnungleichheit 2012 im öffentlichen Sektor durchschnittlich 16,5 Prozent. In der Privatwirtschaft verdienten Frauen im Durchschnitt 21,3 Prozent weniger als Männer.

Im Kampf gegen Lohndiskriminierung will der Bundesrat auch die privaten Unternehmen vermehrt in die Pflicht nehmen. Mit einer Revision des Gleichstellungsgesetzes will er Firmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden dazu verpflichten, alle vier Jahre die Löhne zu analysieren.

Sanktionen wird es keine geben

Staatliche Lohnkontrollen und Sanktionen sind aber nicht geplant. Dies kritisierten in der Vernehmlassung die Arbeitnehmerorganisationen, denen der bundesrätliche Vorschlag nicht weit genug geht. Die Wirtschaft stellte sich indes gegen die aus ihrer Sicht «unverhältnismässigen» Lohnanalysen.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
    Ich warte nach wie vor auf eine Erklärung dafür wieso man als Mann überhaupt noch einen Job findet wenn Gewinnorientierte Unternehmen die gleiche Arbeitsleistung so viel günstiger von Frauen bekommen können. Da hätte die Verwaltung doch gar kein Problem weil sie eh nur noch Männer finden würde...
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  • Kommentar von Dölf Meier (Meier Dölf)
    Die Leistung ist eine der wichtigsten Komponenten und lässt sich teilweise schwer messen. Wir haben die weltweit höchsten Löhne und davon kann man gut leben. Mit sozialistischem Überwachungssystem- und Planwirtschaft kann es nur abwärts gehen. Jede Frau die zu wenig verdient hat die Freiheit den Job zu wechseln!
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    1. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Wieso soll es das Problem von den Frauen sein, wenn sie diskriminiert werden???
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    2. Antwort von Dölf Meier (Meier Dölf)
      Thomas Steiner, es gibt auch Männer die diskriminiert werden und es gibt Männer und Frauen die sich um eine dem Lohn entsprechende Leistung drücken.
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  • Kommentar von Patric Huber (Patric Huber)
    Und nicht vergessen die Krankenkassenprämien auszugleichen.... Ich zahle das doppelte als im Kanton Zug... Spitaldichte lass ich nicht zählen. Ein Zuger geht auch in die Stadt wenn er mehr braucht als Hustensaft. Kantonale Ausgleichszahlungen, auch nicht wirklich gerecht und betreffend Frauen.... Geld scheint wichtiger zu sein als zum Beispiel Kinder... sonst gäbe es in der Schweiz nicht fast ausnahmslos Steinzeitliche Scheidungsurteile.
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