Olympia-Kandidaturen 2026 Lust auf Winterspiele in Ost und West

Mit Sion 2026 steigt nach dem Bündnerland auch die Westschweiz offiziell ins Rennen um die Austragung der Spiele.

Video «Sion-Kandidatur lanciert» abspielen

Sion-Kandidatur lanciert

7:26 min, aus Schweiz aktuell vom 20.1.2017

Politiker und Sportler haben sich heute auf dem Eisfeld vor dem Bundeshaus den Hockeystock in die Hand gegeben. Auch Berns neuer Stadtpräsident Alec von Graffenried musste schiessen – und verfehlte das Tor. Doch Präsident für die Kandidatur Sion 2026 mit den Kantonen Wallis, Waadt, Bern und Freiburg ist der Lausanner Anwalt Jean-Philippe Rochat.

«Spiele im Herzen der Schweiz»

Das Motto von Sion 2026 lautet: «Die Spiele im Herzen der Schweiz». Ein Herz, das mit den Kantonen Wallis, Waadt, Bern und Freiburg ziemlich stark im Westen schlägt. Aber nicht nur, wie Rochat betont: Es gehe um mehr als die Westschweiz und die Chancen seien international gegeben, auch wenn die Bündner noch immer die Favoriten seien.

«  Die Leute müssen spüren, dass es um mehr als nur die Westschweiz geht und dass wir auf internationalem Niveau Chancen haben. »

Jean-Philippe Rochat
Präsident des Komitees Sion 2026

Beide Projekte haben derzeit ein vergleichbares Budget von rund anderthalb Milliarden Franken. Beide wollen bestehende Sportanlagen nutzen, müssen aber noch eine Sprungschanze und ein Stadion für Eisschnelllauf bauen.

Regierungsrat Jon Domenic Parolini machte das Bündner Bewerbungsdossier vor 10 Tagen öffentlich. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Regierungsrat Jon Domenic Parolini machte das Bündner Bewerbungsdossier vor 10 Tagen öffentlich. Keystone/Archiv

Spannung im Bündnerland

Ein Blick nach Osten: Graubünden stimmt bereits im Februar über das Projekt ab. Ein Projekt, dass der Kanton gerne mit Zürich angehen möchte, dort aber nicht auf Gegenliebe stösst. Nun diskutiert man über die wenig mondäne Alternative am oberen Zürichsee um Rapperswil.

Um solche Details gehe es jetzt nicht, betont der Bündner Regierungsrat Jon Domenic Parolini: Am 12. Februar werde nicht über das Dossier abgestimmt, das nur den aktuellen Stand abbilde: «Es gibt ganz bestimmt noch Anpassungen bei diesem Konzept.» Bei einem Ja des Volkes werde man dann nochmals das Gespräch mit allen Partnern suchen. Falls diese Nein sagten, müssten konkret Alternativen angegangen werden.

Sion-2026-Präsident Jean-Philippe Rochat stellt die Kandidatur in Bern vor. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sion-2026-Präsident Jean-Philippe Rochat stellt die Kandidatur in Bern vor. Keystone

Was, wenn Bern wieder nicht will?

Zurück in den Westen, wo die vier Kantone im nächsten Jahr über ein Olympia-Projekt abstimmen würden. Doch was, wenn ein Kanton ausschert? Etwa die Berner, welche vor 17 Jahren Olympische Winterspiele deutlich verworfen hatten?

«Es ist nicht unser Ziel und wäre auch problematisch, das Projekt ohne Bern zu machen», erklärt Rochat . Allerdings gebe es auch Eishallen im Waadtland, Freiburg und Wallis. Andere Lösungen könnten also gefunden werden. Eine Ungewissheit bleibt also auch beim Projekt Sion 2026.

Sion als Stolperstein?

Insgesamt ist aber das Projekt rund um Sion mit dem öffentlichen Verkehr besser erschlossen als jenes im Bündnerland. Auch planen die Westschweizer mit mehr Übernachtungsmöglichkeiten. Die Stadt Sitten hingegen ist eine Schwachstelle, fehlt ihr doch die internationale Ausstrahlung von St. Moritz oder Davos. Das lässt Christian Constantin nicht gelten. Der Walliser Bauunternehmer und FC-Sion-Besitzer ist überzeugt, dass die Bekanntheit erst mit der Kandidatur steigen wird.

«  «Auch Sotschi hat man vor den Spielen nicht gekannt. Die Bekanntheit von Sion wird steigen, wenn die Kandidatur kommt. »

Christian Constantin
Walliser Bauunternehmer, Besitzer des FC Sion

Auf dem Bundesplatz versucht sich Eiskunstläufer Stéphane Lambiel im Eishockey. Er verfehlt das Tor mehrfach. Die Bilanz des Duells Sportler gegen Politiker: Sion hat gewonnen. Ob Sion 2026 oder Graubünden dereinst zuoberst auf dem Treppchen steht und international antreten darf, entscheidet Swiss Olympic im März.

Einschätzung von Inlandredaktor Samuel Burri

Einschätzung von Inlandredaktor Samuel Burri
Graubünden oder Sion 2026? Beide Olympia-Regionen setzen auf die vorhandene Infrastruktur mit wenigen Neubauten. Das Projekt um Sion ist planerisch und verkehrstechnisch besser aufgestellt, der Stadt mangelt es jedoch an internationaler Ausstrahlung. Das Bündner Vorhaben ist kompakter, doch fehlt ein starker Partner im Flachland. Zudem könnte das Projekt bereits am 12. Februar an der Urne beerdigt werden. Eine Schweizer Olympiakandidatur muss international bestehen können. Das dürfte auch diesmal nicht einfach werden, wenn die Gegner etwa Calgary, Stockholm oder Innsbruck heissen könnten.