Zum Inhalt springen

Header

Video
Schulbank drücken bei «Puls» – Wie gut ist Ihr Gesundheitswissen?
Aus Puls vom 10.02.2020.
abspielen
Inhalt

Mässige Gesundheitskompetenz Wegen jedem Kratzer in den Notfall?

Verantwortung übernehmen für das eigene Wohlergehen und das anderer: Viele in der Schweiz sind davon überfordert.

Die kleine Tochter kommt aus dem Wald mit einer Zecke am Bauch nach Hause. Ab in den Notfall mit dem Kind?

Die Gesundheitssendung «Puls» hat in einem grossen Schweizer Shopping-Center einen Gesundheitstest durchgeführt und unter anderem auch diese Frage gestellt. Und nicht wenige Teilnehmerinnen und Teilnehmer antworteten darauf mit einem überzeugten «Ja».

Auch die Frage nach dem Schwellenwert, über dem erhöhte Körpertemperatur zu Fieber wird, stellte viele vor Probleme. Und ging es darum, menschliche Organe zu erkennen und in einem Modell anatomisch richtig zu platzieren, waren manche endgültig überfordert.

Da landete die Leber schon mal irgendwo in der Leistengegend.

Der Eindruck des kleinen Feldversuchs bestätigt die Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit BAG, Link öffnet in einem neuen Fenster: Nur 46 Prozent der Schweizer Bevölkerung verfügt über eine wenigstens ausreichende Gesundheitskompetenz. Nicht einmal die Hälfte aller Menschen in der Schweiz ist also in der Lage, im Alltag Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

Video
«In der Schweizer Bevölkerung gibt es 20 Prozent, die eine Leseschwäche haben. Viele haben auch eine andere Muttersprache als die Information, die sie erhalten.»
Aus Puls vom 10.02.2020.
abspielen

Dafür gibt es viele Gründe. Zum Beispiel, dass 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung eine Leseschwäche hat. «Wir müssen davon ausgehen, dass diese Menschen häufig nicht verstehen, was man ihnen sagt oder was man ihnen zu lesen gibt», erklärt Julia Dratva, Wissenschaftlerin und Public-Health-Expertin an der ZHAW.

Ähnliches gilt für Einwohner mit einer anderen Muttersprache. «Niedrige Schulbildung und geringer sozialer Status sind ebenfalls wichtige Faktoren», ergänzt sie.

Für diese Bevölkerungsgruppen – und nicht nur für sie – ist da auch das Internet mit seiner Fülle an medizinischen Informationen keine Hilfe. Beim «Puls»-Ortstermin in Spreitenbach wurde es jedenfalls kaum in Anspruch genommen.

Tenor: «Nach dem Googeln ist man doch kränker als zuvor.»

Video
«Bei Google hat man mit normalem Kopfweh einen Hirntumor!»
Aus Puls vom 10.02.2020.
abspielen

Die Vorbehalte dem Internet gegenüber kann Julia Dratva gut nachvollziehen: «Jede Suche liefert eine Unzahl von Webseiten.» Die richtigen herauszusuchen und ihren Inhalt zu verstehen, einzuordnen und einzuschätzen ist kein einfaches Unterfangen.

Ein amtliches Gütesiegel könnte da helfen. Davon ist man in der Schweiz aber noch weit entfernt. Entsprechende Projekte sind zwar am Laufen, doch anders als in Deutschland wird Mitte 2020 sicher kein zentrales Gesundheitsportal mit verlässlichen Informationen online gehen.

Bei der Jugend ansetzen

Was hingegen bereits läuft und Früchte trägt: Initiativen, die Jugendlichen praktisches Wissen in lebensrettenden Techniken vermitteln.

Im Tessin wurden im Rahmen eines Pilotprojekts fünf Jahre lang alle 14- und 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in Reanimation ausgebildet – jedes Jahr 3500 Jugendliche. Mit durchschlagendem Erfolg: Die Überlebenschance nach einem Herzstillstand ist mit 55 Prozent die höchste in der ganzen Schweiz.

Und es sind keineswegs nur wildfremde Menschen, die davon profitieren: «Letzten Sommer hatten wir den Fall eines Jungen, der im Juni den Kurs in seiner Schule besuchte», erinnert sich Claudio Benvenuti, Direktor der Stiftung «Ticino Cuore». Im August erlitt die Mutter des Jungen einen Herzstillstand. «Der Sohn hat seine Mutter reanimiert, bis die Rettungskräfte eintrafen. Das zeigt, dass Jugendliche genauso gut reanimieren können wie Erwachsene!»

Video
«Der Junge hat seine Mutter während rund 10 Minuten reanimiert, bis die Rettungskräfte eingetroffen sind. Die Frau hat bei guter Gesundheit überlebt.»
Aus Puls vom 10.02.2020.
abspielen

Heute gibt es eine Empfehlung der Tessiner Erziehungsdirektion, solche Kurse in Schulen abzuhalten. So werden derzeit immer noch jedes Jahr rund 2500 Jugendliche in Wiederbelebung ausgebildet.

Föderalismus bremst die Gesundheitskompetenz

Auch nördlich der Alpen tut sich diesbezüglich einiges. Zum Beispiel im Kanton Baselland, wo die Stiftung «Ersthelfer Nordwestschweiz» interessierte Schulen mit Schulungsmaterial versorgt und die Wiederbelebung zum Pflichtfach erheben will.

Der Gedanke dahinter: «Möglichst viele Bürgerinnen und Bürger sollen möglichst früh die Massnahmen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand kennenlernen», sagt Wolfgang Ummenhofer, Vizepräsident der Stiftung.

Video
«Im Moment sind die Überlebensschancen bei rund 10 bis 20 Prozent.»
Aus Puls vom 10.02.2020.
abspielen

Der Nutzen dieses Bestrebens leuchtet ein: «Aktuell liegt die Überlebensschance in der Nordwestschweiz bei gerade mal 10 bis 20 Prozent», weiss Geschäftsführerin Céline Marchon. «Mit einer flächendeckenden Ausbildung von Ersthelfern in den Schulen und weiteren Laienhelfern liessen sich 50 bis 60 Prozent erreichen.»

Bloss macht der Schweizer Föderalismus diesen Bestrebungen bislang einen Strich durch die Rechnung: Alle Versuche, solche Kurse auf nationaler Ebene als Pflicht-Schulstoff einzuführen, sind gescheitert.

Von «Puls» darauf angesprochen, schreibt die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren: «Für eine flächendeckende Einführung solcher Kurse bräuchte es in erster Linie politische Entscheide in den Kantonen, durch welche diese Kurse für obligatorisch erklärt würden.»

So werden Stiftungen wie die «Ersthelfer Nordwestschweiz» nun eben auf regionaler Ebene aktiv. Der Antrag für eine Aufnahme der Kurse in den Lehrplan ist bei der Bildungsdirektion des Kantons Baselland bereits deponiert.

Und in der Zwischenzeit versucht man weiterhin, so viele Schulen wie möglich zur freiwilligen Teilnahme zu bewegen.

Puls, 10.02.2020, 21:05 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

40 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Zum regelmässig herbei bemühten Argument Placeboeffekt, wenn etwas nicht mit gängigem Wissen und gängigen Mitteln erfasst werden kann: Dieser spielt unabhängig der Methode und der medizinischen Theorie eine Rolle. Das kann wohl jede/r seriöse MedizinerIn welcher Richtung auch immer bestätigen. Aber eben .... Was nicht sein darf und nicht sein kann ist einfacher ist die einfachste Art mit etwas zu dealen, dass der Versatnd, der aktuelle Wissensstand nicht palusibel erklären kann. Verständlich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Pierre De Laval  (Petros74)
    Die mangelnde Kompetenz wundert mich überhaupt nicht. Zumal die PULS Umfrage ausgerechnet in meinem Heimatdorf gemacht wurde, das heute etwa zu 50% von Menschen mit Migrationshintergrund bewohnt wird. In den Herkunftsländern gibt es kein breit gestreutes Hausarzt Netz. Man rennt wegen jedem Bobo gleich ins Spital. Leiter fruchtet Aufklärung nicht wegen mangelnder Sprachkompetenz und Des-Interesse. Unsere Schulen versuchen Aufzuklären - freilich nicht einfach im Multi Kulti Sumpf
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
    Fakt ist, dass wir etwa 30% der Gesundheitskosten einsparen könnten, Alieine durch Vermeidung von unnötigen Arztbesuchen. Nur schon mit etwas mehr Vertrauen in die Selbstheilungskräfte des Körpers. Aerzte und Medizin sind für Notrfälle und ernsthafte Gesundheitliche Probleme da. Nicht für Bobo's und um die Rekonvaleszenzzeit (Bettruhe) bei leichten Erkältungen und Grippen zu umgehen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Gunda Stirnemann  (Gunda B)
      "Die Erkältung geht 7 Tage mit Arztbesuch 1 Woche" da stimme ich Ihnen zu. Aber das immense Einsparungspptential halte ich für übertrieben.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen

Mehr aus SchweizLandingpage öffnen

Nach links scrollen Nach rechts scrollen