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Schweiz Mann, 39, in Beziehung, schlägt am häufigsten

Die häusliche Gewalt in der Schweiz nimmt zu: Die Fälle sind letztes Jahr im Vergleich zur Periode 2009 bis 2013 um 5,8 Prozent angestiegen. Gesamthaft wurden 2013 fast 9400 Opfer von Straftaten im häuslichen Bereich gezählt, drei Viertel davon waren Mädchen und Frauen.

Legende:
Täter und Opfer häuslicher Gewalt nach Alter und Geschlecht im Jahr 2013 BfS

Am Sonntagabend wird am meisten geschlagen. Das zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BfS). Am zweithäufigsten am Samstag. Die kantonalen Polizeibehörden registrierten im vergangenen Jahr 16'495 Straftaten und 9381 Opfer im häuslichen Bereich. Das BfS geht von einer hohen Dunkelziffer aus.

Nationale Strategie gegen Täter

Ein Viertel aller Straftaten stammt von Wiederholungstätern. Susanne Peter vom Vorstand der Dachorganisation Frauenhäuser Schweiz fordert daher eine nationale Strategie: «Es fehlt an Ressourcen um präventiv zu arbeiten».

Gut die Hälfte der häuslichen Gewaltstraftaten ereignen sich in einer aktuellen Partnerschaft, 29 Prozent unter Ex-Partnern. «Es ist wichtig für unsere Gesellschaft, dass wir rechtzeitig intervenieren um möglichst nachhaltig in den Familien einen Gewaltstopp herbeiführen zu können», bekräftigt Peter.

Männer müssen Verantwortung übernehmen

Legende: Video Häusliche Gewalt abspielen. Laufzeit 02:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.11.2014.

Nur jede fünfte Fall von häuslicher Gewalt gelangt an die Polizei, das besagt eine Studie der Schweizerischen Opferbefragung von 2011. Nicht jeder Täter wird also angezeigt. Und einige Männer realisieren selbst, dass etwas nicht stimmt.

Das «Mannebüro Züri» bietet Hilfe für gewaltbereite Männer. Diese müssten lernen, sich zu spüren und Handlungsalternativen zu entwickeln, wenn sie merken, dass sie ausrasten, sagt der Geschäftsleiter Mike Mottl: «Wir versuchen die Männer dahin zu führen, dass sie Verantwortung übernehmen für sich und für ihr Handeln, also nicht immer anderen die Schuld dafür geben».

Weniger Tötungsdelikte

Der Anteil schwerer Gewaltstraftaten im häuslichen Bereich liegt bei 3,9 Prozent. Die Zahl der vollendeten und versuchten Tötungsdelikte ging zurück. Männer sähen sich oft auch als Opfer in Streitigkeiten mit ihren Frauen oder am Arbeitsplatz: «Die Gewalt ist dann ihr Ventil, um mit diesem Stress umgehen zu können und das funktioniert dann auch für den Moment», sagt Mottl.

Ausländerinnen sind häuslicher Gewalt besonders stark ausgesetzt, in einer bestehenden Partnerschaft viereinhalb Mal häufiger als Schweizerinnen. Von den 8953 beschuldigten Tätern waren vergangenes Jahr 79 Prozent männliche und 21 Prozent weibliche Personen.

Meisten Verfahren werden eingestellt

70 bis 80 Prozent der Verfahren wegen häuslicher Gewalt, die vor Gericht kommen, werden eingestellt. Laut Peter Goldschmid vom Bundesamt für Justiz soll dies künftig nicht mehr möglich sein, wenn die angezeigte Person bereits einmal wegen häuslicher Gewalt verurteilt wurde.

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37 Kommentare

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  • Kommentar von U.E.Romer, Zuerich
    Nach dem Lesen dieses Berichtes muss ich feststellen, dass zwischen den Geschlechtern das Mittelalter noch nicht überwunden ist. In fast allen Relegionen inkl. Katholiken ist der Mann das Mass aller Dinge. Wehe wenn die Frau dieses Macho-Gehabe niicht mehr hinnehmen will. Dann rasten die Herren der Schöpfung unkontrollierbar aus. Also liebe "Relegionsgurus" legt eure verkrustete Geisteshaltung endlich ab.
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Etwas eng!!! Man bedenke, speziell gegen Sonntag Abend.. warum? Da steht doch der Montagsfrust vor der Tuere.. die naechste Woche voll unzufriedenheit.. und da hat man ueber den Tag auch genug getrunken.. ist also alcoholisiert.. und die Angst steht im Raum.. greifbar, Da braucht es nur das kleinste Knistern und der "Mann" rastet aus.. Nein, keine Entschuldigung, nur fact.. die koerperlich Starken gehen immer gegen die Schwachen um sich zu "Defrusten"
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    2. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      U.E.Romer: Von den weichgespülten Softies hat es ja mittlerweile genug. Und was uns das gesellschaftlich bringt können wir jeden Tag sehen. Noch etwas: Echte Machos brauchen keine Gewalt, sie setzen sich ganz einfach durch ihre Ausstrahlung und ihr Selbstbewusstsein durch.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Der starke Mann.... die starke Frau....? Es ist doch klar, nur der Schwache braucht Gewalt.. wir haben in der Vergangenheit solche Menschen "Schlappsch***ze" genannt.. und das sind sie in der Regel auch. Meist spielt Alc und natuerlich Frust eine grosse Rolle.. die Taeter sind also meist auch Opfer ihrer eigenen Schwaeche.. mir tun beide Seiten leid! Nur, eine Frau schlagen.. wie tief muss man sinke um dazu faehig zu sein?
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  • Kommentar von lo visdh, bs
    bei der verurteilungsrate und dunkelziffer dauert das ja generationen. ausserdem hilft nur das öffentliche thematisieren und verurteilen häuslicher gewalt gegen den glauben der täter, dass sie im recht sind. es geht nicht nur um anzeigen und verurteilungsraten. und wenn die täter überall sind, also auch in zeitungsredaktionen und polizeirevieren, dann müssen wir uns nicht wundern, warum die täter so selten im fokus der aufmerksamkeit sind.
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