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Schweiz Masseneinwanderungs-Initiative: Baden-Württemberg ist besorgt

Nach dem Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative befürchtet die Baden-Württembergische Wirtschaft neue Hemmnisse im Handel mit der Schweiz. Diese würden auch dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz empfindlich wehtun.

Legende: Video Besorgnis in Süddeutschland über Abstimmungsergebnis abspielen. Laufzeit 03:25 Minuten.
Aus 10vor10 vom 12.02.2014.

Die Firma Sedus mit Sitz in Waldshut produziert Büromöbel und -einrichtungen. Das Unternehmen liefert auch in die Schweiz. «Die Schweiz ist für uns ein wichtiger Handelspartner», sagt Co-Geschäftsführer Holger Jahnke. Nach dem Ja zur SVP-Initiative befürchtet er längerfristig Probleme. «Die Zeichen stehen auf Sturm seitens der EU. Das wird die Geschäftsbeziehungen zu unseren Schweizer Partnern sicher nicht vereinfachen».

Unsicherheit und Sorgen

Diese Besorgnis spürt auch Thomas Schätti, Geschäftsführer der Schätti AG in Schwanden (GL). Die Firma liefert rund 10 Prozent der Produktion nach Baden-Württemberg. Er habe rasch Reaktionen von deutschen Kunden gehabt, die aufgrund der Abstimmung verunsichert seien, sagt Schätti. «Ein wichtiger Kunde wollte wissen, ob die Schweiz denn strategisch als Beschaffungsmarkt noch Zukunft habe oder ob man auf andere Länder ausweichen müsse», so Schätti.

Schilder beim Grenzübergang Kaiserstuhl
Legende: Für Baden-Württemberg ist die Schweiz der wichtigste Handelspartner. Keystone

Dass dies keine Einzelfälle sind, bestätigt Peter Kulitz, Präsident der Industrie- und Handelskammern von Baden-Württemberg. Er streicht die Bedeutung der Handelsbeziehungen mit der Schweiz heraus: «Die Schweiz ist, was den Export betrifft, unser wichtigster Handelspartner. Noch vor den USA und Frankreich». Der Abstimmungs-Entscheid habe die Wirtschaft in Baden-Württemberg deshalb gehörig aufgeschreckt.

«Und wir haben die Sorge, dass die Freizügigkeit so eingeschränkt werden könnte, dass wir im Zusammenspiel mit Schweizer Firmen doch erhebliche Einschränkungen erfahren müssen. Darunter würde die Region Baden-Württemberg leiden», sagt Kulitz gegenüber «10vor10».

Wirtschaftsminister «leicht geschockt»

Auch Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Nils Schmid zeigt sich besorgt. Er sei über den Abstimmungsausgang «schon leicht geschockt» gewesen. Schmid befürchtet nun mögliche Probleme «Neue Handelshemmnisse würden unserer Region massiv schaden. Denn der Handel zur Schweiz ist für uns ein wichtiger Wohlstandsfaktor.»

Schmid will nun das Gespräch mit der Schweizer Regierung suchen. «Ich appelliere an die Schweizer Regierung, den Entscheid mit Augenmass umzusetzen. Denn die Schweiz und auch Deutschland würden enorm verlieren, wenn die Personen- aber auch die Warenfreizügigkeit in Frage gestellt würde. Das darf nicht passieren.»

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20 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Den "worst case" wird es ohnehin nicht geben! Deutschland ist zu sehr auf den Handel mit der Schweiz angewiesen. Das betrifft vor allem einzelne Regionen im süddeutschen Raum. Zum einen wegen der Grenznähe, aber auch wegen der Spezialisierung der dort ansässigen mittelständischen Unternehmen, an deren Produkten die Schweiz Interesse hat. Wenn nur drei badische Unternehmer laut husten, weil zu viel Druck auf die Schweiz gemacht wird, ist Schäuble umgehend zur Stelle.
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  • Kommentar von Chris Rot, Zürich
    Jaja wir Schweizer sind schon immer die Besten und haben das Recht gepachtet. Immer wieder erschreckend, wie man gegen kulturell sehr ähnliche Länder bös schiessen kann anstatt genau mit diesen den Dialog zu suchen. Wenigstens sind die Städte im Vormarsch, da bleibt ein Funken Hoffnung!
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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    Die Gefahr geht nicht von Volksabstimmungen in der CH aus, nicht mal von der deutschen Bundesregierung, sondern von übergeschnappten selbsternannten EU-Herrschern in Brüssel. Im Falle von Sanktionen würde die EU die d. Wirtschaftskraft schädigen, was sie ja ohnehin will. Nils Schmid sollte sich besser in Brüssel beschweren. Noch besser wäre aber der EU-Austritt, am Besten wäre der Beitritt zur CH samt Bayern, Lombardei, Savoyen, Vorarlberg, usw. . Damit wären viele Probleme obsolet.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      In meiner Schweiz will ich aber kein Bayern, Lombardei, Savoyen, Vorarlberg, usw Die könnt ihr in eurer Super-EU behalten
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    2. Antwort von Marco Lozza, Fislisbach
      Einer meiner alten Herzenswünsche: Es lebe die "Europäische Alpenrepublik"!!!
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    3. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      Einem solchen Gebilde (Alpenrepublik) wäre ich nicht abgeneigt. Die von R. Fauser aufgezählten Gebilde gehörten allesamt einmal für kürzere oder längere Zeit zur Schweiz. Von der Wirtschaftskraft und der Mentalität der Bewohner eigentlich eine logische Alternative.
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    4. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Herr Rainer Fauser : Gar keine schlechte Idee ! - Vielleicht könnten Sie mal eine Petition einreichen. So fängt es zB. an bis es reif ist für eine Initiative. - Jedenfalls in der Schweiz können gegebenenfalls sogar Petitionen in eine Volksabstimmung münden. Absolut nicht schlecht diese Idee und sehr wohl prüfenswert. Also meinen Segen hätten Sie hierfür, Hauptsache friedlich und wirklich demokratisch und menschlich (nicht EU-like) muss es sein.
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