Maya Graf neue Präsidentin des Nationalrats

Die Baselbieterin Maya Graf ist neue Nationalratspräsidentin. Mit Graf übernehmen zum ersten Mal die Grünen das formell höchste Amt im Land. Im Ständerat wurde der Tessiner CVP-Politiker Filippo Lombardi zum Präsidenten gewählt.

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Die Wahl Maya Grafs zur Nationalratspräsidentin (unkommentiert)

0:32 min, vom 26.11.2012

Die 50jährige Biobäuerin Maya Graf wurde mit 173 von 183 gültigen Stimmen gewählt zur Nationalratspräsidentin gewählt.

Ihre politische Laufbahn begann Maya Graf auf kommunaler Ebene in der Gemeindekommission von Sissach. Von 1995 bis 2001 politisierte sie im Baselbieter Landrat, davon zwei Jahre zusammen mit ihrem Vater, einem SVP-Politiker, der weit über die Parteigrenzen hinaus geschätzt wurde, weil er auch dem politischen Gegner Respekt zollte.

Ins Bundeshaus wechseln konnte sie nach dem Rücktritt von Ruth Gonseth als zweite Nachrückende. Dabei habe man sie erst für eine Nationalratskandidatur überzeugen müssen, erinnert sich Graf.

Populär dank Politthriller

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Das Nationalratspräsidium

Der Nationalratspräsident leitet die Sitzungen des Nationalrats. Protokollarisch ist er in der Rangordnung der Eidgenossenschaft «nur» an 4. Stelle. Dennoch wird er als «höchster Schweizer» bezeichnet. Der Präsident oder die Präsidentin leitet jeweils die Sitzungen der Vereinigten Bundesversammlung.

Zu unverhoffter nationaler Bekanntheit verhalf ihr kurz vor den Wahlen 2003 der dokumentarische Politthriller «Mais im Bundeshaus», in dem sich die Biobäuerin als Gentechkritikerin profilierte. Das Ja von Volk und allen Ständen zur Gentechfrei-Initiative im Jahr 2005 wertet Maya Graf als einen ihrer grössten politischen Erfolge.

Im Nationalrat gehört Graf der Wissenschafts- Bildungs- und Kulturkommission an. Ehe sie für zwei Jahre das Fraktionspräsidium übernahm, sass sie von 2007 bis 2009 auch in der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit. Graf war vor der Übernahme des elterlichen Hofs als Sozialarbeiterin tätig gewesen.

Lombardi präsidiert Ständerat

Die kleine Kammer ihrerseits hat den 56jährigen Lombardi mit 39 gültigen Stimmen zu ihrem Präsidenten gewählt. Lombardi löst Hans Altherr (FDP/AR) ab.

Lombardis Wahlresultat hat einen Makel: Sechs Stimmzettel wurden leer eingelegt. Mit 39 Stimmen egalisierte er den Negativrekord für die Wahl eines Ständeratspräsidenten. Laut Angaben der Parlamentsdienste wurden zuvor fünf Präsidenten ebenfalls mit 39 Stimmen gewählt – noch nie erhielt ein Präsident weniger Stimmen.

Der ehemalige Journalist Lombardi präsidiert den Verwaltungsrat des Tessiner Fernsehsenders TeleTicino und ist auch Präsident des Verbandes der Schweizer Regionalfernsehen. Im Ständerat sitzt Lombardi seit 13 Jahren. Bekannt ist der verheiratete Vater zweier Kinder auch als Präsident des Tessiner Eishockeyclubs Ambri Piotta.