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Schweiz Mehr Studierende beziehen weniger Stipendien

Obwohl die Zahl der Studierenden in den vergangenen 30 Jahren um rund 40 Prozent stieg, blieb der Gesamtbetrag für Stipendien ungefähr konstant. Durchschnittlich erhielten Studierende mit Stipendien 6500 Franken.

Legende:
Stipendienbezüger/innen pro Jahr BFS

Im vergangenen Jahr haben 47'576 Personen ein Stipendium bezogen oder ein Darlehen erhalten. Es sind fast ausnahmslos Personen, die an einer Uni, einem Gymnasium oder an einer Fachhochschule eine Ausbildung absolvieren. Dies geht aus der Stipendienstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor.

Damit erhalten 7,8 Prozent der rund 630'000 Personen in einer beruflichen Grundbildung, oder solche, die an einer Uni, einem Gymnasium oder an einer Fachhochschule eine höhere Ausbildung absolvieren ein Stipendium. So gering war der Anteil seit 1990 nicht mehr. Insgesamt zahlten die Kantone 318 Millionen Franken an Stipendien aus.

In den vergangenen 30 Jahren blieb der Gesamtbetrag für Stipendien ungefähr konstant, mit Inflation sank er sogar. Dagegen nahm die Anzahl Personen in Ausbildung um rund 40 Prozent zu.

Grosse regionale Unterschiede

Im Durchschnitt belief sich ein Stipendium 2012 auf knapp 6500 Franken im Jahr. Rund 1000 Personen wurden ausschliesslich mit einem Darlehen unterstützt. Ein Stipendium und ein Darlehen erhielten 2200 Personen. Unterstützung bezahlten die Kantone im Schnitt während zwei Semestern.

Die Durchschnittswerte täuschen aber darüber hinweg, dass die Situation je nach Kanton stark verschieden ist – die Hoheit im Stipendienwesen liegt traditionell bei den Kantonen. Laut den jüngsten BFS-Zahlen variierten die jährlichen Unterstützungsbeiträge zwischen knapp 4000 (Neuenburg) und gut 9000 Franken (Waadt) pro Person.

Studentinnen lauschen gebannt während einer Vorlesung.
Legende: Die Zahl der Stipendien-Bezüger nahm im vergangenen Jahr ab. Durchschnittlich betrug ein Stipendium 6482.- Franken. Keystone

Regionale Tendenzen bezüglich Stipendienhöhe stellte das BFS jedoch nicht fest. Aber die Anzahl Studenten, die Stipendien beziehen, variieren. Gemessen an der Bevölkerungsgrösse erhalten in der Romandie und dem Tessin, sowie in Graubünden und den beiden Basel eher mehr Personen eine Unterstützung als im Rest der Schweiz.

Mehr als jeder fünfte Student bezog in den Kantonen Graubünden, Wallis, Appenzell Innerrhoden und Jura ein Stipendium. Dagegen war es in Zürich und Zug nur jeder zwanzigste.

Die Kantone lassen sich das Stipendienwesen auch ganz unterschiedlich viel kosten. Pro Kopf gab der Kanton Glarus 16 Franken für Stipendien aus. Der Jura warf hingegen 80 Franken auf. Der Durchschnitt lag bei 38 Franken.

Keine Rolle für die Höhe der Stipendienausgaben spielt es, ob ein Kanton reich oder arm ist. Das BFS fand keinen Zusammenhang zwischen der Ausgabenhöhe und der Finanzkraft. Keinen Einfluss hat auch, ob ein Kanton eine Universität betreibt oder nicht.

Initiative will System harmonisieren

Die grossen kantonalen Unterschiede gaben auch den Anstoss zur Stipendieninitiative, mit der der Verband der Schweizer Studierendenschaften das Stipendienwesen in die Hände des Bundes legen und den Umfang ausbauen will. Der Bundesrat zeigt sich mit einem Gegenvorschlag bereit, eine geringfügige Angleichung unter den Kantonen vorzuschreiben.

Die Kantone selbst schufen ein Harmonisierungskonkordat, das Grundsätze und Mindeststandards festlegt. Bis heute sind dem Abkommen 13 Kantone beigetreten. Diese haben bis 2018 Zeit, ihr Recht anzupassen. Die Stipendieninitiative dürfte in der zweiten Hälfte 2014 oder 2015 zur Abstimmung kommen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Siegenthaler Katharina, Bern
    Viele Studenten arbeiten neben dem Studium am Tag oder zusätzlich auch nachts. Darum weniger Stipendienbezüge. Seit dem Bologna-System ist ein Studium in gewisser Zeit zu absolvieren. In gewissen Fällen befürworte ich ein Stipendium oder Darlehen. Jedoch mit Schulden ins Berufsleben zu steigen ist sicher gewöhnungsbedürftig geht aber manchmal nicht anders. Das ist in andern Ländern wie ich von Schweden schon hörte auch üblich.
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    1. Antwort von Katharina Siegenthaler, Bern
      Ergänzung :Wo möglich beteiligen sich die Eltern an den Ausbildungskosten.
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  • Kommentar von Aldo Carigiet, Rotkreuz
    Das Stipendien-Wesen ist willkürlich -um nicht korrupt zu sagen- und sehr fragwürdig. Besonders in der heutigen Zeit (Wohl-Stands-Ver-Wahrlosung-auf hohem-Niveau-jammernder-Schweiz)! Darlehen, die -bei übermässigem, hohem Lohn was jeder Akademiker für sich beanspruchen kann, nach, bzw. bei der Berufsausübung -evtl. ohne Zinsen- zurück bezahlt werden müssen. Alles andere ist Diebstahl am Steuerzahler; meist die Erwerbstätige Bevölkerung! ist das zuviel verlangt? wofür studieren sie denn???
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    1. Antwort von A. Vespucci, Zentralschweiz
      Ich finde es Interessant das es immernoch Leute gibt, welche denken das ein Hochschulstudium in jedem Falle ein hohes Gehalt beinhaltet. Stellen sie sich ein KV-Lehrling vor, der zuerst eine einjährige Berufsmatura bestehen muss, dann 3 Jahre an einer Hochschule studiert, evt einige Prüfungen nachholen muss (welche in einem Zusatzjahr erfolgen). Da wären wir bereits bei 8 Jahren ohne richtigen Lohn! Oder die genau gleichen 8 Jahre bei einer PHZ-Ausbildung um Primarlehrer zu werden...
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    2. Antwort von E.Waeden, H
      @A.Vespucci: Es gibt die 3-jährige KV-Lehre, wo eine Aufnahmeprüfung zu bestehen ist! Geändert hat sich, dass heute nur noch sehr gute Sek.A Schüler/Innen eine Chance haben. Dann gibt's die Handwerkslehre, die 4 Jahre dauert. Dann die vielen Ausbildungen wie z.B Verkauf, welche 2 Jahre dauern. Abschlussprüfung bestanden = ab spätestens 20 eigenes Geld zu verdienen! Ev. Weiterbildungen machen diese in der Regel berufsbegleitend abends od. am Samstag.
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