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Schweiz Millionenloch im Soforthilfefonds für Verdingkinder

Seit April 2014 werden Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen aus einem Soforthilfefonds unterstützt. 4,6 Millionen Franken wurden bisher ausbezahlt. Für alle noch hängigen Gesuche fehlen nun aber rund 2 Millionen Franken.

Während die Politik noch immer um eine Entschädigung für Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen im grösseren Rahmen ringt, gibt es seit gut einem Jahr die Möglichkeit für Soforthilfe im Umfang von je knapp 8000 Franken. Entsprechende Gesuche werden geprüft vom Ausschuss eines Runden Tisches, dem Betroffene und Fachleute angehören. Die Glückskette fällt den formellen Entscheid und nimmt die Auszahlungen vor.

Bisher sind die Anträge von fast 600 Betroffenen gutgeheissen und die entsprechenden Gelder ausbezahlt worden. Insgesamt rund 4,6 Millionen Franken.

Gut 550 Anträge harren laut dem Bundesamt für Justiz noch ihrer Bearbeitung. Das Geld reicht jedoch bloss noch für rund 150 Betroffene.

Im freiwillig von Kantonen, diversen Städten und Gemeinden sowie Privaten geäufneten Soforthilfefonds fehlen rund 2 Millionen Franken. Man erwarte noch weitere Spenden, etwa von den Landeskirchen, heisst es bei der Glückskette. Zudem könnte der Prozentsatz der bewilligten Gesuche tiefer sein als zu Beginn. «Wenn wir zu wenig haben, werden wir versuchen, die nötigen Mittel zu mobilisieren», sagt Ernst Lüber von der Glückskette. Die noch hängigen Gesuche sollen bis Anfang 2016 abgearbeitet werden.

Politisches Ringen um echte Entschädigungen

Bei der Soforthilfe handelt es sich nicht um eigentliche Entschädigungen. Vielmehr sollen Betroffene im Sinne einer Geste der Solidarität unbürokratisch Unterstützung erhalten, wenn sie in finanzielle Not geraten.

Auf politischer Ebene ist die Debatte über eine echte Entschädigung der Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen noch im Gang. Die sogenannte «Wiedergutmachungsinitiative» fordert dafür insgesamt 500 Millionen Franken. Der Bundesrat schlägt vor, 300 Millionen Franken zur Verfügung zu stellen. Damit sollen an 12'000 bis 15'000 Betroffene je 20'000 bis 25'000 Franken ausgezahlt werden können.

Dunkles Kapitel der Geschichte

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Fürsorgerische Zwangsmassnahmen wurden in der Schweiz bis 1981 angeordnet. Manche der Opfer wurden als Kinder an Bauernhöfe verdingt, andere zwangssterilisiert, für Medikamentenversuche missbraucht oder wegen «Arbeitsscheu», «lasterhaften Lebenswandels» oder «Liederlichkeit» weggesperrt. Der Zugang zu Gerichten blieb ihnen in der Regel verwehrt.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Esther , Basel
    "Millionenloch" - 2 (in Worten ZWEI !!!) Milliönli - für ein bisschen Gerechtigkeit ??? Mehr als beschämend...
  • Kommentar von Paul K. Geiger , Ermatingen
    Für alles nötige und unnötige hat der Staat Millionen. Für eine schändliche Menschenrechtsverletzung zu lindern nd etwas Würde zurückzugeben, haben unsere jetzigen Volksvertreter die grösste Mühe!! Schämt Euch und bedenkt die Wahlen im Herbst!! Wartet nicht so lange bis die Hälfte der Berechtigten gestorben ist. Hört endlich auf euer Herz!!
  • Kommentar von Tom Duran , Basel
    Schlimmer als die Nazis. Und das bis in die 80er. Oder soll ich sagen, bis heute? Denn die Beamten können sich noch immer nicht von ihrem gottgleichen Status lösen. Jeder der schon mal mit Behörden und Beamten im Konflikt war oder ist, kann das mehr oder weniger bestätigen. Es ist beschämend, wie der gesunde Menschenverstand ausgeschaltet wird, nur um Artikel und Paragraphen durchzuboxen. Damals wie heute. Und das nennet sich dann Freiheit?