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Defizite in der Kommunikation beim BAG
Aus Tagesschau vom 24.09.2020.
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Nach Abgang von Stefan Kuster «Mister oder Misses Corona» verzweifelt gesucht

Manchmal ist fast wichtiger, was nicht gesagt wird, als was gesagt wird. Gesagt hat Stefan Kuster heute vor den Medien, er werde sich in Zukunft dort einbringen, wo seine Stärken als Infektiologe und Epidemiologe lägen – also im Bereich fachliche Analyse und strategische Arbeiten. Nicht aufgezählt hat er dabei die Kommunikation. Das erstaunt kaum. Er trat zwar stets ruhig auf, vermochte aber dabei nicht, mit dieser Ruhe auch Sicherheit zu vermitteln.

Damit steht er im krassen Gegensatz zu seinem Vorgänger und auch in dessen Schatten. Daniel Koch wurde als «Mister-Corona» wahrgenommen, der ruhig und besonnen durch die Krise führte. Und das obwohl auch ihm immer wieder Kritik entgegenbrandete. Koch war ganz Medien-Profi und ist auch nach seinem Abgang als «Mister Corona» weiterhin präsent – zu präsent, würden manche sagen. Der Gegensatz zeigt; fachliche Qualifikation allein macht noch keine gute Presse im Amt als «Mister Corona».

BAG muss umdenken

Dabei kann man sich fragen, ob dieser Anspruch überhaupt gerechtfertigt ist. Im Zweifelsfall dürfte in der Leitung einer Abteilung im BAG Fachkompetenz der Auftrittskompetenz vorgezogen werden. Ob es klug ist, einen Abteilungsleiter so stark in den Medien zu exponieren, sei dahingestellt, zumal im Verlauf der Krise die Kritik am BAG und seinen Massnahmen stetig wuchs und damit auch der Druck auf die Verantwortlichen. Die höchste Ebene des BAG, die Direktion, hat sich derweil seit Beginn der Krise weitgehend medial abgemeldet. Eine Strategie, die sich mit dem Abgang von Stefan Kuster zu rächen scheint.

Abgänge und Pannen schmälern Vertrauen

Erschwerend hinzu kamen diverse Kommunikationspannen, die er während seiner Amtszeit als Leiter Übertragbare Krankheiten beim BAG zu verantworten hatte. So vermeldete das BAG falsche Zahlen zu den Ansteckungsorten, oder Kuster stiftete gar selbst Verwirrung an Pressekonferenzen. So geschehen etwa als er behauptete, die Quarantäne für Einreisende aus Risikoländern würde auch rückwirkend auf bereits Eingereiste angewandt oder als er den Tod eines unter 30-Jährigen vermeldete – obwohl dieser quicklebendig war. Zusammen mit Kusters Abgang schmälert all dies das Vertrauen in die Behörde. Egal, woran sein Abgang genau liegt, der Eindruck der Unruhe entsteht.

Unruhe hätte vermieden werden können

Heute hat das BAG nun angekündigt, die Last des «Mister Corona» auf verschiedene Schultern zu verteilen. Dass dies nicht schon von Anfang an gemacht wurde, ist schwer zu verstehen. Denn dass eine Pandemie kommen würde, das war schon seit Jahren klar. Nicht umsonst hat man sich mit Plänen und Übungen darauf vorbereitet.

Blindlings auf einen «Mister Pandemie» zu hoffen, so wie es scheint, der fachlich und medial überzeugt scheint zumindest eine blauäugige Wunschvorstellung gewesen zu sein. Nun bleibt zu hoffen, dass das BAG sich bei der Verteilung der Last auf die verschiedenen Schultern nicht zu sehr verzettelt, denn zu viele «Mister und Misses Corona» würden für noch mehr Unklarheiten sorgen.

Keto Schumacher

Keto Schumacher

Bundeshausredaktor

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Keto Schumacher ist Bundeshausredaktor beim Schweizer Fernsehen SRF. Zuvor hat er unter anderem an der Sendung zu den Eidgenössischen Wahlen 2019 mitgearbeitet. Er interessiert sich für alle Geschichten, die mit Daten zu tun haben. An der HSG hat er einen Bachelor im Fach «International Affairs» abgeschlossen.

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Stefan Kuster: «Es zeichnet sich ein stetiger Anstieg der Hospitalisationen ab»
Aus News-Clip vom 24.09.2020.
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SRF 4 News, 23.09.20, 18 Uhr

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78 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Schon länger vorhandene, verschiedene Defizite auf BAG-Leitungsebene betreffend: effektive Führungs-Qualitäten-Eignung-Stärken! "Der Fisch beginnt immer am Kopf zu faulen"! Ursachen-Verusachen-Eruierung und anschliessender Verbesserungsanstrebung!
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  • Kommentar von Beate Rieger  (Silenzio)
    «Mister Corona» verzweifelt gesucht
    @SRF Weshalb wird mit der Überschrift suggeriert, dass es ein Mann sein soll?
    Zwischenzeitlich ist wohl eh bekannt, dass es sich bei der Nachfolge um eine Frau handelt.
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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Obschon das hier vollkommen deplatziert erscheinen mag - wir haben es am meisten und vor Allem mit einer Verantwortungskrise zu tun. Auf dieses Virus - irgendwo zwischen Influenza und Sars - war die Welt nicht vorbereitet. Es lässt sich nicht durch staatliche Verordnungen eindämmen; die Menschen müssten von sich aus, im privaten Umfeld aufpassen, wo man sich nahe kommt, laut wird, Zeit miteinander verbringt. Keine Behörde kann uns das abnehmen; vielmehr müsste man informieren - und vertrauen.
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    1. Antwort von Hans Meuri  (hmeuri)
      Herr Schlatter, grundsätzlich stimme ich Ihnen zu, leider sind die Schweizer im Umgang mit Corona längst nicht so diszipliniert wie z.B. die Schweden oder Italiener. Und wenn der Bevölkerung die Einsicht, Verantwortung, Solidarität und Disziplin weitgehend fehlen, so muss man sie mit stattlichen Verordnungen zu ihrem eigenen Glück resp. zur eigenen Gesundheit zwingen.
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    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Herr Meuri, ich glaube, man traute der Bevölkerung von Anfang an nicht zu, hinreichend aufeinander aufzupassen, weil die Gefahr zu wenig greifbar, jede/r sich selbst am Nächsten sei. Ich hatte den Eindruck, da wären ungeheure Energien in der Bevölkerung gewesen, die mit der Katastrophenstimmung und pathetischen Appellen, statt sachlich und so genau es geht über die Hintergründe zu informieren, verspielt worden sind. Die Situation ist nicht wie andere.
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