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Neue Strafurteilsstatistik Noch nie so viele Verurteilungen wegen Beschimpfungen

Legende: Video «Verurteilungen wegen Beschimpfungen auf Allzeithoch» abspielen. Laufzeit 3:25 Minuten.
Aus 10vor10 vom 06.06.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im vergangenen Jahr hat es in der Schweiz 3300 Verurteilungen wegen des Straftatbestands der Beschimpfung gegeben. Das entspricht einer Vervierfachung seit der Jahrtausendwende.
  • Einer der Gründe dafür ist die Beweisbarkeit entsprechender Vergehen in sozialen Medien oder per SMS.
  • Auch Beschimpfungen von Beamten haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

«Du Vollidiot», «Schlampe», «Hurensohn»: Wer seine Mitmenschen mit solchen Ausdrücken eindeckt, macht sich strafbar. Die neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen nun: So viele Verurteilungen wegen Beschimpfungen wie 2016 gab es noch nie.

Beschimpfungen online, nach Beziehungen und gegen Beamte

Thomas Hansjakob, erster Staatanwalt im Kanton St. Gallen, hat eine Erklärung für die vielen Verurteilungen. «Heute gibt es sehr viele Beschimpfungen in den sozialen Medien und via SMS, die leicht bewiesen werden können». Zudem sei unterdessen vielen bewusst, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sei – Betroffene erstatteten vermehrt Anzeige.

Diagramm
Legende: Die Zahl der Verurteilungen hat sich seit der Jahrtausendwende vervierfacht. srf

Doch dies erklärt nicht allein das Allzeithoch von Verurteilungen im letzten Jahr. Thomas Hansjakob stellt eine Zunahme der Beschimpfung nicht nur im persönlichen Bereich fest. «Den Hauptharst bilden zwar Streitigkeiten nach gescheiterten Beziehungen. Aber auch Beschimpfungen gegen Beamte und Polizisten haben massiv zugenommen.»

Bussen und Verfahrenskosten für Verurteilte

In den meisten der insgesamt 3300 Fälle wurden die Übeltäter gebüsst und mussten mehrere hundert Franken an die Staatskasse abliefern. Dazu kommen meist noch happige Verfahrenskosten.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    frueher hat man zB Gaggelari, oder Schnuderhung ausgeteilt... komischerweise haben wir das ueberlebt... solche verbalen Ausdruecke sind doch gang und gaebe... natuerlich ist die Sprache etwas haerter geworden.. aber ehrlich ist es allemal, besonders in Rage ausgesprochen.. im Affekt juristisch... und absolut MENSCHLICH... aber ein absolutes nogo ist die Publikation in den Sozialmedien,
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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Ehrlich ist, ein A auch mit einem A zu benennen. Andererseits gibt es Gesetze, Anstand und Kinderstube. Wenn nun mehr Verurteilungen wegen Beschimpfungen passieren, scheint Anstand und Kinderstube auf der Strecke zu bleiben.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Wir "dummen" Schweizer haben uns selber einen Maulkorb umbinden lassen. Für mich ist es eine schlimme Behinderung meiner Freiheit, wenn ich jemandem der frech und gemein ist, nicht sagen kann er sei ein ".......". Diese Regelung schränkt mich so ein, wie die Menschen früher in der Sowietunion nicht sagen durften, was sie wollten. Solche Einschränkungen kommen für mich gerade nach der "Folter". Leider lernen schon unsere Kinder in der Schule, ihre natürlichen "Emotionen" einzuschränken!
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    1. Antwort von Simon Suter (Simi)
      Andere übel beschimpfen und beleidigen ist nunmal eben keine natürliche Emotion, sondern eine Straftat. Und sollten andere zu ihnen tatsächlich so "frech und gemein" gewesen sein, dann erfüllen sie diesen Strafbestand ja auch und können gebüsst werden. Dieses Gesetz schützt alle respektierlichen Bürger*innen und bestraft jene, die auf anderen rumptrampeln wollen. Zu welchen sie gehören wollen können sie ganz frei selber entscheiden.
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