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Statt einer Notfall-Gebühr sollte das Spital eine Triage vornehmen
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.12.2019.
abspielen. Laufzeit 04:37 Minuten.
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Notfallgebühr von 50 Franken «Die Idee wird in der praktischen Anwendung nicht klappen»

Der Nationalrat will für die Behandlung in der Notfallabteilung eines Spitals eine Gebühr von 50 Franken einführen. Allerdings ist höchst umstritten, ob diese Massnahme praktikabel ist und zu einer Abnahme der Bagatellfälle führt. Auch Gesundheitsökonom Klaus Eichler glaubt nicht an die Wirkung 50-Franken-Hürde.

Klaus Eichler

Klaus Eichler

Gesundheitsökonom

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Klaus Eichler , Link öffnet in einem neuen Fensterist Leiter der gesundheitlichen Versorgungsforschung an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW).

SRF News: Wie stehen Sie zu den Plänen des Nationalrats, eine Gebühr von 50 Franken für Notfälle einzuführen?

Klaus Eichler: Die Idee wird in der praktischen Anwendung nicht klappen. Um von der Gebühr befreit zu sein, muss der Patient entweder vom Hausarzt überwiesen worden sein oder anschliessend vom Spital stationär aufgenommen werden. Aber kaum jemand wird nach einem Arbeitsunfall auf der Baustelle mit einer stark blutenden Handwunde zuerst zum Hausarzt gehen. Auch wird der Patient anschliessend nicht im Spital bleiben. Der Patient wird also 50 Franken bezahlen müssen, obschon es ein Notfall war.

Es bräuchte mehr Hausärzte, an die sich die Patienten zuerst wenden können. Doch die gibt es nicht – das Problem ist bekannt. Die Hausärzte sind überaltert. Auch will nicht jeder Hausarzt in seiner Praxis überhaupt eine Notfallversorgung machen.

Es bräuchte eine Triage im Spital, bei der die weniger gravierenden Fälle an einen spitalinternen Hausarzt überwiesen werden.

Deshalb würde sich eine Triage im Spital anbieten: Weniger dringende Fälle würden nach einer Erstabklärung beispielsweise durch eine Pflegefachperson an Hausärzte im Spital überwiesen. Die gravierenden Fälle kämen auf die klassische Notfallstation im Spital. Solche Systeme bringen erwiesenermassen eine Entlastung der Notfallstationen. Die vorgeschlagene 50-Franken-Gebühr aber wird die Leute nicht davon abhalten, eine Notfallstation aufzusuchen. Denn wenn jemand ein gesundheitliches Problem hat, will er es rasch gelöst haben.

Welche Auswirkungen hätte eine Notfallgebühr?

Manche Patienten könnten in gravierenden Situationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall wegen der drohenden Gebühr davon absehen, unverzüglich eine Notfallstation aufzusuchen. Das wiederum könnte schwerwiegende Gesundheitsfolgen für die betroffenen Patientinnen und Patienten haben.

Die Patienten gehen in den Notfall, weil dort genauere Abklärungen möglich sind.

Laut einer Befragung haben vier von fünf Personen im Notfall einen Hausarzt. Wieso gehen sie trotzdem in den Notfall?

Die Patienten gehen davon aus, dass im Spital die Abklärungen umfassender sind. Wenn sich jemand den Fuss verstaucht und befürchtet, etwas könnte gebrochen sein, geht er nicht zum Hausarzt, weil der vielleicht nicht röntgen kann.

Eine Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums zeigt, dass die ausländische Bevölkerung die Notfalldienste überdurchschnittlich oft in Anspruch nimmt. Müsste man nicht versuchen, diesen Leuten das Schweizer Gesundheitswesen näherzubringen?

Man muss die gesamte Bevölkerung dahingehend informieren, dass es nicht bei jedem medizinischen Problem nötig ist, einen Arzt aufzusuchen – und falls doch, dass man zuerst zum Hausarzt gehen soll.

Das Gespräch führte David Karasek.

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43 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Abderhalden  (Sunbro84)
    Was soll das? Ich war in meinem Leben erst 2 mal im Notfall und das war ernst. Wegen Leuten die wegen Schnupfen dort hinrennen zahle ich bestimmt nicht 50 Franken wenn ich wirklich was habe.....!
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  • Kommentar von Fabrizio Gamp  (Fgamp)
    Solche Gebühr ist wohl sinnvoll, aber wirklich nur für Bagatellen. Ok, wenn Person von sich aus an Notfallstelle erscheint, leichte Schmerzen und Zeitengpässe schildert. Gebühren wegen offensichtlichem Notfall wie Herzattacke/Beinverlust sind sinnlos. Oder gar monatlich Epilepsie eines Patienten: Er wird jeweils ohnmächtig, fremde Person ruft 144, aber danach können Notfallärzte gar nicht mehr weiterhelfen. Jährlich 12×50Fr zahlen, obschon bewusstlos ohne freien Willen eingeliefert, macht krank.
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  • Kommentar von Fabrizio Gamp  (Fgamp)
    Möglichkeit um Hausarztmangel anzugehn: Sog. Arzt-Netzwerke fördern, dh. mehrere Hausärzte (bzw. Dörfer) teilen sich Praxis und Geräte wie Röntgen oä. Ein Arzt arbeite 6-14, zweiter 14-22, dritter 9-17 Uhr und vierter ist in Ferien oä. Solche Netzwerke ergeben bereits KK-Prämienvergünstigung und in dringenden Fällen muss nicht auf Termin des erzwungenen einzelnen Hausarzts gewartet werden. Jene Ärzte haben übrigens gegenseitigen Zugriff auf ihre Patientenakten im Gegensatz zu Notfallstationen...
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