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Schweiz Ohne Weiterbildung geht nichts mehr

Immer mehr Arbeiten werden von Robotern übernommen, die Wirtschaft befindet sich in einem Umbruch. Besonders gefordert von den Veränderungen ist die Migrationspolitik, denn viele Arbeiten, die heute von schlecht ausgebildeten Ausländern geleistet werden, fallen weg. Was ist zu tun?

Symbolbild: Ein Mann hantiert an der Kaffeemaschine auf einem Minibar-Wägelchen.
Legende: Nur ein Beispiel: Die Minibar verschwindet Ende 2017 aus den Zügen der SBB. Keystone Archiv

Immer mehr Läden haben Self-Scanning-Kassen, an denen die Kundinnen und Kunden ihre Einkäufe bezahlen, ohne dass es einen Kassierer braucht; aus den Zügen verschwinden bald die Minibars; immer mehr Fliessbandarbeiten in Fabriken können von Robotern erledigt werden.

Kein «Weitermachen wie bisher»

Betroffen vom Arbeitsplatzabbau infolge des technischen Fortschritts sind vor allem Wirtschaftsbereiche, in denen heute überdurchschnittlich viele Migrantinnen und Migranten arbeiten. «Praktisch alle Menschen spüren, dass ein Umbruch im Gange ist», sagt der Präsident der Eidgenössischen Migrationskommission und Basler Ethnologie-Professor, Walter Leimgruber. Man könne deshalb nicht einfach weitermachen wie bisher.

Arbeit ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Integration. Wenn Arbeit fehlt, kann das entsprechend zu grossen Integrationsproblemen führen. Denn nicht alle Menschen sind für den wirtschaftlichen Umbruch gleich gut gerüstet. «Ungefähr 600'000 Personen in der Schweiz haben keine Ausbildung, die über die obligatorische Schulbildung hinausgeht», stellt Leimgruber fest. Darunter sind auch viele Migranten. Experten sehen deshalb Handlungsbedarf.

Eingreifen schon bei Kleinkindern

Man müsse unbedingt beim Bildungssystem ansetzen, sagt Tobias Müller, Wirtschaftsprofessor an der Universität Genf. Wichtig sei ein Eingreifen schon bei den Jüngsten, vor allem bei der zweiten Ausländergeneration: «Gerade bei Migranten aus sozioökonomisch schwächeren Milieus sollte schon im Vorschulalter eine Intervention stattfinden», fordert er. Denn in diesem jungen Alter könne noch vieles in die Bahnen gelenkt werden.

Ausserdem müsse man Sorge dazu tragen, dass möglichst niemand den schulischen Anschluss verpasse. Und später, bei erwachsenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, sei die Weiterbildung zentral, so Müller weiter.

Den Anschluss nicht verpassen

Darauf weist auch Zorica Ivic hin. Die heute 40-Jährige kam im Alter von 11 Jahren aus Kroatien in die Schweiz. Heute ist sie Fachberaterin Früchte und Gemüse bei der Migros Aare. Es sei wichtig, sich weiterzuentwickeln – «wie es die Umwelt auch tut», sagt sie. Man müsse am Ball bleiben und das Neuste stets in den persönlichen Rucksack packen.

Selbst wenn die klassischen Kassen verschwinden, werde es auch in Zukunft im Detailhandel noch Mitarbeiter brauchen – vor allem aber solche, die technologisch auf dem aktuellen Stand seien. So seien Smartphone oder Tablet schon heute nicht mehr aus ihrem Arbeitsalltag wegzudenken, sagt Ivic. Hier dürfe man den Anschluss nicht verpassen.

Die Eidgenössische Migrationskommission sieht auch die Politik und die Unternehmen in der Pflicht, die Angestellten bei diesem Prozess zu unterstützen, etwa mit Weiter- und Fortbildungsangeboten. Allerdings heisst es von Seiten der Kommission, die Politik habe bislang noch zu wenig reagiert. Viele Poliltiker unterschätzten noch die integrationspolitischen Konsequenzen des wirtschaftlich-technologischen Wandels.

Migrationskongress in Bern

An fast jeder 3. Arbeitsstelle in der Schweiz arbeitet eine Person ausländischer Staatsangehörigkeit. Was bedeutet der wirtschaftlich-technologische Wandel für sie? Mit welchen Herausforderungen ist die Gesellschaft konfrontiert? Antworten zu diesen und weiteren Fragen werden an der Jahrestagung der eidgenössischen Migrationskommission gesucht.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Die Widersprüche betreffend Arbeitskräften könnten ja nicht grösser sein. Fast gleichzeitig wird der Schweiz der Untergang prophezeit; einmal wegen drohenden Verlusten von Arbeitsplätzen und am anderen Tag, weil uns hunderttausende von Arbeitskräfte fehlen werden. Genau der gleiche Widerspruch, welche Arbeitskräfte wir aus dem Ausland holen müssen. Ein Mal sind es die nicht in der Schweiz vorhandenen Topspezialisten, ein anderes Mal sind es Leute, für die sich Einheimische zu schade seien.
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  • Kommentar von Esther Siefert (E.S. (parteilos))
    "...Ohne Weiterbildung geht nichts mehr ..." Ähäm - verschwinden eben wegen dieser mangelnden Weiterbildung wirklich und wahrhaftig auch die Minibars bei der SBB... ?
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Vielleicht fordert die SBB ja fürs Bedienen der Minibars jetzt einen Bachelor- oder Masterabschluss, 4 Fremdsprachen inkl. Und die Löhne dann zu hoch für diese Angestellten wäre, die Minibars so nicht mehr rentieren, schafft man sie halt ab.
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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Ich glaube fest, dass wir diversen, gewaltigen Irrtümern aufsitzen. Einmal ist es die plötzlich ausgebrochene Asylitis, die uns in fürchterliche Probleme stürzt, die irrationale, auf einer Vermutung beruhenden "Energiewende" und dann der Irrglaube, wir bräuchten mehr Menschen, ein Rückgang wäre eine Katastrophe. Es wär ohne die vorgenannten Irrtümer bequem zu meistern (Stagnation oder Minderung) und würde Generationen ein gesichertes Leben ermöglichen, so aber kumulieren sich die Fehler!
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