Investoren im CH-Fussball Pleiten, Pech und Pannen

Wil, Servette, Xamax: Sobald ausländische Investoren mit der grossen Kelle anrühren, kommt es zum Knall.

 Porträt von Mehmet Nazif Günal . Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mehmet Nazif Günal (Wil). Keystone

Im Sommer 2015 übernahm der türkische Bauunternehmer Mehmet Nazif Günal den FC Wil. Er weckte in der Ostschweiz grosse Träume. Geplant war der Durchmarsch von der Challenge League via Super League in die Europa League. 25 bis 30 Millionen steckte Günal in das Wiler Projekt – grosse Namen wie Johan Vonlanthen oder André Santos wurden verpflichtet. Bis Ende 2016 zahlte Günal pünktlich. Im Frühjahr 2017 zog er sich plötzlich zurück – Wil kann auf einen Schlag die Löhne nicht mehr bezahlen.

Porträt von Hugh Quennec. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hugh Quennec (Servette). Keystone

Der Kanadier Hugh Quennec wurde 2012 bei Servette als Retter gefeiert. Der grosse Schuldenberg von Vorgänger Pishyar konnte vorerst getilgt werden. Quennec wollte sein Modell vom Hockey-Club Servette auf den Fussball adaptieren. Der Plan ging schief. Am 1. Juni 2015 hatte Servette abermals fünf Millionen Schulden und wurde in die Promotion League zwangsrelegiert. Der Konkurs konnte schliesslich in letzter Minute verhindert werden.

Porträt von Bulat Tschagajew. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bulat Tschagajew (Xamax). Keystone

Der Tschetschene Bulat Tschagajew war 2012 nur acht Monate Xamax-Präsident. Doch dies reichte, um 20 Millionen Schulden zurückzulassen. Er wurde vom Neuenburger Strafgericht zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt – der ungetreuen Geschäftsführung und Misswirtschaft schuldig gesprochen. Tschagajew träumte von der Champions League und überlegte sogar, Diego Armando Maradona als Trainer zu verpflichten. Überliefert ist, dass der Tschetschene in der Pause des Cupfinals 2011 seinen Spielern mit «I will kill you all!» gedroht hatte. Xamax wurde 2012 in die 2. Liga interregional zwangsrelegiert.

Porträt von Majid Pishyar. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Majid Pishyar (Servette). Keystone

Es gab Warnungen aus Österreich, als der Iraner Majid Pishyar 2008 Servette Genf kaufte. Gegen seinen vormaligen Verein Admira Wacker war ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Admira musste schliesslich in der 3. Liga neu beginnen. Doch in Genf schien zu Beginn alles rosig. Der Verein stieg 2011 in die Super League auf. Pishyar träumte bereits vom Meistertitel 2014 und von der Champions League. Das Erwachen war böse: Servette musste 2012 seine Bilanz deponieren. Und Unternehmer Pishyar tauchte ab.

Porträt von Marc Roger. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Marc Roger (Servette). Keystone

Der Franzose Marc Roger erhielt bei Servette Genf 2004 für einen Franken die Aktienmehrheit und übernahm im Gegenzug Schulden von über vier Millionen Franken. Seine Pläne waren kühn – mit Weltmeister Christian Karambeu sollte die Fussballschweiz oder gar Europa aufgewirbelt werden. Ein libanesischer Geschäftsmann versprach Roger an einer Pressekonferenz, dem Verein innerhalb von fünf Jahren 70 Millionen Franken zur Verfügung zu stellen. Das Geld floss nie. Roger wurde schliesslich am 16. März 2005 wegen ungetreuer Geschäftsführung und Urkundenfälschung verhaftet. Servette hatte 11 Millionen Schulden – Roger sass 23 Monate im Gefängnis.

Porträt von Igor Belanov. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Igor Belanow (Wil). Keystone

Der FC Wil war bereits 2002 negativ in den Schlagzeilen. Der damalige Präsident Andreas Hafen hatte bei der UBS 48 Millionen veruntreut und davon zehn Millionen in den Club gesteckt. Ein gutes halbes Jahr später stieg eine ukrainische Gruppe um den früheren Fussballstar Igor Belanow ein und kaufte für 1,15 Millionen Franken 51 Prozent der Aktien. Es war der Anfang von chaotischen Monaten im Verein und führte zur Nachlassstundung im Frühjahr 2004.