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Präventive Wolfabschüsse: Der Schuss könnte nach hinten losgehen
Aus SRF 4 News aktuell vom 23.07.2020.
abspielen. Laufzeit 02:42 Minuten.
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Präventive Wolfabschüsse Das sind die wichtigsten Argumente der Befürworter und Gegner

Der Bundesrat und eine Mehrheit des Parlaments wollen den Schutz des Wolfes lockern. Umweltorganisationen sind vehement dagegen.

Heute dürfen Wölfe nur geschossen werden, wenn sie die Scheu vor den Menschen verloren oder zu viele Nutztiere gerissen haben. Die Grenze liegt bei 25 getöteten Schafen oder Ziegen innerhalb eines Monats. Mit einem Ja zum neuen Jagdgesetz würde sich das ändern: Die Kantone hätten die Möglichkeit, Wölfe präventiv abzuschiessen, bevor sie Schäden anrichten.

Reinhard Schnidrig, Leiter der Sektion Wildtiere beim Bundesamt für Umwelt (Bafu), erklärt diese Änderung so: «Es ist ganz wichtig, dass die Wölfe scheu bleiben, dass sie die natürliche Scheu vor Menschen und Nutztierherden behalten. Es braucht eine Möglichkeit, Eingriffe zu machen, bevor die Konflikte gross sind. Die Kantone brauchen hier frühzeitig Handlungsspielräume.»

Dieses neue Gesetz schiesst weit übers Ziel hinaus.
Autor: Sara WehrliPro Natura

Wegen dieser präventiven Abschüsse haben Umweltorganisationen das Referendum gegen das neue Gesetz ergriffen. Sara Wehrli von Pro Natura sagt: «Dieses neue Gesetz schiesst weit übers Ziel hinaus.» Denn schon mit dem jetzigen Gesetz könnten auch geschützte Arten notfalls reguliert werden. «Neu soll das möglich sein, ohne vorherige Schäden und ohne vorherige Präventionsmassnahmen. Das können wir uns angesichts der anstehenden Biodiversitätskrise schlichtweg nicht mehr erlauben.»

Trotz weniger Wölfen mehr tote Schafe?

Pro Natura befürchtet, dass künftig deutlich mehr Wölfe geschossen würden, und dass die Zahl der gerissenen Schafe trotzdem steigen statt sinken könnte. Denn bei Abschüssen könnten die Wolfsrudel zerfallen.

Und unerfahrene Jungwölfe suchten im Gegensatz zu intakten Rudeln eher leichte Beute wie Schafe, erklärt Wehrli: «Ein Wolfsrudel jagt erfolgreich Grosswild, Hirsche, Rehe, Gämsen, das geht erfahrungsgemäss weniger an Nutztiere, erst recht, wenn diese entsprechend geschützt sind.»

Wir wollen keine Wölfe morgens um 9 Uhr mitten im Dorf.
Autor: Reinhard SchnidrigBundesamt für Umwelt

Das sieht Schnidrig anders: Abschreckung sei nötig. Nur durch Abschüsse könne es auch künftig ein Nebeneinander von Wolf und Mensch geben: «Wir wollen keine Wölfe morgens um 9 Uhr mitten im Dorf. Es braucht eine Abgrenzung. Dort, wo die Siedlungen sind, wo der Mensch zuhause ist, da braucht es eine Scheu der Wölfe, damit sie im Wald und am Berg bleiben.»

Soll der Wolf in Zukunft leichter abgeschossen werden können? Die Abstimmung am 27. September wird es zeigen.

HeuteMorgen, 23.07.2020, 06:07 Uhr

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72 Kommentare

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  • Kommentar von Julia Hug  (HuJu)
    Viel möchte ich nicht sagen!
    Der Wolf gehört wie viele andere Tiere in unserem Ökosystem und reguliert natürlich den Wildbestand! Er ist sehr lernfähig, also bringt ihm bei, wo es NICHTS zu holen gibt, dann kommt er auch nicht!
    Im Juni erschien Peter Dettlings Buch „Wolfsodyssee“. Jeder, Befürworter und Gegner sollten es lesen, mehr braucht es nicht, um zu verstehen, wie unsere Natur funktioniert!
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  • Kommentar von Hans Egger  (hansegg)
    Es gibt Leute die leben in den Bergen, dort ist ihre Heimat, ihr Zuhause, seit Generationen. Auch ohne Staatsgelder. Sollen doch die Leute vor Ort, dort wo die Probleme sind, die Möglichkeit haben Wolfsbestände regulieren zu können, zusammen mit Bundesbern, wie es ja im rev. Jagtgesetz vorgesehen ist. Zu sagen, dann werden Wolfsrudel auseinandergeschossen oder die Walliser knallen alles ab ist nicht fair. Es gibt Leute die geben sich echt Mühe ein nebeneinander mit dem Wolf zu ermöglichen.
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    1. Antwort von Charles Morgenthaler  (ChM)
      Was ist denn mit den zahlreichen Luchsen und Wölfen die unerlaubterweise schon geschossen wurden? Die Verantwortlichen dieser Frevelei haben eine merkwürdige Vorstellung eines "Nebeneinander" mit heimischen Raubtieren. Es gibt nur eines: NEIN zum Jagdgesetz. Frevelei würde damit zwar kaum verhindert, aber hoffentlich schärfer verfolgt und bestraft.
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    2. Antwort von Hans Egger  (hansegg)
      Herr Morgenthaler
      Wie Sie richtig erkannt haben wird mit dem ablehnen des rev. Jagtgesetz Freflerei kaum verhindert. Diese kann von mir aus so scharf bestraft werden wie Sie wollen. Es geht darum die Menschen die direkt betroffen sind, Angst haben, dort leben wirklich ernst zu nehmen. Einen Lösungsvorschlag zu machen. Nur mit: jaja passiert nichts, ihr bekommt ja Geld vom Staat, Entschädigung für Schafe, die Wölfe müssen sich frei vermehren ist es nicht getan. Darum JA zum rev. Jagtgesetz.
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  • Kommentar von Jürg Suter  (Sut)
    Man stelle sich vor. 25 Schafe oder Ziegen pro Monat darf ein Wolf reissen bevor es ihm an den Kragen geht. Man Reihe alle gerissenen Tiere auf.
    Mit der alten Regelung verkommt der Bergbauer zum Futterlieferant für Wölfe.
    Deshalb ja zum neuen Gesetze.
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