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Schweiz Preisüberwacher kritisiert Finanzierung der Pflegeheime

Der Schweizer Preisüberwacher Stefan Meierhans kritisiert die Finanzierung der Alters- und Pflegeheime. Das System sei anfällig für Missbrauch, sagt Meierhans. Es bestehe die Gefahr, dass Heime weniger leisten würden, als sie verrechnen.

Pflegerin hilft Patienten in einem Heim.
Legende: Die Befürchtung: Heime könnten versuchen, Pflegekosten unter anderen Bezeichnungen den Bewohnern zu belasten. Keystone

Preisüberwacher Stefan Meierhans fordert mehr Transparenz bei der Erfassung des Pflegeaufwandes in Alters- und Pflegeheimen. Die 2011 in Kraft getretene neue Pflegefinanzierung sei anfällig für Missbräuche.

«Die heutige Pflegefinanzierung für Heime ist unpräzise ausgestattet», sagte Meierhans in einem Interview, das in der «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» erschien. Das öffne Tür und Tor auch für Missbräuche. Ein weiteres Problem gehe von Kantonen und Gemeinden aus, die ihre Zuschüsse an die Pflegeleistungen der Heime möglichst tief hielten.

Nahaufnahme Meierhans.
Legende: Meierhans fordert klarere Regeln und mehr Transparenz beim Berechnen des Pflegeaufwands. Keystone

Mehrbelastung gestiegen

«Als Folge versuchen die Heime, die ungedeckten Pflegekosten unter anderem Namen auf die Bewohnerinnen und Bewohner zu überwälzen.» Seit der Einführung der Pflegefinanzierung 2011 sei die dadurch entstandene Mehrbelastung in vielen Kantonen erheblich gestiegen. «Das ist besonders störend», kritisierte Meierhans.

Mit drei Massnahmen will der Preisüberwacher dem Problem auf den Grund gehen.

  • Erstens mache er die Kantone auf ihre gesetzeswidrigen Regelungen betreffend Restfinanzierung aufmerksam.
  • Zweitens brauche es mehr Transparenz bei der Erfassung des Pflegeaufwandes mit einer klareren Definition der nach dem Krankenversicherungsgesetz definierten Pflege durch das Bundesamt für Gesundheit.
  • Drittens erwarte er «qualitativ gute Kostenrechnungen», mit heimspezifischen Arbeitszeitanalysen, damit die Kosten sachgerecht auf verschiedene Leistungen aufgeteilt werden können.

Pflegefinanzierung nachbessern

Auch die Politik hat bereits Mängel erkannt. Im Oktober hatte nach der Gesundheitskommission des Ständerats (SGK) auch jene des Nationalrates entschieden, die neue Pflegefinanzierung nachzubessern.

Handlungsbedarf sehen sie vor allem bei der ungeregelten Zuständigkeit für die Restfinanzierung der Pflegekosten für ausserkantonale Patienten. Weitere Anliegen sind die Freizügigkeit unter anerkannten Leistungserbringern und die bessere Abgrenzung von Pflege- und Betreuungskosten. Die ständerätliche SGK muss nun einen Gesetzesentwurf ausarbeiten.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Ch. Gerber, Basel
    Es ist trauig... Man Spart ein leben lang, hat Geld auf der Seite, vieleicht ein Haus und vererbt es den Nachkommen. Dann muss man in den kommenden Jahren ins Pflegeheim. Ab dem Zeitpunkt übergeht das bereits vererbte dem Pflegeheim, resp. die Erben müssen die Kosten im Gegenwert dem Pflegeheim entrichten. Ein anderer Fall: Einer der ende Monat nichts mehr hat, massiven Alkohol Party Missbrauch betreibt, wird zum Pflegefall, der Staat zahlt ohne wenn und aber. Wo ist hier die Gerechtigkeit???
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Ein wohl ganz heisses Eisen, es geht um Gutmenschen, die nur das Beste wollen, um sich für Andere uneigennützig, liebevoll und fürsorglich einzusetzen. Und nur, weil es wahrscheinlich Solche wirklich gibt, schmückt sich eine riesige Völkerschar mit den genau gleichen Worthülsen, um davon, so komfortabel wie möglich, zudem vielfach auch noch im Schutz des VPOD und Anderer, zu profitieren. Wo keine Kontrolle ist, wuchert die Korruption und der Missbrauch, und zwar überall, wo's Menschen gibt.
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  • Kommentar von Pia Müller, 9443 Widnau
    Ein grosses Danke an Hr. Meierhans. Endlich werden die total überhöhten Kosten der Pflegeheime durchleuchtet (so hoffe ich) ! Wenn alte Menschen 6-8000.- / Monat zahlen müssen, kaum Wäsche brauchen, nicht mehr viel Essen, doch gebadet und vielleicht noch morgens angezogen werden müssen, sind CHF 6000.-/ oder mehr noch immer um mind. 3500.- zu viel. Wenige Senioren in CH vermögen diese überrissenen Kosten im Alter. In der Schweiz verdient es sich gut auf Kosten der alten Leute !!!
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    1. Antwort von S. Berger, 4142
      ich hoffe doch sehr, dass die Bewohner, während 24 Stunden, von kompetenten Mitarbeitern gut betreut werden. Das ist das Teure, und nicht die Mahlzeiten oder Wäsche Menge. In der heutigen Zeit, sind die meisten Bewohner, in vielerlei Hinsicht auf umfassende Betreuung angewiesen und brauchen nach dem Bad und Ankleiden viel Unterstützung.......
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