Proteststurm gegen Lohnreform im Kanton Neuenburg

Das neue Lohnmodell im Kanton Neuenburg ruft offenbar stärker werdenden Protest hervor. Hunderte zogen am Donnerstagabend gegen die Pläne des Kantonsrats zu Felde. Gewerkschaften und Personalverbände befürchten eine Benachteiligung für viele Betroffene.

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Bildlegende: Im Juni hatte Regierungsrat Alain Ribaux das neue Lohnmodell präsentiert. Jetzt erntet er harsche Kritik. Keystone

Rund 200 Beamte und Lehrpersonen haben am Donnerstagabend in Neuenburg gegen die neue Lohnpolitik des Kantons protestiert. Sie wollen das Modell rückgängig machen und den Regierungsrat zur Wiederaufnahme von Verhandlungen zwingen.

Für die Neuenburger Staatsangestellten und Lehrpersonen soll ab Januar 2017 ein neues Lohnmodell gelten, das von einem System der identischen Progression ausgeht. Die Neuenburger Regierung will damit Ungleichheiten bei der Lohnentwicklung ausmerzen.

Tiefe Lohnklassen schlechter gestellt?

Die Löhne würden nicht angerührt, niemand erhalte weniger Lohn, hatte der Neuenburger Regierungsrat Alain Ribaux im Juni bei der Präsentation der neuen Lohnskala betont.

Ganz anderer Meinung sind allerdings die Gewerkschaften und Personalverbände, die zur Demonstration vom Donnerstagabend aufgerufen hatten. Sie kritisieren, dass die Mehrheit der Staatsangestellten durch das neue Modell benachteiligt werde. Tiefe Lohnklassen würden schlechter gestellt, während hohe Lohnklassen profitierten.

Befürchtungen für 2017

Der Unmut der Staatsangestellten wurde kürzlich noch zusätzlich angestachelt, nachdem sie vom Regierungsrat darüber informiert worden waren, dass für 2016 ein Defizit von 74 Millionen Franken zu erwarten ist. Die Gewerkschaften befürchten deshalb, dass das Budget 2017 von einem neuen Sanierungsprogramm begleitet sein wird, das namentlich den öffentlichen Sektor betreffen wird.

Die Neuenburger Staatsangestellten wehrten sich bereits gegen die seit zwei Jahren geltende Begrenzung der Lohnerhöhungen, sie akzeptierten sie lediglich als vorübergehende Sparmassnahme angesichts der angespannten Finanzlage des Kantons.