Razzien bei Anbietern von Stammzellen-Kuren

Die Polizeien dreier Kantone haben Hausdurchsuchungen durchgeführt und drei Personen festgenommen. Es geht um Herstellung und Verabreichung illegaler Medikamente. Was die Behörden alarmiert hat: Die Arzneien wurden offenbar aus Teilen menschlicher Zellen hergestellt.

Im Labor: Eine Person in grüner Schutzkleidung arbeitet mit einer Pipette und kleinen Reagenzglässchen, es sind nur die Hände zu sehen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Es besteht der Verdacht auf Verabreichung nicht zugelassener Medikamente. Keystone/Symbolbild

Die Behördenstelle, welche in der Schweiz Medikamente kontrolliert und zulässt, tritt selten ins Scheinwerferlicht. Nun aber hat Swissmedic die Polizeien der Kantone Aargau, Thurgau und Zürich zu Hausdurchsuchungen losgeschickt. Betroffen waren eine Klinik, zwei Unternehmen und drei Privatwohnungen. Drei Personen wurden in Gewahrsam genommen.

Illegale Arzneimittel

«Die Firmen und die Personen stehen im Verdacht, illegal Arzneimittel hergestellt, in Verkehr gebracht und in der Schweiz und in Italien angewendet zu haben», sagt Peter Balzli, Mediensprecher von Swissmedic. Die Verdächtigen hätten dadurch möglicherweise die Gesundheit von Patienten gefährdet. Zwar gelte die Unschuldsvermutung. Aber: «Der Verdacht ist vorhanden.»

Bei den illegalen Medikamenten handelt es sich um Präparate, die Teile von menschlichen Zellen enthalten. Es bestehe «mit Sicherheit» das Risiko, dass bei der Anwendung solcher Medikamente Viren auf den Menschen übertragen werden könnten, etwa das Aids-Virus, so Balzli weiter. «Deshalb ist diese Art von Heilmitteln so streng reglementiert.»

Offenbar geht es um Stammzellen-Kuren

Ausserdem hatten die festgenommenen Personen keine Zulassung für ihre selber hergestellten Medikamente. Eingesetzt wurden die Präparate in der Seegarten-Klinik im zürcherischen Kilchberg. Dort will man zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Auf ihrer Homepage wirbt die Klinik mit ganzheitlicher Medizin.

Unter den Methoden im Klinik-Angebot listet sie auch «Stammzellen-Entnahme und -Therapie» auf. Bei dieser Formulierung läuten beim emeritierten Basler Medizinprofessor Alois Gratwohl die Alarmglocken. Gratwohl ist international anerkannter Spezialist für Stammzellen.

Strenge Vorschriften

Es störe ihn «extrem», wenn jemand von «Stammzell-Entnahme und -Behandlung» spreche und dies Patienten oder Kunden anbiete, ohne die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten, wie das andere Kliniken müssten. Dazu gehörten eine Bewilligung durch die Behörden sowie eine Bewilligung einer Ethikkommission für nicht etablierte Therapien.

Stammzellen sind die menschlichen Grundbausteine. Sie hätten zwar grosses medizinisches Potenzial, so Gratwohl weiter. Doch zugelassen seien solche Therapien bis jetzt nur für die Bekämpfung weniger Krankheiten, zum Beispiel Leukämie. Doch immer wieder würden Patienten in Not falsche Hoffnungen gemacht, indem einfach Stammzellen genommen, gespritzt und irgendetwas behauptet werde.

Zwar wisse man, dass solche Zellen theoretisch in der Lage seien, «sämtliche Organe wieder zu erneuern», sagt der emeritierte Professor. Doch es brauche medizinisch-wissenschaftlich geführte Verfahren, um zu prüfen, in welchen Fällen sie tatsächlich etwas helfen können.

Welche Wirkung der Medikamente im Fall der Zürcher Klinik den Patienten tatsächlich versprochen wurde, kann Swissmedic-Sprecher Balzli noch nicht sagen. Das werde jetzt genauer abgeklärt.