Reich, reicher, am reichsten: Geldsegen trotz Krise

In der kleinen Schweiz wohnen zwei Prozent aller Millionäre weltweit. Die 300 Betuchtesten von ihnen sind dieses Jahr um 31 Milliarden reicher geworden. Dies geht aus der neuesten «Bilanz»-Rangliste der Superreichen hervor.

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Bildlegende: Sie singt, er segelt: Gerne umgarnen Klatschblätter das schwerreiche Paar Bertarelli. Reuters

Der Mittelstand ächzt unter steigenden Sozialabgaben, die Firmen beklagen die Frankenstärke, die Familien stöhnen unter steigenden Mietzinsen – nicht so die Superreichen in der Schweiz. Zum dritten Mal in Folge sind sie auch dieses Jahr wieder reicher geworden, um 6,5 Prozent oder total 31,1 Milliarden Franken hat sich ihr Vermögen vermehrt. Dies schreibt das Magazin «Bilanz» in einem Vorabdruck.

Grund für die Geldvermehrung sind die Kursgewinne an den Aktienmärkten – nach wie vor wichtigster Ort, wo Reiche ihr Geld anlegen. Im Weiteren nennt die Bilanz die Schmuck- und Uhrenbranche, deren Umsätze in den Himmel wachsen.

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Die reichsten Schweizer

2:28 min, aus 10vor10 vom 29.11.2012

Auch Luxusmarken aus Mode-, Kosmetik- oder der Tabakindustrie erfreuten sich der Konsumlust. Und schliesslich der Kunstmarkt, ein weiterer Quell des Vermögens-Wachstums.

Total 512 Milliarden Vermögen

Zusammen besitzen die 300 Reichsten rund 512 Milliarden. Das ist der zweithöchste Vermögensstand über die letzten 24 Jahre, den die Bilanz je gemessen hat. Nur 2007 hatte der Schweizer Geldadel mehr in der Kasse.

Die helvetische Geldelite ist mit diesem Trend nicht alleine. Während Südeuropa in der wirtschaftlichen Dauerdepression versinkt, können die reichsten Deutschen und Briten punkto Vermögen ebenfalls um 4 bis 5 Prozent zulegen.

Top Ten der Reichsten in der Schweiz

Top Ten der Reichsten in der Schweiz
PlatzNameVermögen in CHFBranche
1Ingvar Kamprad38-39 Mrd.Möbel (Ikea), Immobilien, Finanzdienstleistungen
2Jorge Lemann17-18 Mrd.Bier (Anheuser-Busch InBev), Fast Food, Beteiligungen
3Familien Hoffmann und Oeri16-17 Mrd.Pharma (Roche)
4Viktor Vekselberg14-15 Mrd.Beteiligungen (OC Oerlikon)
5Familie Brenninkmeijer12-13 Mrd.Textilhandel (C&A), Immobilien, erneuerbare Energien
6Familie Bertarelli10-11 Mrd.Beteiligungen (ehemals CEO Serono)
7Hansjörg Wyss9-10 Mrd.Medizinaltechnik (ehemals Synthes-Gründer)
8Fürst Hans-Adam von und zu Liechtenstein7-8 Mrd.Bank (LGT), Beteiligungen, Immobilien, Kunst
9Gennadi Timtschenko7-8 Mrd.Energiehandel (Novatek), Beteiligungen
10Klaus-Michael Kühne6-7 Mrd.Logistik (Kühne + Nagel)

Von Möbelhändlern, ...

Reichster Schweizer ist Ikea-Gründer Ingvar Kamprad: 38 bis 39 Milliarden Franken schwer. Kamprad sei gut im Verstecke spielen, schreibt die Bilanz. Sei es, wenn es darum gehe, die Verkaufserlöse des Möbelhauses offiziell zu schmälern, sei es, wenn es darum gehe, seine Sparbüchsen in Holland, Liechtenstein und Luxemburg vor dem Fiskus zu verbergen.

Während seine drei Nachkommen längst schon die Schweizer Staatsbürgerschaft angenommen haben, hält der Patriarch an seinem schwedischen Pass fest – aus steuerlichen Gründen.

... von Bierbrauern ...

Grösster Aufsteiger unter den 300 Reichsten der «Bilanz» ist Bier-Baron Jorge Lemann. Er vermochte sein Vermögen innert Jahresfrist um 10 Milliarden Franken zu steigern; 17 bis 18 Milliarden Franken nennt er sein eigen. Der Sohn eines nach Brasilien ausgewanderten Emmentaler Käsehändlers hält geschätzte 13 bis 15 Prozent an Anheuser-Busch InBev, des grössten Brauereikonzerns der Welt, der etwa Beck’s, Budweiser oder Löwenbräu herstellt.

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Die Nachfolger der Reichsten (10vor10, 29.11.2012)

Die Nachfolger der Reichsten (10vor10, 29.11.2012)

Weil die Aktien des Konzerns stiegen, wurde Lemann zum Überflieger des Jahres. Den von Lemann lancierten Firmen-Zukäufen sei Dank.

... und Pharma-Erben

Die Familien Hoffmann und Oeri sind die drittreichsten Schweizer. Die Roche-Erbenfamilien treten gerne als grosszügige Gönner auf. Während sich André Hoffmann um das 2500 Hektaren grosse Naturschutzgebiet La Tour du Valet in der Camargue kümmert, hat Maja Oeri, die jüngste der vier Oeri-Schwestern, 50 Millionen Franken für einen Erweiterungsbau des Kunstmuseums gestiftet.

Sabine Duschmalé-Oeri gab fünf Millionen für eine Tagesstätte für Alzheimerkranke und Andreas und seine Frau Gigi Oeri kümmerten sich um den FC Basel. Im Januar 2012 gab Gigi Oeri ihre Funktion als Präsidentin des FC Basels ab.

Die Top Ten der Auf-und Absteiger

Die Top Ten der Auf-und Absteiger
NameBrancheVermögen in CHFZuwachs/Abnahme in CHF
Jorge LemannBier (Anheuser-Busch InBev), Fast Food17-18 Mrd.plus 9 Mrd.
Viktor VekselbergBeteiligungen (OC Oerlikon)14-15 Mrd.plus 4 Mrd.
Familien Hoffmann und OeriPharma (Roche16-17 Mrd.plus 3 Mrd.
Ingvar KampradMöbel (Ikea), Immobilien38-39 Mrd.plus 3 Mrd.
Gennadi TimtschenkoEnergiehandel (Novatek)7-8 Mrd.plus 3 Mrd.
Willy StrothotteHändler (Glencore)1,5-2 Mrd.minus 1,75 Mrd.
Abdul Aziz Al-SulaimanLuxus (Hotel InterContinental)2-3 Mrd.minus 1 Mrd.
Bernie EcclestoneSport und Kultur (Formel-1-Holding SLEC)2-3 Mrd.minus 1 Mrd.
Ivan GlasenbergHändler (Glencore)5-6 Mrd.minus 1 Mrd.
Familie Hagen
Händler (Orkla)
2-3 Mrd.minus 1 Mrd.

Die fünf grössten Aufsteiger wurden zusammen um 22 Milliarden Franken reicher. Neben Brauerei-Besitzer Jorge Lemann gehört auch der Oligarch Viktor Vekselberg zu den Top-Aufsteigern. Mit dem Verkauf seines Anteils am Ölkonzern TNK löste der Russe 6,5 Milliarden Franken. Es gab aber auch Verlierer. Etwa Ivan Glasenberg. Der Glencore-Chef verspielte als grösster Aktionär des Rohstoff-Konzerns über eine Milliarde Franken an der Börse.