Reine Zeitverschwendung? Strassenverkehrsämter wollen Nothelferkurs abschaffen

Seit 40 Jahren ist der Kurs Pflicht bei der Fahrausbildung. Jetzt werden Zweifel am Sinn der Übung laut.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 40 Jahren ist der Nothelferkurs obligatorischer Teil der Fahrprüfung.
  • Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) hält das Knowhow an der Unfallstelle für unerlässlich.
  • Die Strassenverkehrsämter zweifeln allerdings am Sinn der Übung: Die Unfallzahlen sinken seit Jahren – und dank Handy ist professionelle Hilfe schnell vor Ort.

Schon Generationen haben in der Schweiz für die Fahrprüfung den Nothelfer machen müssen, die stabile Seitenlage oder die Mund-zu-Mund-Beatmung geübt. «Gibt er Antwort, atmet er, blutet er?», fragte schon 1982 eine Ausbildnerin in einer Radio-Reportage. Damals starben auf Schweizer Strassen 1076 Menschen, letztes Jahr waren es weniger als ein Fünftel davon: 208 Unfalltote.

Für die Strassenverkehrsämter, die die Fahrprüfungen durchführen müssen, ist dieser grosse Rückgang einer der Gründe, warum sie sagen, das Nothelfer-Obligatorium für die Fahrprüfung sei nicht mehr zeitgemäss.

Aufs Wesentliche konzentrieren: Das Fahren

Sven Britschgi, Geschäftsführer des Verbands der kantonalen Strassenverkehrsämter, sagt: «Das Risiko ist heute viel höher, einen Unfall oder medizinischen Zwischenfall im Verein, im Sport oder im Privatleben zu haben als auf der Strasse.» Und wenn auf der Strasse etwas passiere, seien die professionellen Rettungskräfte dank dem Handy viel schneller auf der Unfallstelle als früher.

Verkehrstote Schweiz (Quelle: BfS/Astra)

Die Strassenverkehrsämter finden, die neue Fahrausbildung müsse sich auf das Wesentliche konzentrieren, aufs Fahren: «Es ist an der Zeit, die Ausbildung anzuschauen und sie auch einmal von etwas zu entlasten», sagt Britschgi. Das Erste-Hilfe-Wissen solle darum nicht mehr praktisch geübt werden, sondern vielleicht noch Bestandteil der Theorieprüfung sein, fordern die Strassenverkehrsämter.

Was tun am Unfallort?

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) findet den Ansatz falsch. Gerade der praktische Teil sei wichtig, sagt Marc Bächler, Sprecher der bfu: «Es zeigt sich, dass der Erinnerungseffekt mit praktischen Übungen immer noch am höchsten ist und so mehr vom Gelernten im Gedächtnis bleibt.»

Dass die Zahl der Unfalltoten von Jahr zu Jahr sinke, sei sicher eine erfreuliche Tatsache, so Bächler weiter: «Dennoch ist immer noch jedes Todesopfer im Strassenverkehr zu viel. Deswegen ist es gut, wenn Autofahrende wissen, wie sie sich zu verhalten haben.» Nur schon, wenn es darum gehe, die Rettungskette auszulösen oder einen Unfallort zu sichern.