Säumige Prämienzahler: Lohnen sich Schwarze Listen?

Wer seine Krankenkassen-Prämien nicht bezahlt, wird registriert und nur im Notfall medizinisch versorgt: Sechs Kantone kennen das System der Schwarzen Listen. Jetzt will auch der Kanton Aargau säumige Zahler registrieren – dies, obwohl noch nicht klar ist, ob es sich überhaupt lohnt.

Eine Frau sitzt mit einem Taschenrechner über einer Krankenkassen-Police. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Viele der säumigen Versicherten könnten die Prämien bezahlen, wollten es aber nicht, sagt der Santésuisse-Sprecher. Keystone

Wenn es um Krankenkassen-Prämien geht, ist die Zahlungsmoral nicht allzu gut. Die Zahl der offenen Prämien-Rechnungen habe 2013 erneut zugenommen, sagt Paul Rhyn, Sprecher des Krankenkassen-Verbands Santésuisse.

Zu früh, um Bilanz zu ziehen

2:04 min, aus HeuteMorgen vom 15.02.2014

«Laut Schätzungen handelt es sich um 600‘000 Betreibungen. Wir gehen davon aus, dass nicht alle Betreibungen zu Stande kamen, weil die Krankenkassen-Prämien nicht bezahlt werden konnten.» Es geht also nicht ums Zahlen-Können, sondern ums Zahlen-Wollen: «Die Schwarzen Listen sind eine Möglichkeit, um Druck auszuüben, dass diese Prämien auch bezahlt werden.» Und diese eine Möglichkeit kennen laut Paul Rhyn die Kantone Thurgau, Luzern, Schaffhausen, Solothurn, Zug und Tessin.

Gute Erfahrungen im Thurgau

Der Kanton Thurgau sammelt seit 2007 Erfahrungen. Rafael Herzog vom Gesundheitsamt erklärt, wie es funktioniert: «Wenn wir die Mitteilung erhalten vom Krankenversicherer, dass jemand die Prämien nicht bezahlt hat, wird er konsultiert und man versucht, mit ihm eine Lösung zu treffen.» In dieser Zeit habe diese Person nur Anspruch auf Notbehandlungen. Betreut werde sie dann in ihrer Gemeinde. So habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Herzog weiter. Meist seien die Personen nur kurze Zeit auf der Liste.

Mehrheit bleibt auf Liste

Auch der Kanton Luzern führt seit Herbst 2012 Buch. Alain Rogger, Leiter der zuständigen Stelle sagt: «Listeneinträge führen aus meiner Erfahrung dazu, dass die betroffenen Personen reagieren und von der Liste wegkommen möchten. Entweder bemühen sie sich, die Zahlungen zu leisten, oder sie versuchen im Bereich Sozialhilfe eine Lösung zu finden.» Doch die Mehrheit komme fast nicht mehr weg von der Liste, räumt Rogger ein.

Lohnt sich Aufwand und Ertrag bei diesem System? Kritiker bezweifeln es, auch wenn es sich noch nicht abschliessend sagen lässt. Doch ob mit oder ohne Schwarze Liste: Offene Rechnungen in der Grundversicherung fallen auf die Kantone zurück. Sie müssen den Hauptteil übernehmen.
(aebn;gern)