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Legende: Video Schikanöser Chef: Angestellte zur Strafe in den Keller verbannt abspielen. Laufzeit 13:49 Minuten.
Aus Kassensturz vom 08.01.2019.
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Schikanöser Chef Chef verbannt Sachbearbeiterin zur Strafe unter Tag

Weil sie eine fristlose Kündigung nicht akzeptiert, muss eine Ametista-Angestellte im Keller Steine aufstapeln.

Lange war sie auf Arbeitssuche. N.G. hat den Job als Sachbearbeiterin bei Ametista Mineralien AG in Thalwil durch das regionale Arbeitsvermittlungszentrum bekommen. Die alleinerziehende Mutter war froh, endlich wieder eine Anstellung zu haben. Doch die Freude hielt nicht lange.

Kurz nach Ablauf der Probezeit legt ihr der Chef unvermittelt die Kündigung vor. «Er sagte zu mir, ich mach dir ein Angebot – ich zahl dir 3000 Franken, dafür bist du ab sofort draussen.» Dazu hätte er die Kündigung einen Monat in die Probezeit zurückdatiert.

Legende: Video N.G. über das Angebot des ehemaligen Chefs abspielen. Laufzeit 00:44 Minuten.
Aus Kassensturz vom 08.01.2019.

Strafversetzung in den Keller

Verdutzt lehnt N.G. das Angebot ab. Schliesslich hätte sie auf zwei Monatslöhne verzichtet. «Dann sagte er, in diesem Fall gehst du ab sofort in den Keller arbeiten.» Ab diesem Zeitpunkt sei sie nie mehr an ihrem ursprünglichen Arbeitsplatz gesessen. Statt Sachbearbeiterinnen-Aufgaben zu erledigen, habe sie im Untergeschoss ohne Fenster Steine aus Kisten ausgepackt und andere Materialien gezählt.

überfüllter Lagerraum in einem Keller
Legende: Nicht gerade gemütlich: N.G. filmt ihren Arbeitsplatz ohne Tageslicht. zvg

Das Gesetz verlangt Tageslicht

«Niemand darf strafversetzt werden, zum Beispiel in einen Keller und dort ganz andere Arbeiten zugewiesen bekommen, als jene, die vertraglich geregelt sind», erklärt Arbeitsrechtsprofessor Roger Rudolph von der Universität Zürich. «Kommt dazu, dass das Arbeitsgesetz verlangt, dass grundsätzlich an jedem Arbeitsplatz Tageslicht vorhanden sein muss.»

Auch M.S. hat für den Mineralienhändler Ametista gearbeitet. Ihr wurde schon in der Probezeit gekündigt. Weshalb, weiss M.S. bis heute nicht. Sie hat jedoch eine Vermutung. Sie hätte entdeckt, dass ihr Chef sie am Arbeitsplatz mit einer Videokamera überwacht habe. Inklusive Ton. «Er hat uns auf Dinge angesprochen, die er im Büro nicht gehört haben kann», sagen beide Frauen.

Überwachungskamera in einem Büro
Legende: Im Büro der Sachbearbeiterinnen filmte eine Kamera mit. Laut Arbeitsrechts-Experten geht das gar nicht. zvg

Chef hört Mitarbeiterinnen ab

M.S. erinnert sich nur ungern daran zurück. «Als ich gemerkt habe, dass er uns permanent mittels Mikrofon abhört, fühlte ich mich wie nackt. Das ist ein massiver Eingriff in die Privatsphäre.»

Legende: Video M.S. über den Eingriff in ihre Privatsphäre abspielen. Laufzeit 00:32 Minuten.
Aus Kassensturz vom 08.01.2019.

Eine Überwachung am Arbeitsplatz gehe gar nicht, sagt Rechtsprofessor Rudolph. «Jede Form von Verhaltensüberwachung durch solche Überwachungs- und Kontrollsysteme am Arbeitsplatz ist unzulässig.» Das gelte umso mehr, wenn die Betroffenen nichts davon wüssten. «Dann kann eine solche Überwachung sogar strafbar sein.»

Ametista bestreitet Vorwürfe

Der Chef, gleichzeitig Inhaber von Ametista-Mineralien, will vor der Kamera nichts sagen und bestreitet sämtliche Vorwürfe. Er schreibt «Kassensturz»: «Alle Anschuldigungen sind unwahr.»

Betreffend Arbeit im Keller schreibt er: «Es ist wahr, dass Frau G. für eine ihr zugeteilte Produktegruppe ein Inventar aufnehmen musste. Frau G. hat aber nie Arbeiten ausgeführt, die nicht ihrem Arbeitsbeschrieb entsprachen.» Behauptungen zu Rückdatierungen der Kündigungen seien haltlos.

Zur Videoüberwachung sagt der Ametista-Chef: «Versteckte Kameras existieren bei uns nicht. Eine einfache Home-Kamera, an welcher sich Frau G. störte, wurde mit meinem Einverständnis von ihr ausgesteckt und blieb ausgeschaltet.» Die Kamera sei auf den Eingang gerichtet gewesen und nicht auf irgendeinen Arbeitsplatz oder auf eine Person.

Legende: Video Studiogespräch mit Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter Kanton Zürich abspielen. Laufzeit 06:31 Minuten.
Aus Kassensturz vom 08.01.2019.

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