Schmuggelproblem an regionalen Schweizer Flughäfen?

Dass der Oberengadiner Flughafen Samedan ein Schmuggel-Problem hat, ist bekannt. Fachleute gehen davon aus, dass das Problem weit grösser ist und auch andere Flugplätze betrifft.

Ein Zoll-Schild liegt verstaubt auf einem Boden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Dass es die regionalen Flughäfen nicht so genau nehmen mit der Einfuhr-Kontrolle, ist als Vorwurf nicht haltbar. Reuters

Im Bündner Südtal Bergell, in Martina im Unterengadin und am Flugplatz in Samedan sind 22 Schals beschlagnahmt worden. Dies, weil die Accessoires aus der Wolle der streng geschützten Tibet-Antilope gefertigt sind und dem Verkäufer – je nach Reinheitsgrad – bis zu 20'000 Franken einbringen.

Als Schmuggelgüter sind sie aber nicht zuletzt auch deshalb klassifiziert, weil die Tibet-Antilopen unmöglich zu domestizieren sind; für die Gewinnung ihrer Wolle müssen sie notwendig getötet werden, wobei ein einziger Schal der Wolle von zwei bis fünf Tieren bedarf.

Nachfrage nach Luxusgütern

Dass die Schals am Flugplatz Samedan und in seiner Nähe konfisziert worden sind, ist als Coup gegen den Schmuggel zu werten. Andererseits deckt der Umstand zwei bedenkliche Aspekte am Warenverkehr auf: erstens, dass in der Schweiz eine Nachfrage nach Luxusgütern wie den Schals der seltenen Tibet-Antilope besteht; und zweitens, dass die Kontrolle ihrer Einfuhr gewisse Schwachstellen hat.

Ein Schild veweist auf den Flugplatz Samedan, 1704 Meter über Meer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Europas höchst gelegener Flugplatz gilt als Einfallstor für Schmuggel-Waren. Imago

Der Flugplatz Samedan – den vor einem Jahr schon die «Sonntagszeitung» als Einfallstor für Schmuggel-Waren beleuchtet hat – rückt nun die anderen mittelgrossen und kleinen Schweizer Flughäfen und -plätze in den Blick. Konkret stellt sich die Frage, ob auch über andere regionale Flugplätze illegale Güter ins Land gelangen.

Probleme auch anderswo?

Wie der Flugplatz Altenrhein (SG) auf Anfrage sagt, gibt es eben dort kein Sicherheitsproblem. Die Waren würden geprüft und der Flugplatz mit einem Zaun gesichert. Auch seien Nacht- und Nebelaktionen in Altenrhein ausgeschlossen, da das Gelände in der Nacht abgeriegelt sei und vom Grenzwachkorps sukzessive kontrolliert würde.

Ähnlich klingt es vom Flughafen Grenchen. Zwar fällt hier ein kleiner Teil der Flugbewegungen unter die Rubrik Geschäftsflüge. Doch laut einer Sprecherin sei es in den letzten 13 Jahren, in denen sie für den Solothurner Flughafen arbeitet, zu keinem entsprechenden Problem gekommen.

Am Flughafen Lugano-Agno ist man derweil durchaus mit Fällen von Schmuggel konfrontiert. Importiert würden aber nicht etwa Luxusgüter wie in Samedan. Das Grenzwachkorps müsse hier stattdessen gefälschte Marken-Artikel sicherstellen. Nebst vermeintlichen Rolex-Uhren, Louis-Vuitton-Taschen und Ähnlichem werde bisweilen auch Fleisch aus Kasachstan und Pakistan beschlagnahmt.

Ein Fazit zu ziehen ist schwierig

Wenn nun Samedan und Lugano von Schmuggel berichten, andere Flughäfen und -plätze aber entsprechende Fälle verneinen, ist ein Fazit über die Sicherheit an regionalen Schweizer Flughäfenplätzen nur schwer zu ziehen. Immerhin ist der Schmuggel ja nur feststellbar, wenn er als solcher überführt ist. Will heissen: Gelingt er, wird er von den Verantwortlichen zwangsläufig gar nicht wahrgenommen.

Der Turm vom Flughafen Altenrhein. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nach eigenen Angaben gesichert: der Flugplatz Altenrhein. Reuters

Eben dieser Meinung ist auch Albert Stahel, Professor für Strategische Studien an der ETH Zürich. Ihmzufolge sind die mittleren und kleinen Flugplätze durchaus «neuralgische Punkte» in Sachen Schmuggel. Zwar bestünden da Waren-Kontrollen. Doch könnten sie nicht so streng ausgeführt werden wie in Kloten oder Genf. Nach Stahel dürfte das «bei der Benutzung der regionalen Flughäfen zweifelsohne ausgenutzt werden.»

Statistisch nicht eigens ausgewiesen

Einer, der es wissen muss, ist Martin Affolter von der eidgenössischen Zollverwaltung. Allerdings kann er die Schmuggel-Aktivitäten an den mittleren und kleinen Flugplätzen nicht spezifisch ausweisen, weil diese in die entsprechende Gesamtstatistik zu allen Schweizer Flugplätzen fallen.

Befragt, ob man gezielt auch die mittleren und kleinen Flughäfen und -plätze kontrolliere, hält sich Martin Affolter – «aus taktischen Gründen» – bedeckt. Doch gibt er zu bedenken, dass es nicht Ziel des Schweizer Zolls sei, so viel wie möglich zu kontrollieren. Stattdessen wäre ihr Bestreben, «dort zu konrollieren, wo es Sinn macht» und wo sie etwas zu finden erwarteten.

Wieviel nun genau an illegalen Waren über die mittleren und kleinen Flugplätze in die Schweiz geschmuggelt wird, muss also offen bleiben. Bekannt ist aber, dass allein an den streng kontrollierten Flughäfen Zürich, Basel, Lugano und Genf im Jahr 2014 9'157 Schmuggelfälle registriert worden sind.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel