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Schweiz Schwarzgeld: Athen hat sich noch nicht gemeldet

Die griechische Regierung will rigoros gegen Steuersünder vorgehen – hat sie versprochen. Das betrifft auch die Schweiz: Hier haben Steuerflüchtlinge aus Griechenland laut Schätzungen mehrere Dutzend Milliarden Franken deponiert. Der Ball liege bei Athen, heisst es in Bern.

«Wir haben zuletzt vor einem Jahr konkrete Vorschläge gemacht, wie man unversteuerte Gelder aus Griechenland regularisieren könnte», sagt Mario Tuor. Er ist Medienverantwortlicher im Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF). Seither habe man weder von der alten, noch von der neuen griechischen Regierung etwas gehört. Das erstaunt, denn immerhin geht es um geschätzte 30 bis 200 Milliarden Franken, die von griechischen Steuerflüchtlingen in der Schweiz parkiert sein sollen.

Altlasten regeln

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf habe Griechenland im Februar 2014 eine Übergangslösung vorgeschlagen im Hinblick darauf, dass der Automatische Informationsaustausch AIA dereinst sowieso kommen werde, so Tuor. Es sei vor allem darum gegangen, die Frage der unversteuerten Gelder aus der Vergangenheit zu regeln. «Da gibt es verschiedene Möglichkeiten.»

Tuor erwähnt etwa einen bilateralen Vertrag, in dem geregelt werde, unter welchen Bedingungen Kundendaten oder Steuererträge ausgetauscht werden. Eine andere Möglichkeit: Griechenland setze im eigenen Land ein Selbstanzeige-Programm auf, wie das in vielen anderen europäischen Ländern gemacht wurde. In diesem Fall könne Athen dann um Amtshilfe in jenen Fällen ersuchen, in denen sich Steuersünder nicht selber anzeigen. «Jedenfalls gab es eine ganze Reihe von Vorschlägen», sagt Tuor.

Symbolbild: Bündel von Schweizer Banknoten.
Legende: Auf Schweizer Bankkonten sollen bis zu 200 Milliarden Franken unversteuerte Gelder aus Griechenland liegen. Keystone

Warten auf eine Reaktion aus Athen

Die Schweiz werde in der Sache nun nicht aktiv auf Griechenland zugehen. «Wir haben unsere Vorschläge gemacht und warten nun auf eine Reaktion», sagt Tuor dazu. Man sei auch offen für neue Vorschläge. Im Hinblick auf den AIA, der 2017/18 auf OECD-Ebene eingeführt werden soll, gehe es vor allem darum, zu verhindern, dass unversteuerte Gelder in «ein Drittland oder einen obskuren Finanzplatz» verschoben würden. Es bleibe noch genügend Zeit, mit Athen eine Lösung zu finden, ist Tuor zuversichtlich.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Der Automatische Informationsaustausch muss nun endlich greifen im gesamten Europa. Die gestohlenen Milliarden müssen zum Griechischen Volk zurück . Arte-Dokumentation über die Verstrickungen der Brüsseler EU - darum zahlen sie für die Griechen weil sonst die Korruptionsbombe platzt . Eine Sammelklage von betrogenen Rentnern und Kleinsparern ist bereit im Gange - Da muss unsere Presse am Ball bleiben, nicht den EU Lügenbrei verbreiten .
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Ich glaube, dass der neue "RobinHood" aus Griechenland noch viele "westliche Oligarchen" zum Zittern bringen wird. Er holt das Geld bei den Reichen und wird es den Armen verteilen. Bis jetzt war es für viele Länder von Vorteil, wenn die Griechen anscheinend die Steuern nicht eintreiben konnten.
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    1. Antwort von Hz. imBoden, Ringgenberg
      Auch in Deutschland müssen Echte Vermögen nicht besteuert werden? Die Berater von Finanzminister Wolfgang Schäuble halten eine Reform der Erbschafts-, der Einkommens- und der Grundsteuer zumindest für denkbar, um das Vermögen im Land anders zu verteilen. Die Rückkehr zu einer „echten Vermögenssteuer aber lehnen sie strikte ab“!
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  • Kommentar von K.D.Waldeck, Bellinzona
    Ist sicher gestellt das die CH-Vorschläge tatsächlich die Entscheidungsträger in der Regierung erreicht haben und nicht von direkt interessierten korrupten Beamten auf ein Nebengleis umgelenkt wurden ? Bei den Verhältnissen in der griechischen Bürokratie scheint mir alles möglich zu sein.
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