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Session Burkhalter: «Ich werde andere Krawatten tragen als Maurer»

Die Bundesversammlung hat Didier Burkhalter zum neuen Bundespräsidenten gewählt. Der 53-jährige Neuenburger erhielt 183 Stimmen. Er verspricht: Es gibt ein anderes Präsidialjahr als unter Ueli Maurer.

Legende: Video Glanzresultat für Didier Burkhalter abspielen. Laufzeit 0:57 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 04.12.2013.

Der neu gewählte Bundespräsident Didier Burkhalter zeigte sich über das gute Wahlergebnis erfreut. Er sprach von einem Zeichen des Vertrauens in die Regierung. Der Neuenburger stellt sein Präsidialjahr unter das Motto «die Schweiz und die Welt».

Legende: Video Burkhalter ist neuer Bundespräsident abspielen. Laufzeit 1:02 Minuten.
Aus News-Clip vom 02.12.2013.

Anders als sein Vorgänger Ueli Maurer, der Auslandreisen eher vermieden hat, plant Burkhalter viele internationale Kontakte in seinem Jahr als Bundespräsident.

Weil die Schweiz nicht Mitglied eines Bündnisses sei, müsse sie noch stärker als andere Kontakte auf internationaler Ebene
aufbauen, sagte der Aussenminister. Im Fokus stehen die EU und die Nachbarländer.

Wahlresultat des Bundespräsidenten und der Vizepräsidentin

BundespräsidentVizepräsidentin
Didier BurkhalterSimonetta Sommaruga
Ausgeteilte Stimmzettel222231
Eingegangene Stimmzettel222231
Leere Stimmzettel1717
Ungültige Stimmzettel39
Gültige Stimmzettel202205
Wahlresultat183180

Schweiz nicht nur Zuschauerin

Im Januar wird Burkhalter in Wien das Schweizer Präsidium der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) eröffnen. Der OSZE-Vorsitz bedeute für die Schweiz eine Chance und eine Verantwortung, sagte er dazu.

Es sei wichtig zu zeigen, dass die Schweiz nicht nur Zuschauerin sei, sondern auch vorne stehen könne. Die OSZE habe für das Präsidium ein Land gewollt, das Brücken bauen könne, und die Schweiz sei Spezialistin darin. In der OSZE müssten sich 57 Länder einigen. «Das ist schlimmer als im Bundesrat», scherzte Burkhalter.

Verhandlungen mit der EU

Gemessen wird Burkhalter aber in der Öffentlichkeit am Resultat der Verhandlungen mit der EU über die künftigen Beziehungen. Dessen ist sich auch Burkhalter bewusst. «Führen die Verhandlungen zu einem Erfolg, wird es ein Erfolg für die Schweiz sein. Andernfalls wird es meine Niederlage sein.»

Das Jahr 2014 sei ein entscheidendes Jahr. Es biete sich die Gelegenheit, ohne Druck zu verhandeln und die Beziehungen zur EU für die kommenden Generationen auf eine neue Basis zu stellen. Sein Ziel sei es, über Konkretes zu sprechen und die Ideologie beiseite zu lassen.

Weder Clooney noch graue Maus

Auf die Frage, was er anders machen werde als sein Vorgänger, sprach Burkhalter diesem zunächst seinen Dank aus. Maurer und er hätten im vergangenen Jahr gut zusammengearbeitet. «Oft haben wir unterschiedliche Standpunkte vertreten, doch es gab sogar auch freundliche Momente», sagte der Neuenburger.

«Ich werde zwar als Bundespräsident andere Krawatten tragen als Ueli Maurer», so Burkhalter. Aber es treffe nicht zu, dass er im Gegensatz zum Vorgänger der hohen Kultur zugetan und Bratwurstfesten abgeneigt sei. «Ich mag Bratwürste.» Ändern werde er sich im Präsidialjahr nicht, sagte Burkhalter weiter. «Man muss sich selbst bleiben.»

Der gewählte Bundespräsident wurde auch gefragt, als was er sich denn selbst sehe – er, der wahlweise als «graue Maus» und als «George Clooney» des Bundesrates bezeichnet werde. «Ich sehe mich als Didier Burkhalter», antwortete er. «Das genügt.»

Auch Sommaruga glanzvoll gewählt

Zur Vizepräsidentin des Bundesrates wurde SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga gewählt. Sie erhielt 180 Stimmen. Als Vizepräsidentin des Bundesrates ist sie designierte Bundespräsidentin für das Jahr 2015.

Die letzten 10 Bundespräsidenten auf einen Blick

JahrBundespräsidentAnzahl Stimmen
2014Didier Burkhalter (FDP)183
2013Ueli Maurer (SVP)148
2012Eveline Widmer-Schlumpf (BDP)174
2011Micheline Calmy-Rey (SP)106
2010Doris Leuthard (CVP)158
2009Hans-Rudolf Merz (FDP)185
2008Pascal Couchepin (FDP)197
2007Micheline Calmy-Rey (SP)147
2006Moritz Leuenberger (SP)159
2005Samuel Schmid (SVP)174

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37 Kommentare

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  • Kommentar von M. Pfister, Zürich
    «Ich werde andere Krawatten tragen als Maurer»: Von mir aus kann er sogar Kopftuch und Burka tragen; solange Burkhalter den Verfassungsauftrag und Volksauftrag ausführt; und nicht Klein-Napoleon spielt, wie dies diverse seiner welschen Vorgänger in der Vergangenheit taten!
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  • Kommentar von Roman Loser, Embrach
    Ich danke Herrn Maurer für sein tolles Präsidialjahr! Schön wenn man nicht immer ab-oder umschalten muss wenn der Bundespräsident am Fernsehen oder Radio spricht!
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 630 Stans
    Während Diedier Burkhalter vom SRF hochgejubelt wird, wird Ueli Maurer verächtlich als Bundespräsident, der das Land nicht öffne, dargestellt. Dabei tat es dem Land sehr gut, für ein Jahr einen Bundespräsidenten zu haben, der dem erpressten, ständig in Druck gesetztem Land eine moralische Stütze war, es auf seine Stärken hinwies und es mahnte, die Werte auch in Kontakten mit dem Ausland nicht preiszugeben
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    1. Antwort von Marcel M. Pfister, Arisdorf BL
      Das Bild, das Sie uns hier von Ueli Maurer zeichnen, Frau Zelger, ist natürlich reine Folklore. Dieses ganze Märchen vom "Druck von aussen" ist ein Hirngespinst der SVP. Jedes Land ist Druck ausgesetzt - von innen und von aussen. Die Schweiz hat diesem immer erfolgreich widerstanden. Burkhalter wird einen ausgezeichneten Bundespräsidenten abgeben.
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