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Session Doppelte Premiere für «Internationalrat» Tim Guldimann

Er nimmt 1000 Kilometer Arbeitsweg auf sich, will 750'000 Auslandschweizer im Parlament vertreten und findet, mit 65 Jahren ist noch lange nicht Ende der Fahnenstange: Tim Guldimann, ehemaliger Schweizer Botschafter, ist einer der neuen Nationalräte und pendelt zwischen Berlin und Bern.

Legende: Video «Guldimanns erster Tag in Bern» abspielen. Laufzeit 2:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.11.2015.

54 neu vereidigte Nationalrätinnen und Nationalräte feierten am Montag Premiere im Bundeshaus. Unter ihnen war einer, der gleich für eine doppelte Premiere sorgte: Der erste Auslandschweizer im Parlament, Tim Guldimann. Bis im Sommer war Guldimann Schweizer Botschafter in Berlin. Dort wohnt er immer noch und pendelt zwischen Berlin und Bern.

Unsere Innenpolitik ist zu stark auf unser Land selbst bezogen und nimmt zu wenig wahr, wie man uns von aussen sieht.
Autor: Tim GuldimannNeuer Nationalrat und ehemaliger Schweizer Botschafter

Und so macht sich Guldimann am Montagmorgen früh in Berlin-Schöneberg auf den Weg ins Bundeshaus. Fast 1000 Kilometer Arbeitsweg nimmt er auf sich, um 750‘000 Auslandschweizer zu vertreten. Europa, Flüchtlinge, Terror: Auf diese Themen will sich der ehemalige Schweizer Botschafter konzentrieren. «Es geht vor allem um die Sicht von aussen auf unser Land. Unsere Innenpolitik ist zu stark auf unser Land selbst bezogen und nimmt zu wenig wahr, wie man uns von aussen sieht», findet Guldimann.

Teuerster Parlamentarier

Kaum in Bern holt den ehemaligen Spitzendiplomaten Schweizer Mittelmass ein: Die «Weltwoche» rechnet vor, dass Guldimann der teuerste Parlamentarier ist. Seine Reisen zwischen Berlin und Bern würden die Schweizer Steuerzahler 25'000 Franken kosten. Guldimann selbst relativiert die Zahl. Er rechne mit etwa 25 Reisen in der Legislatur: «Bisher hat eine etwa 300 Franken gekostet.»

Bis vor kurzem war Guldimann Diplomat: In den 1990-er Jahren als OSZE-Vermittler in Tschetschenien, später als Botschafter in Iran und zuletzt in Deutschland.

Ich glaube nicht, dass es richtig ist zu sagen, bei 65 sind alle am Ende ihrer beruflichen Fähigkeiten.
Autor: Tim GuldimannNeuer Nationalrat und ehemaliger Schweizer Botschafter

Jetzt, mit 65 Jahren, will Guldimann als SP-Nationalrat noch einmal bei Null anfangen. Auf die Frage, warum er sich das antut, sagt er, dass Politik ihn immer interessiert habe. Und: «Ich erachte mich als fähig, dieses Amt wahrzunehmen.» Das hänge auch damit zusammen, dass er für eine Flexibilisierung des Rentenalters eintrete. «Ich glaube nicht, dass es richtig ist zu sagen, bei 65 sind alle am Ende ihrer beruflichen Fähigkeiten», sagt Guldimann.

Auf das diplomatische folgt nun das politische Parkett. Zuhören und lernen will «Internationalrat» Guldimann, wie er sich selber nennt, als erstes.

64 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Das ist super-öko-sozialdemokratisch, diese Reiserei. Und wieso bezahlen SteuerzahlerInnen das? Es ist schon ne Frechheit, dass ParlamentarierInnen, die 31 Minuten Weg haben, 180.- pro Nacht bezahlt wird - obwohl die doch (fast) alle immer nach Hause fahren - mit dem geschenkten 1.Kl-GA.
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Das nationale Parlament ist sicher nicht vergleichbar mit anderen "Arbeitgebern". Tessiner oder andere wären z.B. gegenüber Bernern benachteiligt, weil es quasi nur einen Hauptsitz gibt u. keine Filialen. Und 31 Minuten? Woher wissen Sie das? Also den SR Hans Stöckli z.B. sieht man oft im Zug nach Biel oder nach Bern. Hab auch noch nie gehört, dass der einfach in Bern übernachtet. Überhaupt scheint das wieder mal so ein Kommentar zu sein, der kaum aus Fakten besteht. So will man Parl. belehren?
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    348 Kilo CO2 pro Pendelreise. 8.7 Tonnen CO2 pro Jahr. Die SP müsste in ccorpore helles Entsetzen zeigen. Tut es aber nicht. Animal Farm...
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Tim Guldimann: "Wer sich als Auslandschweizer in der Schweizer Politik engagiert, muss reisen. Ich werde im Fall einer Wahl neben der Bahn auch mit dem Flugzeug in die Schweiz kommen. Bin ich aus Umweltsicht sehr konsequent? Wahrscheinlich nicht. Ich will auch gar nicht vorgeben, ein grün-ökologischer Held zu sein." (Quelle: Nordwestschweiz). Aber er nimmt z.T. offenbar einfach den Nachtzug.
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  • Kommentar von Albert Planta (Plal)
    Es mag befremdlich erscheinen, wenn ein Auslandschweizer in den Nr gewählt wird, aber es ist so möglich und er wurde rechtmäßig gewählt, genauso wie z. B. der Mörgeli rechtmäßig abgewählt wurde. Die Stimmberechtigten haben entschieden!
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Es geht wohl kaum darum, dass er Auslandschweizer ist, sondern zur SP gehört. Der könnte auch nach Bern umziehen und was sagen, was von SRF zitiert würde, die Kommentarspalte sähe nicht viel anders aus.
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