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Schweiz Sieben Tage Arbeit, fünf Tage Lohn

Wie viel soll Arbeit wert sein? Das war eine der Fragen am diesjährigen 1. Mai. Ein boomendes Geschäft mit tiefen Löhnen ist die 24-Stunden-Betreuung von Senioren. Sie wird meist von Osteuropäerinnen geleistet. Harte Arbeit für viel zu wenig Geld sei das, sagen viele von ihnen. Eine Polin klagt nun.

Legende: Video Polnische Pflegerin klagt abspielen. Laufzeit 04:06 Minuten.
Aus 10vor10 vom 01.05.2013.

«Ich habe sieben Tage pro Woche gearbeitet. Lohn gab es nur von Montag bis Freitag», sagt Agata Jaworksa gegenüber «10vor10». Die Polin arbeitet seit Jahren als sogenannte 24-Stunden-Betreuerin und pflegt Schweizer Senioren.

Immer mehr Schweizer Senioren möchten nicht in ein Pflegeheim und lassen sich zu Hause pflegen. Die Arbeitsbedingungen der Pflegerinnen sind aber häufig schlecht. Mit Agatha Jaworska will nun erstmals eine osteuropäische Senioren-Betreuerin vor Zivilgericht klagen. «Ich habe am Wochenende immer gratis gearbeitet», sagt Jaworksa. Sie lebte mit dem Senior unter einem Dach und leistete in der Nacht auch Notfallpikett. Sie verlangt jetzt tausende Franken Lohnnachzahlung.

Gratis Nachtpikett, unbezahlte Wochendarbeit

Agatha Jaworska
Legende: Klagt gegen ihre Arbeitsbedingungen: Agatha Jaworska SRF

Agata Jaworskas Arbeitsvertrag lief über das Stellenvermittlungsbüro KMU Jobs in Pratteln. Geschäftsführer Manfred Käser betont gegenüber «10vor10»:  «Ich habe nicht gewusst, dass die Frau auch am Wochenende arbeiten musste.» Man habe die Pflegerin im Auftrag der privaten Spitexorganisation «Integrale Krankenpflege»  angestellt.

Deren Geschäftsführerin Tina Sasse sagt dazu: «Wenn eine solche Betreuerin zusammen mit dem Senior einen Film schaut. Ist das dann Arbeitszeit?» Die Klägerin habe überzogene Lohnvorstellungen und wolle unrealistisch viele Arbeitsstunden vergütet erhalten.  

Gewerkschaft VPOD plant mehrere Klagen

Marianne Meyer von der Gewerkschaft VPOD unterstützt Agata Jaworskas Klage vor Zivilgericht. «Wir akzeptieren nicht, dass hier ein Arbeitsmarkt mit knallharter Ausbeutung entsteht», so die Gewerkschafterin. Sie wolle gegen weitere Arbeitsverträge von solchen 24-Stunden-Betreuerinnnen klagen. Die Klage von Jaworska habe Pilotcharakter: «Erstmals muss ein Gericht entscheiden, wie viel die Rund-um-die-Uhr-Präsenz dieser Pflegerinnen wirklich wert sein soll.» 

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13 Kommentare

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  • Kommentar von A.Schweigler, ZH
    Fr.Verena Eberhard@ dem sagt man Notstand Pflegenotstand und nicht dummes geschwätz in zb. einer Bäckerei kriegt der Angestellte auch die Zeit bezahlz in der er anwesend ist und leistung erbringt Fussbalspielen mit Kolegen ist nicht bezahlt. In gewissen berufen gibt es sogar Piketdienst das zusätzlich entlöhnt werden muss. Warumm sollten immmmmmeeeer die Linken an allem schuld sein die haben auch Rom nicht abgefackelt oder die Titanik versenkt. Sie machen sich das oft etwas zu einfach.
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  • Kommentar von Verena Eberhard, 5722 Gränichen
    A.Planta Chur vor allem Sie haben ein überragendes Allgemeinwissen. Eigentlich geht es in diesen Forums um die Sache und nicht um Personen. Jedoch Sie richten Ihren intelligenten Wortschatz immer gegen Personen. Aber natürlich links, Anstand ist bei denen ein Fremdwort.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Eine Altenpflegerin weis genau wie es ablaeuft! Und wenn sie die Stelle nimmt weis sie dass es eine 24/7 Stelle ist, es sei denn, man findet eine Abloesung. Aber iR ist es 60% Praesenzzeit, Echtarbeit 40% je nach Fall. Der Pflegende muss gereinigt, bekocht, gefuettert werden Am Morgen aus dem Bett und angezogen-, am Abend ins Bett und ausgezogen werden.. Dazwischen.. nichts ausser Fernsehen Musik ins Ohr stopfen via Handy ... die Patienten einfach mit sich belassen, gelangweillt.. bis zum Tode!
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