Sozial- und Geisteswissenschaften droht Numerus clausus

Universitäten bilden immer mehr Studierende zu Sozial- und Geisteswissenschaftlern aus: Innert 15 Jahren ist ihre Anzahl um mehr als 50 Prozent gestiegen. In dem Sektor gibt es aber nur wenig Stellen. Nun wird die Forderung nach einem Numerus clausus wieder laut.

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Sozial- und Geisteswissenschaften droht Numerus clausus

4:53 min, aus 10vor10 vom 2.1.2013

Der neue Präsident der Erziehungsdirektoren-Konferenz der Deutschschweiz, Christian Amsler (FDP/SH),  fasst ein heisses Eisen an: den Numerus clausus. Was bereits seit Jahren für den Zugang zum Medizinstudium gilt, fordert Amsler nun für die Sozial- und Geisteswissenschaften.

Bei Bereichen, in denen es zu wenige Jobs und zu viele Interessenten gebe, müsse man hinschauen – und zupacken, so Amsler zu «10vor10». Er präzisiert: «Das bedeutet schliesslich nichts anderes als den Numerus clausus. Auch wenn es weh tut.»

Unterstützung erhält Amsler vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. Wenn das System aus dem Lot sei, müsse schleunigst eine Umverteilung ins Auge gefasst werden. Rudolf Minsch, Leiter Bildung bei Economiesuisse glaubt, die absolut freie Studienwahl habe in der Schweiz kaum mehr Zukunft.

Er fordert, die Universitäten sollten ihre Studierenden auswählen. Entweder über Eintrittstests oder Prüfungen oder aber via Eintrittsgespräch.

Oberster Rektor der Schweizer Universitäten warnt

Das System dürfe ruhig einmal in eine andere Richtung kippen, meint hingegen Antonio Leoprieno, Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten. Eine ökonomische Einschätzung sei immer eine Momentaufnahme und nicht auf die Zukunft ausgerichtet.

An den Universitäten würden jetzt die Entscheidungsträger der nächsten Generation ausgebildet. Loprieno hält es für komplett falsch, aufgrund momentaner Indikatoren die Entwicklung der Gesellschaft zu bestimmen.

Unterstützung erhält Loprieno von Studierenden. Klar bleibt jedoch, dass jetzige Studierende der Sozial- und Geisteswissenschaften nicht sehr begehrt sein werden auf dem Arbeitsmarkt. Die Diskussion um die freie Studienwahl wird deshalb wohl oder übel auf die Universitäten zukommen.