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Schweiz «Sozialhilfe ist keine Barmherzigkeit»

Die Sozialhilfe gerät in der Gesellschaft immer mehr unter Beschuss – zu Unrecht, finden zahlreiche soziale Organisationen. In einem öffentlichen Appell fordern sie deshalb ein Ende des «Bashings» und benennen Massnahmen gegen die Verarmung.

Legende: Video Hilfswerke warnen vor «fortschreitendem Sozialabbau» abspielen. Laufzeit 02:13 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 16.12.2014.

Rund 20 Organisationen haben in einer gemeinsamen Erklärung die Sozialhilfe verteidigt. Sie zeigten sich darin besorgt über politische Angriffe auf das soziale Existenzminimum und die Sozialhilfe.

Die Angriffe unterstellten beispielsweise, die Sozialhilfe sei viel zu grosszügig oder sei zu leicht erhältlich. Solche Darstellungen spiegelten nicht nur fehlendes Wissen über die Sozialhilfe, sondern auch Unkenntnis der sozialen Wirklichkeit.

«Für die Betroffenen sind solche Attacken eine Bedrohung der eigenen Existenz, für die gesamte Gesellschaft sind sie eine Gefährdung des sozialen Zusammenhalts», heisst es in der Mitteilung. Unter den Organisationen sind das Hilfswerk Caritas, die Behindertenorganisation Pro Infirmis und der Schweizerische Gewerkschaftsbund.

Armut muss verhindert werden

Sozialhilfe werde nicht aus Barmherzigkeit gewährt, sondern es bestehe ein verfassungsmässig garantierter Rechtsanspruch, betonten die Organisationen. Der Bezug sei an strenge Bedingungen geknüpft, und Sozialhilfemissbrauch werde scharf geahndet.

Die Sozialhilfe zahle die Zeche für viele Entwicklungen der letzten Jahre, beispielsweise Leistungsbeschränkungen in den Sozialversicherungen oder die Verstärkung des kantonalen Steuerwettbewerbs.

«Die Armutsdebatte ist einseitig zu einer Diskussion über das Leistungsniveau der Sozialhilfe geworden. Damit geht das Hauptziel der Armutspolitik verloren: Armut verhindern», wird Caritas-Direktor Hugo Fasel zitiert.

Erleichterter Zugang zur Weiterbildung

Die Organisationen schlagen eine Reihe von Massnahmen vor, um die Armut besser zu bekämpfen. Demnach sollten die Lasten der Sozialhilfe gerechter zwischen Gemeinden und Kantonen verteilt werden.

Das Niveau der Sozialversicherungen müsse gesichert werden, da Kürzungen unweigerlich zu Zusatzlasten in der Sozialhilfe führen würden. Zudem sollten Ausbildung- und Weiterbildungsmassnahmen erleichtert werden, und dies nicht nur für Sozialhilfebezüger

Leichtes Plus bei Sozialhilfe

Die Sozialhilfequote ist gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte gestiegen. Aktuell liegt sie bei 3,2 Prozent. Kinder und Jugendliche besitzen nach wie vor das höchste Sozialhilferisiko. Insgesamt wurden laut der Schweizerischen Sozialhilfestatistik im letzten Jahr 257‘192 Personen mit unterstützt.

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37 Kommentare

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  • Kommentar von alfred tanner, biel
    Als Sozialarbeiter stelle ich fest, dass die Sozialhilfe in der Schweiz auf dem Holzweg ist und direkt in die Sackgasse führt. Ein bundesrätliches Rahmengesetz muss dringend her, damit der Kantönligeist in der Sozialhilfe endlich aufhört. Zurzeit können wir uns in der Schweiz die Armut noch "leisten", nur wenn weiterhin so kutschiert wird, ist der Tag Nahe, wo die Sozialhilfeempfangenden nur noch ein Taschengeld und die andere Unterstützung mittels Naturalien erhalten (2kg Reis pro Monat.. usw).
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  • Kommentar von Rita Meier, Luzern
    An E. Weaden wer bezahlt dieses Grundeinkommen.? Alle jene CO"s Gangsters und Banksters welche mit goldenen Fallschirmen bestückt und mit exorbitanten Salären, Bonis und Aktienbeteilligung unsere Wirtschaft ruinieren- Das wäre doch mal eine Alternative E- Weaden-mal darüber nach gedacht?
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Liebe Frau Meier, Verfechter/In FÜR ein Grundeinkommen ist M. Haener. Deshalb verstehe ich jetzt Ihr Statement grad nicht!
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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Da wird wohl einiges bei unseren Kommentatoren durcheinandergebracht. Die Sozialhilfe unterstützt Bedürftige gemäss den SKOS-Richtlinien. Die angeprangerte Sozialindustrie ist anderswo tätig, zB bei angeordneten Massnahmen der KESB (nicht integrierungswillige Flüchtlingsfamilien, Fall Carlos usw.)
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