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Fedpol-Sprecher Näf: «Täter stammen meist aus Osteuropa oder aus französischen Banlieues»
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Spektakuläre Überfälle Die Bancomat-Sprenger ziehen durchs Land

In der Schweiz wurden in den letzten Tagen mehrere Bancomaten gesprengt. Neu ist das nicht, sagt das fedpol.

In Zeiten klandestiner Cyberattacken erinnert das Vorgehen eher an die Panzerknacker aus Entenhausen: Quer über die Schweiz haben Unbekannte in den letzten Tagen versucht, Bancomaten zu sprengen – im bernischen Utzenstorf waren sie in der Nacht auf Montag erfolgreich. In derselben Nacht wurde Vicosoprano (GR) ein Bankomat gesprengt.

Dabei sollte es nicht bleiben. Vergangene Nacht machten sich Vermummte in Rothrist/AG am Bankomaten bei einer Tankstelle zu schaffen. Der Sprengversuch misslang. In der Nacht auf Mittwoch war ein anderer Versuch im bernischen Büren an der Aare gescheitert, einen Automaten in der Aussenmauer der UBS-Filiale zu zerstören.

Büren an der Aare
Legende: In Utzenstorf (BE) entkamen die unbekannten Täter auf einem Roller mit Bargeld in unbekannter Höhe. In Büren an der Aare (im Bild) misslang der Sprengversuch. Beat Kälin/SRF

Die rohe Gewalt störte die Ruhe in der Schweizer Provinz empfindlich. Um einen Fall für den Gemeindepolizisten handelt es sich aber nicht: Denn zuständig für die Ermittlungen in den Fällen ist das Bundesamt für Polizei (fedpol).

Ob es einen Zusammenhang zwischen den Bancomat-Sprengungen gibt, ist nach wie vor unklar. Fest steht für Florian Näf, Mediensprecher beim fedpol: «Eine solche Serie wie im Moment ist aussergewöhnlich.»

Sprengungen nehmen sprunghaft zu

Allerdings: Neu ist es nicht, dass sich Kriminelle an Bancomaten zu schaffen machen. Schon 2019 verzeichnete das fedpol 22 Fälle. In den Jahren zuvor gab es aber jeweils nur eine handvoll Bancomat-Sprengungen.

Ermittlungen in Stabio/Tessin nach Bancomat-Sprengung
Legende: Bancomat-Sprengungen werden laut fedpol meist von organisierten Kleingruppen aus dem Ausland durchgeführt. Im Bild: Gesprengter Bancomat 2019 in Stabio/TI. Keystone

Ein spezifisch schweizerisches Phänomen sind die nächtlichen Angriffe auf Geldautomaten nicht. «Länder wie Holland, Deutschland oder Italien sind massiv stärker betroffen. In Deutschland gibt es praktisch jeden Tag eine Bancomat-Sprengung», so der fedpol-Sprecher.

Das Vorgehen der Täter ist über die Landesgrenzen hinweg ähnlich: Sie montieren selbsthergestellten Sprengstoff an den Bancomaten oder bringen eine Gasmischung zur Explosion. «Bei den selbsthergestellten Sprengstoffen werden Vorläuferstoffe verwendet, beispielsweise Ammoniumnitrat oder Aceton», erklärt Näf.

Parlament schränkt Zugang zu Chemikalien ein

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Privatpersonen haben künftig weniger leicht Zugang zu Chemikalien, aus denen sich Bomben bauen lassen. Das Parlament hat in der Herbstsession ein entsprechendes Gesetz gutgeheissen, mit dem der Kauf bestimmter Substanzen erschwert wird. Gewisse Produkte, in welchen sogenannte Vorläuferstoffe enthalten sind, können von Privaten nur noch mit Bewilligung gekauft werden.

Entscheidend für die Bewilligungspflicht ist die Konzentration. Die EU hat den Zugang zu Vorläuferstoffen bereits 2014 eingeschränkt. Hintergrund der Regulierung sind verschiedene Terroranschläge, bei welchen selbstgemachte Sprengstoffe eingesetzt wurden.

Die Delikte würden in organisierten Kleingruppen von drei bis vier Tätern geplant und durchgeführt, so Näf weiter: «Nach bisherigem Kenntnisstand stammt die Täterschaft mehrheitlich aus Osteuropa beziehungsweise auch aus französischen Banlieues.» Daneben gebe es aber auch Fälle von Trittbrettfahrern, die einmalig versuchten, Bancomaten zu knacken.

Bancomat-Sprengungen sind nicht eben Geheimoperationen. Trotzdem nehmen die Fälle weiter zu. Offensichtlich versprechen sich die Täter durchaus Erfolgschancen – doch oft bleibt es beim Versuch, relativiert der fedpol-Sprecher: «Viele Angriffe sind erfolglos und die Täter gelangen nicht an das Geld.»

Reiche Beute möglich

Denn Bancomaten seien grundsätzlich sehr gut gesichert. Dazu kommt: Auch wenn ein Automat aufgebrochen oder gesprengt werden kann, gibt es teilweise Systeme, die das Bargeld mit Tinte färben. «Damit wird es unbrauchbar für die Täterschaft», sagt Näf.

Gelingt ein Angriff, kann sich das aber lohnen: Laut dem fedpol können teils mehrere zehntausend Franken erbeutet werden.

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